Vorgekochtes statt Fast Food: Für stressige Phasen empfiehlt Kristina Imlauer „Meal Prep“, also Mahlzeiten im Voraus zu planen und zuzubereiten. | Foto: AOK Mittler Oberrhein

Vorsätze für 2020

Expertin aus Gernsbach gibt Tipps für eine bessere Ernährung

Anzeige

Sich besser zu ernähren ist wohl der Neujahrsvorsatz schlechthin. So mancher kündigt ihn im Januar entschlossen an – und hat ihn im Dezember längst wieder begraben. Wie eine Ernährungsumstellung klappen kann, haben die BNN bei zwei Personen erfragt, die sich mit Essen auskennen: der Gernsbacherin Kristina Imlauer, Ernährungsberaterin der AOK, und Helmuth Balser vom „CC-Club kochender Männer“. Der Forbacher ist Landeskanzler der Ortsprovinz Baden und Teil der Gernsbacher Gruppe „Schwarzwald“.

Ihre wichtigsten Tipps für eine Ernährungsumstellung fasst Kristina Imlauer mit dem Merkwort „Smart“ zusammen:

1. Schriftlich

Wer seine Gewohnheiten ändern will, sollte aufschreiben, welches Ziel er oder sie damit verbindet – beispielsweise eine Kleidergröße oder eine gesündere Lebensweise. Das schafft Verbindlichkeit. Wichtig ist, dass das Ziel sich lohnenswert anfühlt, sagt die Ernährungswissenschaftlerin: „Wenn die Schokolade einen größeren Reiz hat, wird sie immer wieder gewinnen.“

2. Messbar

Jeder Tag ist ein Neustart.

Kristina Imlauer, Ernährungsberaterin

Imlauer empfiehlt, sich genaue Vorgaben zu setzen, was im Detail erreicht werden soll. Das könnte zum Beispiel sein, pro Tag maximal eine Süßigkeit in Größe der Handfläche zu essen, oder dreimal täglich Gemüse und Obst zu verzehren. Diese Menge sollte dann im Wochenschnitt eingehalten werden. So können süße Freuden auch für einen bestimmten Tag aufgespart werden.

Verein für Hobbyköche
Der „CC-Club kochender Männer in der Bruderschaft Marmite e.V.“ ist eine deutsche Vereinigung von Hobbyköchen. Sie wurde 1960 nach Schweizer Vorbild gegründet.
Nach eigenen Angaben hat sie 1300 Mitglieder in 120 Kleingruppen, unter anderem in Gaggenau und Baden-Baden.
Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Gernsbach (Hauptstraße 31). Wer mehr über den Club wissen oder um Rezepttipps bitten möchte, kann sich dort unter (0 72 24) 9 94 89 00 (AB) melden.
Helmuth Balser zufolge treffen sich die Mitglieder zu Kochabenden mit mehreren Gängen und bilden sich fort. Sie haben den Anspruch, auf Sterne-Niveau kochen zu lernen und hochwertige Zutaten auszuwählen. Das macht das Hobby zeitintensiv. Im Zentrum stünden jedoch „Freude am Genuss“ und „Spaß an den Tischsitten, an einem schön gedeckten Tisch“.
Der Club bietet auch ein Netzwerk: Sterneköche wie Armin Röttele und Jörg Sackmann sind Ehrenmitglieder.

Wenn’s nicht auf Anhieb klappt, ist nichts verloren. „Jeder Tag ist ein Neustart“, sagt Imlauer. Sie hält es für sinnvoll, langsam anzufangen und die Vorgaben dann zu steigern – „statt Marathon erst mal Walken“. Selbst ein Salat zur Fertigpizza kann ein Anfang sein.

3. Anreize

Belohnungen für Erfolge motivieren zusätzlich, zum Beispiel ein Kino-Besuch, ein Kleidungsstück oder ein Kletterausflug. „Die Belohnung sollte aber möglichst nichts mit Essen zu tun haben“, betont die Expertin.

4. Realistisch

Alle Vorsätze, die zu strikt sind, sind zum Scheitern verurteilt.

Kristina Imlauer, Ernährungsberaterin

Erreichbare Ziele sind bei einer langfristigen Ernährungsumstellung das A und O. „Alle Vorsätze, die zu strikt und rigide sind, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt“, sagt Imlauer. „Egal, ob es Low Fat, Low Carb oder viele Proteine ist“. Sie rät, sich an den Klassikern zu orientieren: mehr Gemüse, Vollkornprodukte, Reis und Kartoffeln, dazu in Maßen gesunde Fette. „Dann kriegt man das gut hin.“

5. Terminlich

Festzuhalten, bis wann man Ziele erreicht haben möchte, ist sinnvoll. Kristina Imlauer empfiehlt, sich Etappen vorzunehmen. Also beispielsweise erst einmal vier Wochen lang bewusst mehr Gemüse zu essen, dann vier Wochen lang den Süßigkeitenkonsum in Grenzen zu halten, sich anschließend vier Wochen lang regelmäßig zu bewegen, und so weiter. „Es ist manchmal einfacher, sich erst mal auf eine Sache zu konzentrieren“, sagt sie. Idealerweise werden die einzelnen Komponenten nach und nach zur Gewohnheit.

Helmuth Balser ermutigt dazu, selbst zu kochen. Er gibt Fingerzeige, worauf es dabei ankommt:

6. Ran an den Herd

Wer gesund essen möchte, muss viel selbst zubereiten. Aber nicht jeder ist ein geübter Koch. Helmuth Balser rät trotzdem, sich einfach an Rezepte heranzuwagen. „Eine gute Lasagne“, „ein gescheiter Rösti-Taler aus gegarten Kartoffeln“, selbstgemachte Gemüse-Maultaschen: Es gibt viele Möglichkeiten, und ein Hexenwerk sind sie alle nicht. Die Motivation kommt von alleine: Wer Zeit in das Essen und einen schön gedeckten Tisch investiert, kann das Ergebnis umso mehr genießen. Plus: Wer etwas mehr kocht und einfriert, hat eine gute Mahlzeit auf Vorrat, wenn’s mal schnell gehen muss.

7. Bewusst auswählen

Das ist für Balser ein wichtiges Gebot. Seiner Ansicht nach zeichnet sich gutes Essen durch frische, regionale und saisonale Zutaten aus. Idealerweise sind sie ökologisch verantwortungsvoll produziert worden.

8. Flexibilität

Man kann mit sehr, sehr bescheidenem Aufwand ein tolles Essen zaubern.

Helmuth Balser, Hobbykoch

Mut zum Anpassen gilt nicht nur für Vorsätze, sondern auch fürs Kochen. „Man kann mit sehr, sehr bescheidenem Aufwand ein tolles Essen zaubern.“ Balser rät, ausgefallene oder teure Zutaten nach gusto zu ersetzen.