Loffenau
Auf dem Höhepunkt: Bis zu 500 Meter über dem Erdboden schweben Profi und Redakteur gemeinsam dem Landeplatz entgegen. Der malerische Ausblick lässt die Höhenangst vergessen – vorne rechts ist Loffenau, im Hintergrund sieht man Gaggenau. | Foto: Weber

Redakteur am Limit: Gleitschirmflug

Das Murgtal aus der Vogelperspektive

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Raus aus dem Alltag, auf ins Abenteuer lautet die Losung bei „Redakteur am Limit“. Für einen Tag, einige Stunden oder nur wenige Minuten schlüpft BNN-Redakteur Dominic Körner in für ihn ungewohnte Rollen. Am Boden, zu Wasser und in der Luft geht er bis an seine Grenzen. Heute: Ein Gleitschirmflug in Loffenau.

Kurz vor dem Start werden die Knie weich. 20 Meter trennen mich von Himmel und Hölle. Meine Höhenangst beschert mir feuchte Hände und einen flauen Magen. „Drei, zwei, eins…los!“, brüllt es von hinten. Mit einem mulmigem Gefühl renne ich auf die Absprungkante zu, der knallgelbe Gleitschirm schießt hinter mir in die Höhe. Das Adrenalin schießt ein. „Zieh, zieh, zieh“, schreit man mir ins Ohr, „und jetzt hoch!“. Wir heben ab. Mein Puls rast.

Abgehoben: Nach kurzem Anlauf steigt das Tandem in die Luft. Über die Baumkronen hinweg geht es hinunter in Richtung Loffenau. | Foto: igel

Prinz und Präsident als Mutmacher

Dieser Morgen ist keiner wie jeder andere. Ich verbringe ihn nicht am Schreibtisch, sondern auf der Teufelsmühle bei Loffenau. Heute fliege ich.

Mein Begleiter und zweiter Mann im Tandem ist Mirko Weber, Inhaber der Firma „Adventure World“ aus Bad Herrenalb. Ein abenteuerlustiger Mittfünfziger, der schon einige Extremerfahrungen gesammelt hat. Mehr als 10 000 Tandemflüge hat er hinter sich. Vor meiner Wenigkeit haben ihm schon ein englischer Prinz und ein amerikanischer Präsident ihr Leben anvertraut. Beide weilen noch unter uns. Beruhigend.

Erinnerungen an Bruchlandung

Nur einmal hat Mirko – unter Fliegern duzt man sich – eine böse Bruchlandung hingelegt. Lendenwirbelbruch. „Ich war jung und habe die Bedingungen falsch eingeschätzt“, sagt er heute. An meinem Schicksalstag zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite. Es ist sonnig, ein leichter Westwind bläst uns ins Gesicht.

Das Murgtal aus der Vogelperspektive

Einmal in der Luft, legt sich mein Nervenflattern. Mit der Vogelperspektive auf das Murgtal schweben wir davon, 100 Meter über den dichtgrünen Baumwipfeln des Schwarzwaldes. „Geht’s?“, fragt Mirko von hinten. Es geht. Malerisch ist der Blick über die Berge bis hinüber ins Elsass.

„Wie lange bleiben wir oben?“, rufe ich nach hinten, wo Mirko die Leinen sicher in seinen Händen hält. „Mal schauen, was die Thermik hergibt“. Dann darf ich auch mal: Ich ziehe an der rechten Leine, und wir fliegen nach rechts. Linke Leine, nach links. In 500 Metern Höhe fühle ich mich frei wie ein Vogel. Immer dem Himmel entgegen. Atemberaubend.

Der Magen meldet sich

Aber mein Magen rebelliert. Die Höhe. Mirko ist aus einem härteren Holz geschnitzt, kein Weichei wie ich. Er mag es schneller, höher, weiter oder alles drei zusammen. Schon als junger Mann zogen ihn die Extreme in ihren Bann – ob beim Kayaking im Wildwasser, mit zwei Brettern auf der Piste oder eben mit dem Gleitschirm in der Luft. Als Ski-Freestyler schaffte er es einst bis in die Nationalmannschaft. „Ich habe immer den Nervenkitzel gesucht“, sagt Mirko.

Landung in Loffenau

Rasch nähern wir uns Loffenau. „Ein bisschen was hole ich noch raus“, kündigt Mirko an und dreht mit mir ein paar Ehrenrunden über der vorgesehenen Landefläche am Ortsrand. „Einfach laufen“, ruft er, als der Boden auf uns zukommt. Ob das gut geht?

Der Notschirm, das hat Mirko mir verraten, taugt nur über 80 Metern. Schnell verlieren wir an Höhe. Noch 20 Meter, zehn, fünf… . „Nur keine Bruchlandung“, denke ich mir. Meine Sohlen berühren das Gras, ich beginne zu laufen. Nach wenigen Sekunden ist der Spuk vorbei.

Große Gefühle auf dem Landeplatz

„Sauber gelandet“, sagt Mirko routiniert und als kurz darauf ein anderes Pärchen mit den Knien auf der Wiese aufschlägt, weiß ich das umso mehr zu schätzen. Für Mirko, der den Loffenauer Startplatz zum „schönsten im Schwarzwald“ adelt, war es nur ein Flug unter tausenden. Mir aber ist das Lächeln ins Gesicht gepinnt. Ich fühle mich wie ein Adler – dabei bin ich noch nicht mal ein Spatz.