Uhrenmacher Markus Schleicher (links) reparierte das Sicherheitsventil der Dampflok. Das alte Stück mit den vier Waggons gehört Eisenbahnliebhaber Hartmut Stoll.
Uhrenmacher Markus Schleicher (links) reparierte das Sicherheitsventil der Dampflok. Das alte Stück mit den vier Waggons gehört Eisenbahnliebhaber Hartmut Stoll. | Foto: Müller

Präsentation zum Stadtjubiläum

125 Jahre alte Dampflok fährt bei Uhren-Schleicher in Gernsbach

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Zum Gernsbacher Stadtjubiläum hat Uhrenmacher Markus Schleicher in seinem Geschäft eine Präsentation mit historischer Dampflok und aufgebaut. Darin weist er auch auf das 150-jährige Bestehen der Murgtalbahn und das 145-jährige Bestehen von Uhren-Schleicher hin.

Laut zischend dreht die Dampflok im Geschäft von Uhrenmacher Markus Schleicher ihre Runden. Es riecht nach Spiritus, Dampf zieht aus ihrem Schornstein. „1969 habe ich die Lok vom Urenkel des Bürgermeisters Abel gekauft“, erklärt Hartmut Stoll.

Ein Geschenk an Bürgermeister Abel im Jahr 1894

Bürgermeister Georg Friedrich Abel habe die Lok 1894 zum 25-jährigen Bestehen der Bahnstrecke Gernsbach-Rastatt geschenkt bekommen, wie Stoll erzählt. Nachdem Stoll die Lok für 25 Mark gekauft hatte, lag das Spielzeug mehr als vier Jahrzehnte in seinem Keller. Bis es ihm bei den Vorbereitungen für das Stadtjubiläum wieder einfiel.

Die vielen Jahre waren nicht spurlos an der Lok vorübergezogen. Aufwendig überarbeitete Stoll sie, lackierte die Waggons neu und brachte die Lok auf Vordermann. Nur bei dem kaputten Sicherheitsventil kam er nicht weiter. Er bestellte zwar ein neues, aber ein passender Adapter fehlte ihm. Darum wandte er sich 2018 an Markus Schleicher, der Erfahrung mit der Instandsetzung von Uhrwerk-Lokomotiven hat.

Uhrenmachermeister Schleicher bringt die Lok zum Fahren

Der Uhrenmacher reparierte die Dampflok und machte sie fahrbereit. Dabei kam ihm eine Idee. „Ich habe Hartmut Stoll vorgeschlagen, hier im Laden eine kleine Präsentation anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Strecke Rastatt–Gernsbach zusammen mit seiner Lok zu machen“, erzählt Schleicher.

Kurzerhand baute er einen kreisrunden Schienenkreis inklusive Eichenholzschwellen und Schotter auf eine Holzplatte. Seine Frau verzierte die Platte mit dem Schriftzug „800 Jahre Gernsbach – 150 Jahre Murgtalbahn – 145 Jahre Uhren-Schleicher“.

Heute steht das Gesamtwerk inklusive Lok im Eingangsbereich von Schleichers Uhrengeschäft. Dazu gibt es eine alte ehemalige Bahnglocke und -leuchte sowie Bilder von Gernsbach. Und jede Menge zu erzählen.

Schon die Vorfahren hatten mit der Murgtalbahn zu tun

„Meine Vorfahren haben ab 1874 die Eisenbahneruhren der Murgtalbahn gewartet“, erzählt Schleicher und zeigt mehrere Taschenuhren. Die mussten pünktlich gehen, damit die Lokführer wussten, wann Abfahrtszeit war. Auch die großen Uhren an den Bahnhöfen wurden von Schleichers Vorfahren gewartet, bis etwa zum ersten Weltkrieg, wie er von seiner Großmutter erzählt bekam.

Schleicher kennt das Uhrmachergeschäft schon von Kindesbeinen an und übernahm den Laden von seinem Vater. Bahnuhren hat er aber nicht mehr gewartet. Stoll dagegen ist begeisterter Liebhaber von Dampflokomotiven.

Die 125 Jahre alte Spielzeug-Lok kam in seinen Besitz, als er bei der Firma Schoeller & Hoesch arbeitete. Dort traf er auf den besagten Urenkel, der ihm das Stück verkaufte. Er freut sich, dass seine Lok nun endlich passende Gleise hat. Bisher konnte er sie nur geradeaus auf dem Boden fahren lassen.

Zudem können sich nun auch andere Leute an der Lok und ihren Wägen erfreuen. Am Gernsbacher Jubiläumswochenende vom 12. bis 14. Juli wird sie zusammen mit einem Kurzfilm über die Lokomotive bei Uhren-Schleicher präsentiert.