Mit Optimismus gehen Vereinsvorsitzender Helge Rieger (rechts) und "Vize" Achim Rheinschmidt an die Aufgabe heran, die evangelische Johanneskirche in Bad Rotenfels zu einem christlich überkonfessionellen Gebetshaus zu entwickeln. | Foto: Dorscheid

Vorstand stellt Pläne vor

Auf dem Weg zum Gebetshaus in Gaggenau

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Die Macher, die aus der evangelischen Johanneskirche in Gaggenau-Bad Rotenfels ein überkonfessionelles christliches Gebetshaus entwickeln wollen, haben viel vor. Aber sie wollen mit Bedacht und Schritt für Schritt vorgehen, nachhaltig und in Abhängigkeit von der finanziellen Basis, versichern die Vorstandsmitglieder Helge Rieger und Achim Rheinschmidt beim Vor-Ort-Termin mit den BNN.

Der Rahmenplan

Der „Rahmen“ steht: Bereits im Spätjahr soll das Gebetshaus Stück für Stück seinen Betrieb aufnehmen. Priorität hat die Gestaltung des Gebetsraums zusammen mit dem Einbau einer neuen Heizungsanlage. Andere Maßnahmen sollen später folgen. Nach dem Umbau der beiden Kindergartengruppenzimmer zum Gebetsraum soll im Frühjahr 2019 das Gebetshaus dann auch offiziell eröffnet werden.

Aus dem Kircheninneren soll ein Veranstaltungsraum, geeignet für bis zu 400 Personen, mit moderner Technik werden. Die Sitzbänke hat der Trägerverein von der Kirchengemeinde mitgekauft. | Foto: Dorscheid

Der Kostenrahmen für alle derzeit ins Auge gefassten Maßnahmen liegt bei rund 250 000 Euro, überwiegend getragen von Spenden und Zuwendungen. Trotz aller Änderungen: Der Charakter des Hauses als Gotteshaus bleibt; in der Außendarstellung ändert sich nur wenig (Ausnahme: Turm), baurechtlich gesehen erfährt die Immobilie keine Umnutzung.

Die Idee

„Gebetshaus Bad Rotenfels“ ist ein eingetragener Verein, gegründet 2017, der sich als christlich überkonfessioneller Dienst auf Grundlage der Bibel sieht. Der Verein hat im Frühjahr die Johanneskirche von der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau gekauft, die sich im Zuge ihres Fusionsprozesses von mehreren Immobilien trennt oder schon getrennt hat. Das Gebetshaus soll Christen aller Konfessionen offenstehen. „Wir verstehen uns als ökumenische Begegnungsstätte“, sagt Achim Rheinschmidt. Keinesfalls werde man in Konkurrenz zu den Kirchengemeinden und ihren Gottesdiensten treten.

Geplante Veranstaltungen

Immer am letzten Mittwoch des Monats (19 Uhr, beginnend am 26. September) soll es im Gebetshaus einen Lobpreis- und Anbetungsabend mit Band und geistlichem Input geben. Konzerte und Veranstaltungen sind ebenso geplant, unter anderem aus dem Bereich der christlichen Musikszene, zum Beispiel Adonia-Konzerte. Im Mittelpunkt soll aber das Gebet stehen, dabei wird es auch spezielle Angebote wie zum Beispiel das Schülergebet oder eine Krabbelgebetsgruppe geben. Ein Anmieten der Räume wird nicht möglich sein (Rieger: „Wir sind kein Vereinsheim“); Trauungen werden möglich sein, aber keine (Hochzeits-)Feiern. Das Fernziel: Das Gebetshaus wird täglich rund um die Uhr geöffnet sein, wie es beispielsweise schon in Augsburg der Fall ist. Schon vorher werde gelten: Ist das Haus offen, wird immer jemand da sein, mit dem man reden kann – im Unterschied etwa zu offenen Kirchen.

