Die Karlsruher Regierungspräsidentin Nicolette Kressl machte sich auf der A5 selbst ein Bild vom Stand der Arbeiten. | Foto: Töngi

Mitten auf der A5-Baustelle

Zwischen Baustellenlärm und Beton

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Die schicke Limousine wird schnell gegen ein Baustellenfahrzeug getauscht. Dann geht’s auch schon Richtung A 5. Ein paar Minuten später steht Nicolette Kressl (SPD) mitten auf der Baustelle bei Ettlingen. Von der Seite dröhnt der kreischende Lärm der Maschinen, es riecht nach frischem Beton. Nebenan auf der Fahrbahn schieben sich Autos und Lkw mühsam durch den Berufsverkehr. Immer wieder heißt es Stoßstangenkuscheln.

Ich kann den Ärger der Autofahrer nachvollziehen

Wo man auch hinschaut: genervte Blicke von ungeduldigen Fahrern. „Ich kann das nachvollziehen“, sagt die Karlsruher Regierungspräsidentin, „aber die zum Teil 30 Jahre alte Fahrbahndecke war dringend erneuerungsbedürftig“. Auch persönlich sei Kressl auf dem Weg nach Karlsruhe täglich von den Auswirkungen der Baustelle betroffen. „Aber da muss man eben durch.“

Wir liegen voll im Zeitplan

Die Infos von Jürgen Gentner dürften die 58-Jährige also gleich doppelt freuen. „Wir liegen voll im Zeitplan“, verkündet der Leiter des Baureferats im Regierungspräsidium Karlsruhe jetzt beim Vor-Ort-Termin. Soll heißen: Am 7. beziehungsweise 8. November sind alle Arbeiten zwischen der Anschlussstelle Rastatt-Nord und Karlsruhe-Ettlingen abgeschlossen. Stand jetzt zumindest. Aber: Einfach so über Nacht wird die Baustelle wohl nicht komplett verschwinden. Erst nach und nach würden alle Fahrstreifen wieder freigegeben werden. Und im nächsten Jahr muss ja auch noch die Gegenfahrbahn erneuert werden. „Hätten wir das Ganze nicht gesplittet, wäre die Bauzeit um 40 bis 50 Prozent länger ausgefallen“, erklärt Gentner. Außerdem hätte sich dadurch das Unfallrisiko erhöht. Die Strategie sei also aufgegangen. „Wir haben keine überproportional höheren Unfallzahlen als an anderen Baustellen.“

Aber zurück in die Gegenwart. Beim ersten Gang über die neue Fahrbahndecke spürt man die feinen Rillen selbst durch die Schuhe. Ein Gefühl, als würde man jeden Moment am Boden kleben bleiben. Natürlich Quatsch, aber durch das sogenannte „Grinding-Verfahren“ soll die Oberfläche später tatsächlich für mehr Griffigkeit und weniger Lärm beim Fahren sorgen. Dafür nimmt der Bund auch nochmal 970 000 Euro mehr in die Hand. Von einer Kostenerhöhung für die A5-Sanierung will Gentner allerdings nicht sprechen. Vielmehr sei bereits vor der Ausschreibung geplant gewesen, einen Teil der Fahrbahn mithilfe des „Grinding-Verfahrens“ zu erneuern. Das Bundesamt für Straßenwesen habe jedoch erst nachträglich grünes Licht gegeben.

Gesamtkosten liegen bei knapp 21 Millionen Euro

Daher beziffern sich die Gesamtkosten nun auf knapp 21 Millionen Euro. Das „Grinding-Verfahren“ wurde bereits probeweise auf einem Autobahn-Abschnitt bei Bruchsal angewandt. „Zwar wurden dort teils andere Materialen verwendet“, erklärt Gentner. Dieses Rillen-Prinzip sei allerdings dasselbe wie hier auf der vier Kilometer langen Strecke. Der Rest der sanierungsbedürftigen Strecke auf der A 5 erhält eine Waschbeton-Oberfläche.

Es geht über Holzbretter und Drahtseile

Regierungspräsidentin Kressl hört aufmerksam zu und hakt hier und da nach. „Es ist schon etwas ganz anderes, plötzlich hier mitten auf der Baustelle zu stehen, anstatt nur daran vorbeizufahren“, sagt sie und läuft an einigen aufgerissenen Betonplatten vorbei. Die Autos auf dem befahrbaren Abschnitt der A 5 rauschen nun schneller vorbei und wirbeln massig Luft auf. Immer wieder muss Kressl ihren Schal aus dem Gesicht zupfen, doch das scheint ihr nichts auszumachen. Auch nicht, dass sie über Holzbretter und Drahtseile steigen muss. Auch ein paar Eisenstangen lugen seitlich noch aus der Fahrbahn hervor. An anderen Stellen ist der Beton noch weich. Aber bereits Anfang kommender Woche soll der wesentliche Teil der Bauarbeiten abgeschlossen sein. „Dann geht es an Feinheiten wie etwa die Mulden“, erklärt Gentner seiner Chefin. Die nickt zufrieden und winkt noch ein paar Bauarbeitern zu. Dann geht’s zum nächsten Termin.

Die Sanierung der Fahrbahndecke auf der A 5 in Fahrtrichtung Frankfurt soll bis Anfang November abgeschlossen sein. Starttermin war Anfang Mai. Insgesamt ist die Baustelle rund zehn Kilometer lang. Auf vier Kilometern erhält die Fahrbahndecke eine Grinding-, der Rest eine Waschbeton-Oberfläche. Die Baukosten betragen rund 21 Millionen Euro und werden vom Bund getragen. Circa 120 000 Tonnen Beton und anderer anfallender Abfall müssen im Zuge der Fahrbahnsanierung entsorgt werden. Nächstes Jahr wird dann an gleicher Stelle auch die Gegenfahrbahn erneuert. Diese Arbeiten sollen bis Ende 2018 dauern.