Das war vor 25 Jahren: Im Gaggenauer Stadtteil Selbach gab es zur 750-Jahr-Feier einen großen Festumzug mit 48 Wagen und Gruppen - jetzt heißt es "775-Jahre Selbach", eine Feier ist nicht geplant. | Foto: Haitz

2018 ist Jubiläumsjahr

„775 Jahre Gaggenau“: Gefeiert wird nicht überall

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Vier könnten groß feiern, aber nur zwei tun es tatsächlich: Das Jahr 2018 steht in Gaggenau im Zeichen der urkundlichen Ersterwähnung der damaligen Dörfer Gaggenau, Ottenau, Sulzbach und Selbach vor 775 Jahren. Ottenau und Sulzbach planen zweitägige Feste – die Kernstadt und Selbach halten sich dagegen zurück. Im Höhenort Selbach verzichtet man gänzlich auf eigene Festveranstaltungen; in der Kernstadt beschränkt man sich auf einen Festakt, der eher ein geladenes beziehungsweise Fachpublikum anziehen dürfte, und auf eine kleine Ausstellung. Die BNN geben einen Überblick.

Ersterwähnung im Jahr 1243

Das Jubiläum geht zurück auf eine Urkunde aus dem Jahr 1243, die sich im Generallandesarchiv Karlsruhe befindet. Auf diesem Schriftstück wurden vor 775 Jahren die vier Dörfer Gaggenau, Ottenau, Sulzbach und Selbach erstmals erwähnt: Anlass war die anstehende Gründung einer neuen Pfarrei in Gernsbach, wobei in der Urkunde vermerkt wurde, dass die genannten vier Ortschaften bei der bisherigen Pfarrei Rotenfels verbleiben sollten.

Kernstadt: Große Feier erst 2022

In der Kernstadt findet zum 775-Jahr-Jubiläum am Samstag, 17. März, ein Festabend „775 Jahre Gaggenau“ in der Jahnhalle mit Umrahmung durch die städtische Musikschule statt – mit einer Rede des Oberbürgermeisters sowie einem historischen Vortrag von Kurt Andermann, der einen Lehrauftrag am Historischen Seminar der Albert-Ludwig-Universität Freiburg hat. Zudem ist eine kleine Ausstellung im Rathausfoyer geplant.
Richtig groß gefeiert wird in der Kernstadt also nicht – das soll erst in vier Jahren der Fall sein: Am 15. September 1922 wurde Gaggenau zur Stadt, erhielt also das Stadtrecht. „Dieses 100-jährige Jubiläum soll 2022 auch entsprechend gefeiert werden“, sagt die städtische Pressesprecherin Judith Feuerer auf BNN-Nachfrage. Rückblick: Auch das 750-Jahr-Jubiläum im Jahr 1993 hatte die Kernstadt im Wesentlichen mit einem Festakt in der Jahnhalle gefeiert; und es gab vor 25 Jahren ebenso eine heimatgeschichtliche Ausstellung unter dem Titel „Von Bauerndörfern zum Murgtalzentrum“ im Rathausfoyer.

Keine Feier in Selbach

Ein historischer Festumzug mit 48 Wagen und Gruppen stand im Juni 1993 im Mittelpunkt der Feierlichkeiten „750 Jahre Selbach“, hinzu kam ein großes Dorf- und Straßenfest; der Ort war mit Fahnen, Girlanden und Blumen festlich geschmückt, und die BNN titelten damals: „Bei der Feier zum 750-jährigen Bestehen war alles auf den Beinen“. Ehrengäste wie zum Beispiel Thomas Schäuble fuhren zum Umzug in glänzenden Oldtimern vor. 25 Jahre später sagt Ortsvorsteher Michael Schiel gegenüber den BNN: „Ein Riesenfest wie zur 750-Jahr-Feier ist heutzutage gar nicht mehr so leicht möglich.“ Schiel deutet hierbei den Aufwand und die Mitwirkungsbereitschaft sowie -möglichkeiten an, verweist auch darauf, dass die Privathöfe nicht mehr in dem Maße zur Verfügung stünden wie dies noch 1993 der Fall gewesen sei.

