In den 50er-Jahren gab es noch in vielen Dörfern gemeindeeigene Ziegenböcke | Foto: pr

Eine Zoologische Kuriosität

Ziegenbock gab ehedem in Langensteinbach Milch

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Aus einem Ettlinger Zeitungsartikel der 50er-Jahren ist entnehmen: „Die Gemeinde Langensteinbach besitzt eine zoologische Kuriosität: Einen Ziegenbock, der täglich drei Liter Milch gibt.“ Fake-News? Mitnichten! Der Milch gebende Bock war nicht nur Dorfgespräch. „Sogar in der Bild ist er gekommen“, erinnert sich Werner Bach, ehedem rechte Hand von Karlsbads Bürgermeister Seeger, an die Wellen, die die Geschichte von dem Bock einst schlug.

Ziegenbock hieß im Volksmund „Caligula“

Sogar sein Name im Dorf ist ihm haften geblieben: „Caligula“. Wie es früher in vielen Dörfern üblich war, gab es im landwirtschaftlich geprägten Langensteinbach einen von der Gemeinde betriebenen Farrenstall, in dem neben dem Stier zudem ein Ziegenbock untergebracht war, um für gute Bedingungen in der örtlichen Viehzucht zu sorgen. So hatte „Caligula“ im Austausch mit dem gemeindeeigenen Auerbacher Bock – er hatte Gleiches in Langensteinbach zu erledigen – schon Gutes zur Vermehrung des Auerbachers Ziegenbestandes getan. „Caligula“, der nun dreijährige Bock aus „bestem Ziegenhause“, wie in dem Artikel aus den 50er-Jahren zu lesen ist, wuchs aber nach der erfolgreichen Aktion in Auerbach plötzlich ein vollständiges Euter.

Farrenwärter schüttelte nur den Kopf

Der Farrenwärter in Langensteinbach habe nur den Kopf geschüttelt und seine Beobachtung dem damaligen Bürgermeister Karl Ried gemeldet. Der Chronist der Zeitung in Ettlingen schrieb über den weiteren Fortgang in der Sache: „Ried machte umgehend einen Lokaltermin. Man zupfte am Euter, angesammelte Milch tropfte zu Boden. Die zoologische Kuriosität war entdeckt. Langensteinbachs Gemeinde-Bock gab Milch.“ Ried ließ nicht locker. Er schrieb an die Veterinär-Uni Gießen.

Bürgermeister schrieb an Uni Gießen

Umgehend erhielt die Gemeindeverwaltung Bescheid. „Es ist“, so heißt es in diesem Brief. „eine Drehpunktverschiebung bei der embryonalen zweigeschlechtlichen Entwicklung eines jeden Individuums.“ Mit anderen Worten in jedem Tier, wie auch dem Menschen, sei eine Anlage zum anderen Geschlecht vorhanden. Dies sei bei dem Bock zum Durchbruch gekommen.

Dem Ziegenbock wurde fristlos gekündigt

Wie kommentierte der Chronist die neue Lage?: „Dem Bock wurde fristlos gekündigt; zur Zucht kann er nicht mehr verwendet werden. Auf Gemeindekosten darf er vorerst allerdings noch leben.“ Um abschließend anzumerken: „Dieses Mal wurde der Bock nicht zum Gärtner, sondern zum Milchmann gemacht.“ Johannes-Christoph Weis