Abrupter Abpfiff: Fußballer dürfen wegen der Corona-Pandemie weder spielen noch trainieren. Auch die Austragung der Gaggenauer Stadtmeisterschaften im Juli wackelt. | Foto: Collet

Angst vor Mitgliederschwund

Absagen und Verluste: Stillstand durch Corona-Pandemie lähmt Vereine

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Keine Spiele, keine Konzerte, keine Feste: Die Corona-Pandemie hat auch das Vereinsleben zum Erliegen gebracht. Training und Proben fallen aus, Hallen und Sportplätze sind dicht. In der Krise brechen den Vereinen wichtige Einnahmen weg. Einige Verantwortliche befürchten einen Mitgliederschwund.

Ihr Tenor: „Lange halten wir nicht durch“. Die Gaggenauer Turner werden in der Not kreativ.

„Unser Verein ruht“, sagt Thorsten Chwalek, geschäftsführender Vorstand des TB Gaggenau. Das Training, Wettkämpfe und das Kinderturnen wurden eingestellt. Die ehrenamtlichen Trainer müssen auf ihre Aufwandsentschädigungen verzichten.

Die gute Nachricht: Die Finanzen sind stabil, Zuschüsse von der Stadt und den Sportverbänden fließen weiterhin. „Ohne den Trainingsbetrieb sparen wir sogar Geld“, berichtet Chwalek. Personalausgaben und die Hallenmiete fallen weg.

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Angst vor Mitgliederschwund – Turner trainieren per Videokonferenz

Die Entwicklungen bei der Kurzarbeit betrachtet der Vorstand indes mit Sorge: „Wir haben Angst, dass Leute aus dem Verein austreten, wenn die Krise lange anhält“, sagt Chwalek. Ob das Gau-Kinderturnfest wie geplant im Juli stattfinden kann, ist unklar.

Unteressen verabreden sich die Geräteturner per Videokonferenz zum Training – Gymnastik und Kreislaufsport im Wohnzimmer.

Die Gaggenauer Turner, hier ein Bild von einem Wettkampf, haben ihr Training ins Wohnzimmer verlegt. | Foto: privat

„Wenn die Beschränkungen länger andauern, wollen wir auch für unsere anderen Mitglieder interaktive Aktionen anbieten“, kündigt Chwalek an.

Vereine sorgen sich wegen des Coronavirus auch um Sponsorengelder

„Wir hängen in der Luft“, sagt Manfred Striebich, Vorsitzender der Spvgg Ottenau. Das Sportfest mit den Fußball-Stadtmeisterschaften im Juli wackelt. Weil das Clubhaus geschlossen bleibt, gehen dem Verein Pachteinnahmen verloren.

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Striebich sorgt sich auch um die Sponsorengelder: „Ich erwarte, dass viele Unternehmen in Schwierigkeiten geraten.“ Stundenhonorare für die Übungsleiter und die Prämien der Fußballer fallen derzeit nicht an.

Aber es gibt eben auch kein Sportangebot. „Wir hoffen, dass uns unsere Mitglieder trotzdem treu bleiben“, sagt Striebich.

Sportfest in Rastatt in der Schwebe

Der FC Frankonia Rastatt will sein Sportfest in diesem Jahr auf drei Tage ausdehnen – eigentlich. Der Vorstand hatte mit Einnahmen von mehreren Tausend Euro gerechnet.

Der Jakob-Scheuring-Lauf soll als Teil des Ottenauer Sportfestes im Juli stattfinden. | Foto: Bender

„Fällt das Fest aus, wird es für uns schwierig“, sagt Vorsitzender Martin Geuß. Er befürchtet, dass auch dann viele Besucher aus Angst wegbleiben, wenn die Beschränkungen kurz vorher aufgehoben werden.

Wenn sich bis zum Jahresende nichts ändert, gehen bei uns die Lichter aus.

„Wir sind finanziell solide aufgestellt“, sagt Geuß und verweist auf die Rücklagen des Vereins. Allein: Ewig hält auch der FC Frankonia den Stillstand nicht aus. „Wenn sich bis zum Jahresende nichts ändert, gehen bei uns die Lichter aus“, sagt Geuß.

Aktuell fehlen Einnahmen von mehr als 1.000 Euro im Monat. Hilfe vom Südbadischen Fußballverband können die Rastatter, wie auch andere Klubs, nicht erwarten: „Uns wurde mitgeteilt, dass dafür kein Geld da ist.“

Gernsbacher Musiker sind enttäuscht über Konzert-Absage

Enttäuschung auch bei der Stadtkapelle Gernsbach: Die Musiker mussten wegen der Corona-Pandemie ihr großes Frühjahrskonzert in der Stadthalle absagen.

Keine Auftritte: Die Gernsbacher Stadtkapelle musste ihr Frühjahrskonzert in der Stadthalle absagen. Dadurch verliert der Verein rund 3.000 Euro. | Foto: Fieting

„Dadurch fehlen uns Einnahmen von rund 3.000 Euro“, sagt Vorsitzende Martina Mary. Auch das Ostereiersuchen für Kinder fällt aus. Die Stadt ist der Kapelle entgegengekommen: „Die Buchung der Stadthalle wurde uns nicht in Rechnung gestellt“, berichtet Mary.

Den finanziellen Verlust könne der Verein durch seine Beteiligung am Altstadtfest und am Weihnachtsmarkt auffangen – wenn die Veranstaltungen stattfinden. „Traurig ist aber, dass wir uns ein Jahr lang auf das Konzert vorbereitet haben und nun nicht auftreten“, bedauert Mary.

Digitale Proben sind schwer umsetzbar

Immerhin einen kurzen Auftritt hatten die Gernsbacher Musiker am Wochenende bei einem bundesweiten Flashmob: Sie musizierten alle zur selben Zeit auf ihren Balkonen.

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Mary denkt darüber nach, das Zusammenspiel über digitale Kanäle zu ermöglichen. Sie sagt aber auch: „Wir haben viele ältere Mitglieder, die dafür nicht die notwendige Technik besitzen. Sie als große Stützen unseres Vereins auszuschließen, wäre der falsche Schritt.“ Vorerst bleibt die Stadtkapelle also stumm – wenn sie nicht gerade vom Balkon spielt.