Bienen auf der Von-Drais-Schule
Viel Gesumme: Imker Manfred Rehm überprüft, ob es seinen Bienen gut geht. Teilnehmerinnen der Bienen-AG schauen ihm dabei über die Schulter. | Foto: Müller

Summen auf dem Schuldach

Auf der Gernsbacher Von-Drais-Schule leben Bienen

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Begeistert rennen sie zu den Bienenstöcken, die acht Mädchen der Outdoor- und Bienen-Arbeitsgemeinschaft (AG). Imker Manfred Rehm ist zu Besuch in der Von-Drais-Schule, um zu überprüfen, ob es den Insekten gut geht. Seit April macht er das wöchentlich, immer zusammen mit den Teilnehmern der Bienen-AG. Es ist der Versuch, den Kindern die Natur näherzubringen und ihnen zu zeigen, wo der Honig herkommt.

Ein paar der Mädchen hören gespannt zu, als Rehm erklärt, dass man die männlichen Bienen, die sogenannten Drohnen, daran erkennt, dass sie keinen Stachel und keine Streifen haben. Ein Kind tut lautstark kund, dass es noch nie in seinem Leben Honig probiert habe. Der anfängliche Enthusiasmus der anderen ist schnell verflogen. Sie können in dieser Phase dem Imker nicht viel helfen und toben daher über das Schuldach, auf dem die zwei Bienen-Kästen stehen. Dabei tragen sie weiße Schutzhauben, die ihre Gesichter vor Stichen der Bienen schützen. Rehm und Petra Bachmann sind unverhüllt.

Rauch zur Beruhigung der Bienen

„In den sieben Jahren, in denen ich die Outdoor- und Bienen-AG leite, wurde ich erst einmal gestochen“, berichtet Bachmann, die für die Nachmittagsbetreuung der Kinder zuständig ist. Auch die Schüler blieben bis auf zwei oder drei Ausnahmen bisher verschont, erzählt sie. Da bei Regen und Gewitter die kleinen Tierchen aber aggressiver als normalerweise sind, sind die Schutzhauben bei wechselhaftem Wetter Pflicht.

Zur Beruhigung der Bienen verbrennt Rehm altes Holz in einem speziellen Rauchgerät. Vorsichtig holt er die Rähmchen aus dem Bienenkasten, begutachtet sie ausführlich und steckt sie wieder zurück. „Hier lebt eine neue Königin“, erläutert er. Zwar sieht er sie nicht, aber er hat neue Eier von ihr entdeckt. Er hofft, dass mit der neuen Königin das Bienenvolk wieder fitter wird. Im letzten Jahr war es etwas schwach, hatte nur etwa 10 000 Bienen.

Imker Manfred Rehm auf dem Dach der Von-Drais-Schule.
Imker Manfred Rehm erklärt den Schülern, wie ein Drohn aussieht. | Foto: Müller

Das andere Volk der Von-Drais-Schule zählte im Sommer dagegen zwischen
40 000 und 50 000 Bienen. Woran das liegt, kann Rehm auch nicht genau sagen. Die Varroa-Milbe habe er vergleichsweise gut im Griff und in Gernsbach gebe es im Vergleich zu anderen Regionen genug für die Tierchen zu fressen. „Hier ist die Natur noch in Ordnung“, sagt Rehm. Die Bienen holen sich Nektar beispielsweise aus Löwenzahnblüten.

Ergänzung zum Unterricht

Für Amber ist das alles nichts Neues. Die Tante der Fünftklässlerin hat ebenfalls Bienen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist Amber sehr interessiert an den Handgriffen, die Rehm während der Bienenkontrolle ausführt. „Ich lerne hier viel“, sagt sie. Zum Beispiel habe sie mit der AG bereits Honig geschleudert und abgefüllt. Das sei toll. „Ich liebe den frischen Honig“, pflichtet ihr Lena bei. Sie ist auch in der AG und zufrieden damit, was sie dort erfährt. Es ist eine Ergänzung zu dem, was sie im Fach „Biologie, Naturphänomene und Technik“ über die Insekten lernt.

Schüler schleudern Honig selbst

Für die meisten anderen der AG-Teilnehmer scheint das Spielen im Freien allerdings wichtiger. Damit auch die weniger Insekten-interessierten Teilnehmer der Outdoor- und Bienen-AG Erfahrungen in der Natur sammeln, geht Bachmann mit ihrer Gruppe zusätzlich auf Spielplätze oder in den Katz’scher Garten. Rehm betont aber, dass es immer wieder Schüler gibt, die freiwillig beim Honigschleudern helfen und sich für die Imkerei interessieren, ohne selbst in der AG zu sein. Das seien aber vor allem ältere Schüler.

Den jüngeren bietet die AG immerhin die Chance, zu erfahren, wie Honig schmeckt und wie er entsteht. Allerdings nur drei Monate lang. Dann wechseln die Schüler in eine andere Arbeitsgemeinschaft. Vielleicht ja in die AG, die das Schuldach und den Platz vor der Schule bepflanzt. Unter anderem mit Blumen, die den Bienen Nahrung bieten.