Beim Umbau und der Modernisierung des Helmut-Dahringer-Hauses (links) sind 71 Wohnappartements entstanden, die sehr schnell belegt waren. Dies dürfte zu einer Verbesserung der Altenhilfe-Bilanz in den Folgejahren führen. | Foto: Hertweck

Gaggenau

Altenhilfe: Vorsichtige Entwarnung bei Finanzen

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Die Finanzlage des Vereins Gaggenauer Altenhilfe, der Träger dreier Seniorenheime in der Stadt ist und viele weitere Angebote für diese Zielgruppe bereithält, bleibt angespannt. Dies geht aus dem Kassenbericht von Finanzvorstand Andreas Merkel am Dienstagnachmittag im Rahmen der 46. Mitgliederversammlung des Vereins vor. Merkel sagte im Helmut-Dahringer-Haus: „Geschäftsleitung und Vorstand sind weiterhin gefordert, die Schere zwischen Ertrag und Aufwand im Leistungsbereich zu schließen. Ziel muss es sein, dass nach Abschluss der baulichen Sanierungsmaßnahmen und der wirtschaftlichen Konsolidierung, also spätestens mit Beginn des Wirtschaftsjahres 2019, ein möglichst ausgeglichenes Ergebnis im Leistungsbereich erreicht wird.“

Belegung beim betreuten Wohnen ging schneller

Mit Blick auf die angestrebte Optimierung der Ertragslage könnte man aber schon bald einen Schritt weiter kommen, deutete Merkel vorsichtigen Optimismus an: „Insofern dürfen wir alle gespannt sein, wie sich das Thema Betreutes Wohnen im nächsten Jahresabschluss niederschlagen wird, nachdem die Belegung der im Oktober 2017 fertiggestellten 71 Wohnappartements im Helmut-Dahringer-Haus letztlich schneller vollzogen werden konnte als dies in der wirtschaftlichen Vorausschau prognostiziert war.“

Dahringer-Haus wurde umgebaut

Der am Dienstag vorgestellte Kassenbericht bezog sich auf das Wirtschaftsjahr 2017, die positiven Zahlen dank der „ausverkauften“ Mietwohnungen können sich aber erst später in der Bilanz niederschlagen. Wie berichtet hatte die Gaggenauer Altenhilfe im Zuge eines Konsolidierungskonzepts beim (sehr teuren) Umbau des Dahringer-Hauses die Zahl der Pflegebetten reduziert und dafür mehr Betreutes Wohnen angeboten.

Gesteigerte Erträge, aber mehr Aufwand

Zu dem Konsolidierungskonzept gehört auch ein deutlich erhöhter städtischer Betriebskostenzuschuss, der seit 2016 jährlich 559.000 Euro beträgt. Ohne dessen Einbezug, so Merkel, wäre der Leistungsbereich, also das Kerngeschäft der Gaggenauer Altenhilfe, defizitär. Laut Finanzvorstand konnten zwar die Erträge im Vorjahresvergleich um 517.000 Euro gesteigert werden, indes sei auch der Aufwand um mehr als 600.000 Euro angestiegen.

Merkel sieht Defizit im Pflegesystem

Aus seiner Sicht hat das Pflegesystem ohnehin ein strukturelles Defizit: Die Leistungen der Pflegekassen sind bekanntlich gedeckelt; somit gehen jährliche Kostensteigerungen in den Pflegeheimen zu Lasten der Selbstzahler, deren Kosten nicht von der Sozialhilfe getragen werden. Merkel sprach sich deshalb für eine Dynamisierung der Leistungen der Pflegeversicherung aus: Es sei nicht nachzuvollziehen, „warum die gesetzliche Rente jährlich der Lohnentwicklung angepasst wird, während die Pflegeversicherung hinsichtlich der Leistungshöhe auf einem einmal definierten Wert verharrt.“

Schulden erreichen Höchststand

Merkel legte weitere Zahlen vor: Durch die vielfältigen Baumaßnahmen stieg die Bilanzsumme zum 31.12.2017 auf 26,3 Millionen Euro (Vorjahr 19,5), das Anlagevermögen auf 21 Millionen Euro (12,8). Neben einer Verbesserung beim Eigenkapital erhöhten sich die Verbindlichkeiten gegenüber Banken und der Stadt auf 18,7 Millionen Euro. Bei den Darlehen sei festzuhalten, dass mit dem Wirtschaftsjahr 2017 der Höchststand erreicht sei, „weil mit den zur Verfügung stehenden Finanzierungsmitteln die aktuellen Baumaßnahmen durchfinanziert sind“.

Abstriche beim Weihnachtsgeld

Der Verzicht der meisten Mitarbeiter auf einen Teil des „Weihnachtsgeldes“ als Beitrag zum Konsolidierungskurs gilt auch in diesem Jahr. Allerdings: Im April 2018 ist ein Anteil für 2017 nachträglich ausbezahlt worden – in Summe wurden dann doch 75 Prozent des Weihnachtsgeldes gezahlt; dieses Vorgehen könnte sich im April 2019 wiederholen.