Der Kirchturm bleibt

Klare Aussage: Der den Ortsteil prägende Kirchturm bleibt erhalten. Auch am Stundengeläut will man festhalten, es werde aber „kein Konkurrenzgeläut“ (Rieger) zu Gottesdiensten der Kirchengemeinden geben. Auch die Turmuhr wird es – auf vielfachen Wunsch aus dem Ort – wieder geben, das Ziffernblatt ist derzeit noch eingelagert. Die Standfestigkeit des Turms gilt als sicher; geplant ist, dass der untere Teil des Turms eingehaust wird. Für die Turmsanierung gibt es drei Varianten: Die teuerste und wohl auch attraktivste wäre es, den Turm mit einem Edelstahlmetallgeflecht zu umgeben; Variante zwei sieht nach einer (erneuten) Sandstrahlbehandlung das Neubetonieren des Turms vor, die dritte und günstigste Möglichkeit die Behandlung mit Füllmaterial und einer Farblösung. Wann die Turmsanierung angegangen wird, ist noch offen; Rheinschmidt will für einen Zuschuss der Stadt werben und hofft auch auf weitere Geldgeber, vielleicht auch aus den Reihen der Kreditinstitute. Im Übrigen ist der Turm wirtschaftlich wichtig für den Verein Gebetshaus, denn es fließt eine stattliche Pacht: „Die Mobilfunkantenne dort hilft uns sehr, unsere laufenden Kosten zu finanzieren“, sagt Rheinschmidt.

Der Gebetsraum

Aus den beiden früheren Kindergartengruppenräumen soll ein großer Raum in L-Form (L wie Lobpreis) entstehen – der Gebetsraum als Herzstück des Hauses für rund 50 Personen, ausgestattet mit Teppichboden, Akustikdecke, Lichtkonzeption und mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten. Eine Zwischendecke wird entfernt, ebenso der nicht mehr benötigte Kamin. Hinzu kommt ein Klavier, denn Musik wird ein wichtiger Baustein im Gebetshaus sein. Die Fenster im zukünftigen Gebetsraum werden überarbeitet, nur wenige „blinde“ Scheiben müssen ersetzt werden.

Der Veranstaltungsraum

Der ehemalige Kirchenraum als zukünftiger Veranstaltungsraum hat eine Kapazität von 240 Sitzplätzen; hinzu kommen 60 auf der Empore (dort sollen neue Podeste eingebaut werden, um die Sicht zu verbessern) und weitere 100 im rückwärtigen Bereich – ergibt zusammen eine Veranstaltungskapazität für bis zu 400 Personen. Die große Bühne soll Leinwände und ein modernes Licht-/Stromkonzept erhalten.
Die Sitzbänke hat der Verein im Rahmen des Kirchenkaufs mit erworben; geprüft wird nun, die Sitzbänke neu zuzuschneiden, um neue Anordnungs- und Gestaltungsmöglichkeiten zu erhalten.
Veranstaltungen sind ganz überwiegend für den Zeitraum Frühjahr bis Herbst vorgesehen – das spart Heizkosten. Und: „Veranstaltungsende ist spätestens um 21.30 Uhr“, sagt Rheinschmidt, „die Nachbarn werden nicht gestört.“

Sonstige Änderungen

Der Eingangsbereich soll attraktiver werden und dem Besucher von Beginn an eine freundliche Atmosphäre vermitteln. Die Haupttür wird versetzt, damit wird der Eingangsbereich größer.
Aus dem bisherigen Kindergartenspielplatz soll ein Gebetsgarten werden, die Spielgeräte bleiben aber am Ort. Rheinschmidt kann sich einen Altar zwischen den Bäumen vorstellen. Auf jeden Fall soll das Gelände zur Straße hin einen Sichtschutz erhalten. Derzeit werden Überlegungen zu einer neuen Heizungsanlage angestellt: eine Kombination zwischen Gasheizung, Solar-Warmwassererwärmung und Nutzung des Oberflächenwassers ist denkbar. Hinter dem Eingangsbereich gleich rechts soll ein Thekenbereich entstehen, laut Rheinschmidt wird es aber weder ein Catering noch einen Alkoholausschank geben. Die Toiletten „wandern“ deshalb ins Untergeschoss, mit Ausnahme der für das Erdgeschoss geplanten Behindertentoilette.

Finanzen und Helfer

Den Sparkassenkredit benötigte der Verein Gebetshaus, um den Kaufpreis für die Johanneskirche (über dessen Höhe Stillschweigen vereinbart wurde) stemmen zu können. Wichtig: Die laufenden Kosten sind laut Rheinschmidt durch Spenden gedeckt. Auf großherzige Spender wird der Verein auch weiterhin angewiesen sein, etwa um die großen Investitionen zu stemmen. Deshalb hat der Vorstand mit Freude registriert, dass die Spendenbereitschaft nicht nachgelassen hat („Wir haben Eingänge zwischen 20 und 8 000 Euro“, so Rieger). Auch in Sachen Helfer sieht sich der Verein auf gutem Weg: „Je konkreter unser Projekt Gestalt angenommen hat, desto mehr Leute sind zu uns gekommen, die ihre verschiedenen Kompetenzen einbringen“, freut sich Helge Rieger. Laut Achim Rheinschmidt zählt der Helferkreis bereits über 20 Personen.