Vorsicht bleibt geboten, auch wenn im Murgtal die Zahl der Diebstähle (um 23,1 Prozent) und die der Straftaten insgesamt (um 10,1 Prozent) zurückgegangen ist. Das Revier Gaggenau hat 2017 stolze 61,3 Prozent aller Kriminalitätsdelikte aufgeklärt. | Foto: dpa

„Standortfaktor Sicherheit“

2017 deutlich weniger Straftaten im Murgtal

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Baden-Württemberg ist im Vergleich der 16 Bundesländer in puncto Straftaten nach Bayern am sichersten. Diese positive Aussage lässt sich auf den unteren Ebenen sogar noch steigern: Denn der Landkreis Rastatt insgesamt liegt bei der Zahl der Straftaten noch unter dem Landesschnitt – und der Einzugsbereich des Polizeireviers Gaggenau (Kuppenheim, Bischweier, Muggensturm, Gaggenau, Gernsbach, Loffenau, Weisenbach und Forbach) liegt wiederum noch unter den Zahlen des Landkreises.

Ein Minus von 10,1 Prozent

Gemessen wird dies mit „Häufigkeitszahlen“, das heißt, alle bekannt gewordenen Straftaten werden auf 100000 Einwohner hochgerechnet, um eine Vergleichbarkeit zu erhalten. Gilt das (erweiterte) Murgtal schon seit Jahren als sicher, so ist die Zahl der Straftaten 2017 gegenüber dem Vorjahr noch einmal um stolze 10,1 Prozent gesunken; in absoluten Zahlen sind dies 287 Straftaten weniger. Bekannt gegeben hat diese erfreuliche Entwicklung bei der Vorlage der polizeilichen Kriminalstatistik 2017 Jörn Hinrichsen, der Leiter des Reviers Gaggenau.

Hohe Aufklärungsquote

Der Polizeichef betont: „Das Murgtal ist die sicherste Region im Landkreis Rastatt und – zusammen mit dem Kinzigtal – die sicherste im Polizeipräsidium Offenburg.“ Hinrichsen sieht in der – inzwischen konstant geringen – Kriminalitätsbelastung durchaus auch einen Standortfaktor bei der Wohnungssuche. Die verstärkte Präsenz der Polizei im öffentlichen Raum trage ihren Teil zur Verringerung der Straftaten wie auch zur Erhöhung des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung bei, so Polizeichef Hinrichsen.
Und: Die Aufklärungsquote beträgt 61,3 Prozent (Hinrichsen: „Alles um die 60 Prozent sind Traumwerte“). Besonders hoch ist die Aufklärungsquote beim Straftatbestand Körperverletzung.

Mittelzentren im Vergleich

Hinrichsen: „Die Stadt Gaggenau ist das sicherste Mittelzentrum im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg.“ Und zwar mit gehörigem Abstand, was sich an den Häufigkeitszahlen ablesen lässt: Für die Benz-Stadt wurden fiktive 3 885 Straftaten auf 100 000 Einwohner hochgerechnet; mit gehörigem Abstand folgen Bühl (5 456) und Achern (5 932), die Kreisstadt Rastatt (7 640) weist hier die größte Zahl an Straftaten auf.

Loffenau ist am sichersten

Gernsbach weist hochgerechnet (Häufigkeitszahl 4 323) sogar mehr Straftaten als Gaggenau (3 885) auf, Forbach (3 777) liegt nur knapp hinter der Benz-Stadt; dann folgen Muggensturm (3 675), Kuppenheim (2 880) und Weisenbach (2 738). Am sichersten sind die Kleingemeinden Bischweier (1 889) und Loffenau (1 845).

Weniger Diebstähle

Die Zahl der Diebstähle ist signifikant um 220 Fälle (ein Minus von 23,1 Prozent) zurückgegangen, beim schweren Diebstahl sind es 95 Fälle weniger (minus 24,7 Prozent). Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle – wichtig für das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung – ist 2017 sogar um 27,4 Prozent (20 Fälle weniger, von 73 auf 53) gesunken. Dies ist laut Hinrichsen der niedrigste Wert der letzten fünf Jahre; innerhalb von zwei Jahren betrage der Rückgang stolze 50 Prozent. Die Ursachen? Vielfältig, meint der Polizeichef. Die Bevölkerung sei sensibilisiert, rufe bei verdächtigen Wahrnehmungen öfter an. Zudem sei die Sicherheitstechnik in den Häusern vielfach verbessert worden („In 50 Prozent der Fälle bleibt es beim Einbruchsversuch“). Auch zeige die von der Polizei ins Leben gerufene „Ermittlungsgruppe Eigentum“ Wirkung. Es werde auch weiterhin, kündigte Hinrichsen an, häufige Streifenfahrten geben – offen (mit Polizeifahrzeugen) wie auch verdeckt (Zivilfahrzeuge).

Mehr Körperverletzungen

Also heile Welt im Murgtal mit Blick auf die genannten Zahlen? Nein. Zwar ist auch die Straßenkriminalität – Hinrichsen: „Alles, was sich in der Öffentlichkeit abspielt“ – auf ein Fünf-Jahres-Tief gesunken (73 Fälle weniger als 2016, das ist ein Minus von 14,3 Prozent) – gestiegen ist dagegen die Zahl der Körperverletzungen, und zwar um 46 auf 336 Fälle (ein Plus von 15,9 Prozent). Hierbei gebe es aber keine örtlichen Schwerpunkte, so der Revierleiter („Es gibt im Murgtal keine Angsträume“). Grundsätzlich würden Körperverletzungen häufiger angezeigt als früher, und: „Täter und Opfer kennen sich in den meisten Fällen“, Hinrichsen nennt den Klassiker: Der verbale Streit in der Kneipe wird vor der Tür fortgesetzt. Weil die Kontrahenten im Regelfall bekannt sind, liegt die Aufklärungsquote beispielsweise in der Stadt Gaggenau bei stolzen 95 Prozent. Im Einzugsbereich des Reviers, also aller acht Gemeinden, wurden 2017 228 leichte und 85 gefährliche Körperverletzungen (mit Gegenständen) angezeigt. Außer bei Körperverletzungen gibt es auch beim „Schwarzfahren“ eine Zunahme – einfache Erklärung: Mehr Kontrollen.