Teststrecken für Oberleitungs-Lkw gibt es in Deutschland bisher nur auf Autobahnen, die B462 wird die erste Bundesstraße sein. Das Regierungspräsidium hat jetzt entschieden, dass es beim vereinfachten Genehmigungsverfahren bleibt. | Foto: Settnik

Oberleitungs-Lkw im Murgtal

2019 Baubeginn, ab 2020 Testbetrieb

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Beim Zukunftsprojekt „eWayBW“ auf der B462 zwischen Kuppenheim und Gernsbach bleibt es bei dem bereits vorgestellten Zeitplan. „Planfeststellung und Plangenehmigung entfallen“, sagte am Montag eine Sprecherin des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe auf BNN-Nachfrage. Ein Planfeststellungsverfahren, wie es jüngst von Teilen des Gaggenauer Gemeinderates gefordert worden war, entfällt hiermit. Es hätte eine Zeitverzögerung von geschätzt gut zwei Jahren mit sich gebracht.

Umweltverträglichkeitsprüfung entfällt

Bereits im September hatte das RP als Genehmigungsbehörde bekanntgegeben, dass auch keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Versuch mit Oberleitungs-Lkw auf der Bundesstraße im Murgtal notwendig ist. Damit bleibt es bei dem von Beginn an vorgestellten Zeitplan. Das Verkehrsministerium in Stuttgart hat wie berichtet zugesichert, die Verkehrsbehinderungen möglichst geringzuhalten und bei der Baustellenplanung eng mit der Stadt Gaggenau zusammenzuarbeiten.

Vorarbeiten beginnen 2019

Noch im ersten Quartal 2019 soll mit den Vorarbeiten auf der B462 begonnen werden; für das zweite und dritte Quartal sind die bauliche Umsetzung vorgesehen, zum Jahresende 2019 ein Testbetrieb mit Schulungen. Der dreijährige Realbetrieb mit Oberleitungs-Lkw, die Diesellaster auf den täglichen Wegen zwischen den Kuppenheimer Logistikhallen und den Gernsbacher Papierfabriken teilweise ersetzen, ist für 2020 bis 2022 vorgesehen. 2023 könnte somit der Rückbau der Anlage erfolgen.

Beim Pilotprojekt „eWayBW“ werden deutschlandweit erstmals auf einer Bundesstraße – bislang gibt es Teststrecken nur auf Autobahnen – elektrisch betriebene Hybrid-Oberleitungs-Lkw im Realbetrieb und unter der Fragestellung getestet, ob sie in der Zukunft einen nennenswerten Beitrag für einen möglichst umwelt- und klimafreundlichen Güterverkehr leisten können.

Teststrecke zwischen Kuppenheim und Obertsrot

Die B462-Teststrecke zwischen Kuppenheim und Gernsbach-Obertsrot wird rund 18 Kilometer lang sein; elektrifiziert, das heißt mit Oberleitungen ausgestattet, werden hiervon aber nur drei Teilbereiche mit insgesamt knapp sechs Kilometer sein (der längste hiervon mit 3,2 Kilometern auf Kuppenheimer Gemarkung). Entsprechend ausgerüstete Lkw sollen dann von den Oberleitungen Strom beziehen; gleichzeitig wird eine Batterie aufgeladen, die dem Lkw eine emissionsfreie Weiterfahrt außerhalb der Elektrifizierungsstrecke ermöglicht.

Fünf Hybridfahrzeuge im Einsatz

Zwei Speditionen werden die Oberleitungs-Lkw für den Logistikverkehr einsetzen. Die (damalige) Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte im September 2017 bei der Übergabe des „millionenschweren“ Förderbescheid des Bundes gesagt: „Wenn wir auf der Teststrecke Diesel-Lkw durch Elektro-Lkw ersetzen, dann reduzieren wir damit den Ausstoß von Luftschadstoffen und den Verkehrslärm.“
Nach letzten vorliegenden Informationen werden fünf Hybridfahrzeuge im Pendelverkehr auf der Bundesstraße im Realbetrieb unterwegs ein. Dies ist somit kein zusätzlicher Verkehr, wie von manchen befürchtet, sondern ohnehin zu erbringende Transporte erfolgen dann mit diesen Fahrzeugen.