Agile Gaggenauer Pädagogin: Helga Haberland, die 28 Jahre lang am Goethe-Gymnasium unterrichtet hat, hilft jetzt Flüchtlingskindern beim Erlernen der deutschen Sprache. | Foto: Schapeler

Gaggenauer Pädagogin

Auch mit 80 Jahren noch in die Schule

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Sie packt noch immer einmal die Woche ihre „Schultasche“ – so wie sie es im langjährigen Schuldienst gewohnt war. Am Montag, 21. Januar,  feiert die pensionierte Oberstudienrätin Helga Haberland ihren 80. Geburtstag.

„Ich habe 28 Jahre am Goethe-Gymnasium Gaggenau Deutsch und Geschichte unterrichtet und nach der Pensionierung auch gerne Kindern aus der Nachbarschaft Hilfestellung gegeben. Seit 2013 unterstütze ich das Mehr-Generationen-Projekt in der Hans-Thoma-Schule, das Kinder, die zu Hause kein Deutsch sprechen, schulisch fördern soll“, beschreibt die engagierte Pädagogin im BNN-Gespräch ihre Intention.

1974 kam sie nach Gaggenau

1939 in Berlin geboren, 1943 nach Bombenangriffen mit Mutter und Bruder nach Oberschlesien evakuiert, im Januar 1945 die Flucht nach Hof/Saale, 1946 bis 1949 im Raum Hannover lediglich „einquartiert“ – Helga Haberlands Kindheit war alles andere als rosig. Nach dem Abitur studierte sie in Göttingen Germanistik, Geschichte, Philosophie und Pädagogik, danach in Bonn und Freiburg. Im Anschluss an die Referendarzeit in Papenburg/Ems und in Hannover agierte die ambitionierte Studienabsolventin als Wissenschaftliche Assistentin am Historischen Seminar der Universität Hamburg, sie promovierte im Jahr 1972. 1974 kam Helga Haberland ans Goethe-Gymnasium Gaggenau, wo sie eigenen Angaben zufolge bis 2002 „gerne unterrichtete“. Eine Schülergruppe besuchte die als „Mutter des Deutsch-LK 1993/1995“ titulierte Oberstudienrätin jahrelang am „Muttertag“.

Sie schätzt die Kleinstadt

In den Ferien und nach ihrer Pensionierung bereiste die unternehmungslustige Lehrerin privat unter anderem Indien, Indonesien, Japan, Burma, Vietnam, Malaysia, Taiwan, China und Laos. Ihre für japanische Germanistik-Studenten verfasste Broschüre „Eine Fahrt ins Blaue“, in der drei deutsche Touristinnen im Dialog ihre Reise im Land der aufgehenden Sonne beschreiben, erlebte bereits die zweite Auflage.
„Berlin und Hamburg haben nach wie vor eine große Zugkraft für mich. Inzwischen habe ich jedoch Wurzeln in Gaggenau geschlagen“, schätzt die Jubilarin nach 15-maligem Umzug auch die Annehmlichkeiten und kurzen Wege einer Kleinstadt.

Hilfestellung für Flüchtlingskinder

Haberland: „Außer dem Mehrgenerationen-Projekt an der Hans-Thoma-Schule habe ich zeitweise auch die Asylantenklasse der Carl-Benz-Schule begleitet. Das alles hat mein Leben ebenso bereichert wie der aus dem Projekt hervorgegangene Englisch-Kurs, den ich gerne als ‚Schülerin‘ besuche.“ Derzeit betreut Helga Haberland an der Hans-Thoma-Schule acht (Flüchtlings-)Kinder in Deutsch. Ein kleines „Gästebuch“ in krakeliger Kinderschrift in der jeweiligen Landes- sowie in deutscher Sprache, rote Herzen, Landesfahnen und Bilder dokumentieren eindrucksvoll die wertvolle ehrenamtliche Arbeit von Helga Haberland.

„Kann mich gut einfühlen“

„Meine Fernreisen haben mich weltoffen gemacht. Als ehemaliges ‚Flüchtlingskind‘ – wenngleich im eigenen Land – kann ich mich in die Sorgen und Nöte der Kinder einfühlen. Zudem tut es auch mir gut, im Alter etwas Sinnvolles zu tun“, zieht Helga Haberland ein positives Resümee.

Von Elke Schapeler