Rückläufige Stückzahlen in der Achsenproduktion für Lkw: Während die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen in mehreren Ländern im zweiten Halbjahr 2016 spürbar zurückgegangen ist, wird in den Pkw-Bereichen im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau teilweise rund um die Uhr gearbeitet. | Foto: Daimler

Mercedes-Benz-Werk Gaggenau

„2016 war zufriedenstellend“

Im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau wird in den vom Pkw abhängigen Bereichen aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage teilweise rund um die Uhr gearbeitet. Anders sieht es im Lkw-Bereich aus: Wegen eines  Auftragsrückgangs in Brasilien, Nordamerika oder der Türkei sind die Programmzahlen etwa bei schweren Getrieben oder Achsen zurückgefahren worden. Die aktuelle Programm- und Beschäftigungssituation, die weitere Umsetzung der Standortstrategie, das Truck-Kostensenkungsprogramm „Stream“ und die E-Mobilität waren die wichtigsten Themen der Betriebsversammlung am Daimler-Standort Gaggenau.

Über 6800 Beschäftigte in Gaggenau

Die Beschäftigungssituation gilt mit über 6 800 Mitarbeitern in Gaggenau samt seinem Werkteil Rastatt und dem Presswerk Kuppenheim als stabil.   Im Nutzfahrzeugbereich hat es insbesondere im zweiten Halbjahr 2016 Nachfragerückgänge gegeben, auch wenn der europäische Markt etwas angezogen hat. Standortleiter Matthias Jurytko im Pressegespräch nach der Betriebsversammlung: „Wir haben für 2017 noch keine Anzeichen für eine Veränderung.“ Er sprach aber von einem „zufriedenstellenden Jahr 2016“. In den Bereichen mit geringerer Beschäftigung aufgrund nachlassender Märkte habe man jederzeit einen Ausgleich zwischen dem Nutzfahrzeug- und Pkw-Bereich herstellen können. Von der guten Volumenentwicklung beim Pkw haben am Standort Gaggenau insbesondere der Wandler und das Presswerk profitiert, so Jurytko.

Brecht: „Viel Bewegung“

Die Umsetzung der Standortstrategie („Murgtalstrategie“), die 2014 beschlossen wurde, beinhaltet den Ausbau der Kernfertigung und die Erhöhung der Montagekapazitäten, sieht andererseits aber auch Fremdvergaben in der Logistik vor. In diesem Gesamtprozess werden bis 2019/2020 insgesamt rund 2 000 Mitarbeiter am Standort einen anderen Arbeitsplatz erhalten. Derzeit sei hier „viel Bewegung da“, so Betriebsratsvorsitzender Michael Brecht nach der Betriebsversammlung. Es sei „normal, dass dies nicht ohne kritische Diskussionen abläuft“. Brecht ist Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Daimler, weiterhin aber auch Betriebsratschef in Gaggenau.  Standortleiter Jurytko sagte, dass über 200 Mitarbeiter aus dem (auslaufenden) Bereich der leichten Getriebe bis 2020 neue Aufgaben etwa in den Bereichen Pkw-Achse oder Rohbauerweiterung finden würden. Man habe mit großer Transparenz die Belegschaft auf Veränderungen vorbereitet; dass man Wort halte, sei auch aus den Rückmeldungen bei der Betriebsversammlung deutlich geworden. Brecht wies in diesem Zusammenhang auf die Ergebnisse der jüngsten Mitarbeiterbefragung hin, die noch etwas besser als vor zwei Jahren ausgefallen seien.

Sparprogramm „Stream“

Das neue Einspar- und Effizienzprogramm im Truck-Bereich von Daimler mit dem Namen „Stream“ sieht bis 2018 ein Einsparvolumen von 400 Millionen Euro vor, was der Betriebsrat deutlich kritisiert. Brecht: „Solche pauschalen Vorgaben können zu Fehlsteuerungen führen, da haben wir in der Vergangenheit schon Lehrgeld bezahlt.“ Vielmehr solle der Vorstand für sich selbst die Frage beantworten, wie seine Strategie aussehe, um zusätzliche Erlöse zu erzielen und Marktanteile zurückzugewinnen, so Brecht vor der Belegschaft. Standortleiter Jurytko sagte im Pressegespräch, dass es sich „nicht um ein Programm, sondern um einen Prozess handelt“ und dass auch eine externe Unternehmensbertung eingeschaltet worden sei.

E-Mobilität: Brecht macht Druck

Ab Januar beginnt an allen Daimler-Standorten eine Untersuchung darüber, wie sich die E-Mobilität auf die Beschäftigung auswirken wird. Diese Studie wird vom Unternehmen samt Betriebsrat sowie der IG Metall getragen. Brecht mahnt: „Im Nutzfahrzeugbereich sind wir noch zu zögerlich unterwegs. Wenn das Thema heute nicht diskutiert wird, haben wir es 2020 nicht im Haus.“ Es werde, so Brecht, Teilbereiche geben, wo das Thema ganz schnell aktuell werde – etwa im Personennahverkehr mit den Bussen oder im Verteilerverkehr für Lastkraftwagen.