Mit dem Orient-Express, ab 1894 entwickelt, beginnt die Gaggenauer Automobilgeschichte. Bis 22. Juni ist ein vom Unimog-Museum gekauftes Exemplar im Kurhaus Baden-Baden ausgestellt. Das Bild entstand in der Sparkasse Gaggenau. | Foto: Mandic

„125 Jahre Automobilbau“

2019 ist Jubiläumsjahr in Gaggenau

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Das Jahr 2018 ist bekanntlich Jubiläumsjahr in der Großen Kreisstadt: Gaggenau, Selbach, Ottenau und Sulzbach feiern ihre urkundliche Ersterwähnung vor 775 Jahren; in den beiden letztgenannten Stadtteilen gibt es größere Festivitäten. Der Reigen der Jubiläen setzt sich im kommenden Jahr fast nahtlos fort: Auch 2019 dürfte in der Benz-Stadt groß gefeiert werden, dann heißt es „125 Jahre Automobilbau im Murgtal“. Hierfür sind, wie eine BNN-Nachfrage ergab, die Planungen im Mercedes-Benz-Werk sowie im Rathaus angelaufen.

Open Air am 13. Juli 2019

Judith Feuerer, Pressesprecherin der Stadtverwaltung, weist auf ein großes Open Air vor den Sommerferien 2019 hin: Am Samstag, 13. Juli, sind von 14 Uhr an bis in den Abend hinein auf dem Marktplatz Auftritte mehrerer Bands aus der Region geplant. Das „Motto“ hierfür wird noch gesucht, soll aber in jedem Fall auf die 125-jährige Automobilgeschichte hinweisen.

Führungen im Benz-Werk

In der Daimler-Pressestelle in Stuttgart hält man sich in Sachen Jubiläumsveranstaltungen 2019 noch bedeckt, betont aber, „dass sich das Werk Gaggenau beteiligen wird“. Unabhängig von möglichen anderen Veranstaltungen sollen aber wohl in jedem Fall Werkführungen für Interessierte angeboten werden. Das Unimog-Museum hat aktuell noch keine konkreten Pläne, ist aber „jederzeit zur Zusammenarbeit bereit“, signalisiert Museums-Geschäftsführerin Hildegard Knoop.

Am Anfang steht der „Orient-Express“

Das Jubiläum 2019 orientiert sich am Jahr 1894: Damals trieb der vielseitig orientierte Fabrikant Theodor Bergmann in Gaggenau in seinen noch jungen Industriewerken den Bau eines Motorfahrzeugs voran – nicht unbedingt als unternehmerischer Schwerpunkt, gehörten doch auch Verkaufsautomaten, Blechschilder oder Luftpistolen zur Produktpalette Ende des 19. Jahrhunderts. Der Durchbruch des Automobils war damals noch nicht abzusehen; indes fand Bergmann mit dem jungen Ingenieur Joseph Vollmer aus Baden-Baden einen Konstrukteur, der 1897 mit dem „Orient-Express“ – der Name erinnert an den legendären Luxuszug – das erste Automobil im Murgtal vorstellte: Noch in Form einer offenen Reisekutsche, mit sechs PS und einem Einzylindermotor.

„Benz-Werk“ gibt es seit 1911

Mit dem „Orient-Express“, ab 1894 entwickelt und 1897 vollendet, beginnt die Automobilgeschichte in der Region. Es folgte neben einem Acht-PS-Omnibus im Jahr 1904 der von Willy Seck gebaute Kleinwagen „Liliput“. Im selben Jahr kaufte Georg Wiß von Theodor Bergmann die Automobilsparte und gründete in Gaggenau die Süddeutsche Automobilfabrik (SAG). 1907 übernahm die Mannheimer Konkurrenz „Benz und Cie Rheinische Gasmotorenfabrik“ die SAG mit einer Mehrheitsbeteiligung und benannte sie mit Wirkung zum Jahresbeginn 1911 in „Benz-Werke Gaggenau GmbH“ um. Den Namen Benz-Werk trägt die Fabrik, die heute für den ältesten noch produzierenden Automobilstandort der Welt steht, weiterhin – genauer: Mercedes-Benz-Werk Gaggenau, ein Werk der Daimler AG.

„Orient-Express“ ist ausgestellt

Ein Exemplar aus der Baureihe des „Orient-Express“ , sorgfältig restauriert und weitgehend im Originalzustand, ist bekanntlich inzwischen „heimgekehrt“: Für 280 000 Euro hat das Unimog-Museum das Automobil von dem in England lebenden Australier Ron Mellowship gekauft; noch bis zum 22. Juni ist es im Kurhaus Baden-Baden ausgestellt und wird auch beim Oldtimer-Meeting in der Kurstadt zu sehen sein (13. bis 15. Juli) zu sehen sein. „Gaggenau ist nicht nur ein Standort mit Geschichte, sondern auch mit Zukunft“, hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche das Werk bei einem Besuch im Herbst 2014 gewürdigt.