Die Stadt Gaggenau hat mit einem Zuschuss gelockt, aber es geht gar nicht ums Finanzielle.

Ortsvorsteher Michael Schiel in seiner Begründung, warum der Ort keine Feier zum Jubiläum „775 Jahre Selbach“ ausrichtet

Das Thema Jubiläum sei im Ortschaftsrat und mit den Vereinsvorständen beraten worden, so Schiel; Ergebnis sei, dass man in diesem Jahr bei vielen Veranstaltungen im Ort das eigens angefertigte Banner „775 Jahre Selbach“ präsentieren, aber eben nicht groß feiern wolle. Der Ortsvorsteher blickt zurück auf die große zweitägige Feier „200 Jahre Rathaus“, die es im Jahr 2012 gegeben hat. Schiel meint auch: „775 Jahre ist nicht so ein großer Anlass, um ein Riesenfest zu machen. Bei der 800-Jahr-Feier sind wir wieder voll dabei.“

Zweitägiges Fest in Ottenau

Voll dabei ist Ottenau bereits in diesem Jahr. Ein zweitägiges Fest findet am 8. und 9. September in der und rund um die Merkurhalle statt. „Das Motto wird lauten: Ottenau heute“, sagt Klaus Dieter Kneisch, erster Vorsitzender der rührigen Ottenauer Vereinsgemeinschaft. Die Zielrichtung sei anders als vor 25 Jahren, das geplante Fest 2018 sei nicht zu vergleichen mit der 750-Jahr-Feier („Das ist nicht zu toppen“). Das Jubiläumsfest 2018 in Ottenau wird kombiniert mit einer Gewerbeschau – deshalb findet in diesem Jahr keine Gaggenauer Gewerbeschau statt.

Lebenshilfe und Unimog-Museum wirken mit

Zum Festprogramm in Ottenau am zweiten Septemberwochenende zählen unter anderem ein großes Vereinsangebot, eine Jubiläumsgala am Samstagabend sowie Ausstellungen von Kunsthandwerk und Hobbymalern. Mitwirken werden auch die Lebenshilfe sowie das Unimog-Museum mit Fahrzeugen.
Auch vor 25 Jahren gab es in Ottenau ein großes Stadtteilfest: An rund 60 Ständen, Zelten und Buden wurde „750 Jahre Ottenau“ gefeiert; herausragend war der große historische Festumzug „Geschichte, Brauchtum und Handwerk“. In den Annalen heißt es, dass der mehr als zwei Kilometer lange Festzug, für den Vereine, Schulen und sonstige Gruppen mehr als 30 Motive vorbereitet hatten, von rund 5 000 begeisterten Zuschauern verfolgt wurde.

Straßenfest auch in Sulzbach

Im Stadtteil Sulzbach findet am zweiten Juniwochenende ein zweitägiges Straßenfest unter Beteiligung aller zehn örtlichen Vereine statt. Festgelände am 9. und 10. Juni soll der untere Bereich der Dorfstraße bis zum „Buckel“ sein, blickt Ortsvorsteher Artur Haitz voraus. Die Vereine werden ihren Platz in den Höfen der Anwohner finden, für das Bühnenprogramm sei man derzeit auf Sponsorensuche. Zum Ortsjubiläum werde es eventuell im Herbst noch weitere Veranstaltungen geben, so Haitz. Bei der 750-Jahr-Feier in Sulzbach vor 25 Jahren hatte es ein großes Dorffest im August gegeben; Aufsehen erregte aber auch die historische Ausstellung „Sulzbach im Wandel der Zeit“ mit Bildern und vielen seltenen Exponaten, die im Vereinsheim gezeigt wurde.