Nobert Koch aus Karlsruhe, Vize-Weltmeister im Handbike, ist nur einer von vielen prominenten Athleten, die zum Aktionstag „Sport ohne Grenzen“ am Freitag, 8. Juni, in Gaggenau erwartet werden. | Foto: pr

Am 8. Juni in der Innenstadt

„Aktionstag „Sport ohne Grenzen“ in Gaggenau

Die Veranstaltung am Freitag, 8. Juni, von 10 bis 22 Uhr in der Innenstadt wird eine Premiere für Gaggenau, ja sogar ganz Süddeutschland sein. „Sport ohne Grenzen“ bietet die Möglichkeit für alle, in die Welt der Menschen mit Einschränkung einzutauchen, mitzumachen und zu erleben, welche Leistungen möglich sind – zum Beispiel beim Rollstuhl-Basketball, Rollstuhl-Rugby oder beim Sportschießen (blind, nur mit Gehör).  Eine solche Veranstaltung hat es deutschlandweit bisher nur in Hamburg gegeben, sagt Christoph-Benedikt Scheffel (57). Er lebt seit rund fünf Jahren in Gaggenau und hatte die Idee zu diesem Aktionstag, der von ihm, der Stadt Gaggenau und der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal veranstaltet wird.

Olympiasieger und Paralympic-Teams kommen

An diesem Tag werden mehrere Olympiasieger, Weltmeister und paralympische Teams nach Gaggenau kommen. Zum Beispiel Anna-Lena Forster, Paralympics-Siegerin jüngst in Südkorea in der Super-Kombination/Slalom. Oder Norbert Koch aus Karlsruhe, Vize-Weltmeister im Handbike. Ebenso ist Martina Jäschke, Olympiasiegerin im Turmspringen, vor Ort. „Wir möchten mit dem Sport demonstrieren, was machbar ist. Das ’Anders denken’ wird durch solche Aktionen verstärkt“, umreißt Oberbürgermeister Christof Florus die Zielsetzung für diesen Tag. Christoph-Benedikt Scheffel sagt: „Hier in Deutschland wird viel über Inklusion geredet, aber es existiert kein ganzheitlicher Ansatz. Für mich ist der Unterschied eklatant, wenn ich aus Nordeuropa oder aus Nordamerika zurückkomme. Dort bin ich frei in allem, was ich tue. Ich werde nicht als Rollstuhlfahrer behandelt, obwohl ich einer bin.“

Mitmach- und Erlebnisangebote

Eine ganze Reihe an Mitmach- und Erlebnisangebote prägen die Veranstaltung mitten in der Gaggenauer Innenstadt. Bei allen geht es darum, dass so genannte „Fußgänger“ erfahren können, wie groß die Leistungsfähigkeit des vermeintlich behinderten Personenkreises ist. Berührungsängste sollen so in lockerer Atmosphäre abgebaut werden können. Denn „Barrieren im Kopf“ kann man nur erkennen und abbauen, wenn man sie selbst erlebt hat.

Wie geht Blind-Schießen?

Mitmachen ist zum Beispiel möglich, wenn Para-Boccia gemeinsam mit der deutschen paralympischen Mannschaft gespielt werden kann. Spannend dürfte für Sportschützen das Sportschießen nur nach Gehör sein; Landestrainer Michael Huhn und Vivian Hösch werden an diesem Stand zeigen, wie „blind geschossen werden kann“. Auch Fußball lässt sich blindspielen – alleine über das Gehör. Auf dem Marktplatz wird ein großes Feld für Rollstuhlfahrer aufgebaut, wo im Wechsel im Rollstuhl-Basketball oder Rugby gespielt wird. Am Morgen können hier Schulmannschaften gegeneinander und auch gegen die Profis antreten. Insgesamt werden an diesem Freitag bis zu 400 Schüler erwartet; die Jüngeren sollen frühzeitig auf die Thematik angesprochen werden.

Platz nehmen im Rollstuhl

Am Mittag sind Vereine und Gruppen eingeladen, in den speziellen Rollstühlen Platz zu nehmen und Körbe zu werfen. Weiter gibt es in der Fußgängerzone die Möglichkeit, an einem Liegebike-Wettbewerb teilzunehmen oder einen Rollstuhl-Hindernis-Parcours zu absolvieren. Blindes Torwandschießen, Teamgefühl im Menschenkicker erleben und vieles mehr erwartet die Besucher. Hinzu kommen Informationsstände rund um die Themen Sport, Behinderung und Gesundheit.

Gesprächsrunde mit Athleten

Eine Gesprächsrunde ist für 15 Uhr angesetzt: SWR-Moderatorin Evelin König wird sich mit Olympiasiegerin (Turmspringen) Martina Jäschke, Paralympics-Siegerin (Super-Kombination) Anna-Lena Forster, Weltmeisterin (Karate) Britt Großmann, Vize-Weltmeister (Handbike) Norbert Koch und der Weltmeisterschafsdritten (Biathlon) Vivian Hösch über Erfolge genauso unterhalten wie über ihre Vorstellungen von Inklusion. Die Gesprächsrunde wird von einer Gebärdendolmetscherin übersetzt.
Eröffnet wird „Sport ohne Grenzen“ offiziell um 14 Uhr durch Oberbürgermeister Christof Florus. Am Abend gibt es zusätzlich Musik und Tanz, unter anderem mit der Inkluba-Band der Lebenshilfe. Auch wird Einkaufen bis 22 Uhr möglich sein.