Vor rund 1500 Teilnehmern des Warnstreiks forderte Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht (rechts) mit Blick auf die Lohnforderung "einen ordentlichen Schluck aus der Pulle". | Foto: Dorscheid

Kundgebung in Gaggenau

24-Stunden-Streiks rücken näher

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Rote Fahnen, Luftballons, Trillerpfeifen und Live-Musik von der Band „Mississippi Blues Bunch“: Zur ersten größeren Kundgebung mit Warnstreik in Gaggenau innerhalb der Tarifrunde 2018 kamen am Dienstagvormittag rund 1 500 Teilnehmer ans Tor zwei des Mercedes-Benz-Werks. Aufgerufen hatte die IG Metall neben der Gaggenauer Benz-Belegschaft auch die Beschäftigten der Werkteile Kuppenheim und Bad Rotenfels sowie der Gaggenauer Firma AVL Emission Test Systems. Polizei und städtisches Ordnungsamt hatten für die knapp einstündige Kundgebung die Hauptstraße gesperrt. Am heutigen Mittwoch ist beim Benz-Werk in Rastatt eine Groß-Kundgebung geplant.

„Sehr gute Gewinne der Arbeitgeber“

Claudia Peter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, sagte am Dienstag, dass die Arbeitnehmerseite in der Lage sei, „ab nächste Woche noch einen draufzulegen, dann kommt es bundesweit zu 24-Stunden-Streiks.“ Peter mahnte vom Arbeitgeberlager einen „tragbaren Kompromiss“ zu allen drei Verhandlungsteilen an: Zum höheren Lohn, zur Reduzierung der Arbeitszeit und zu einem Zuschlag im Falle dieser Reduzierung. Am heutigen Mittwoch findet die nächste Metall-Verhandlungsrunde in Böblingen statt, nachfolgend tagen die einzelnen Arbeitsgruppen bis zum Wochenende. Roman Gessner vom Gaggenauer Daimler-Betriebsrat: „Die Arbeitgeber haben sehr gute Gewinne eingefahren, wir lassen uns nicht mit einem mickrigen Angebot abspeisen.“

„Ordentlicher Schluck aus der Pulle“

Michael Brecht, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Daimler, hieb in seiner Rede vor der Belegschaft in dieselbe Kerbe: „Die Metallindustrie brummt, deshalb ist jetzt ein ordentlicher Schluck aus der Pulle fällig.“
Brecht, der Mitglied der Tarifkommission ist, blickte auch auf die jüngste Verhandlungsrunde zurück und kritisierte, dass sich die Arbeitgeber danach in den Arbeitsgruppen „überhaupt nicht bewegt“ hätten und man deshalb „wieder bei Null anfangen“ müsse.