Julian Christ tritt am Montag seinen ersten Arbeitstag im Gernsbacher Rathaus an. Schon am Abend wartet der erste Termin. | Foto: Körner

Gernsbach: Julian Christ im Interview

„Aufbruchstimmung soll erhalten bleiben“

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Am kommenden Montag beginnt in Gernsbach eine neue Ära. Bürgermeister Dieter Knittel gibt nach 24 Jahren sein Amt in die Hände seines Nachfolgers Julian Christ ab. Unser Redaktionsmitglied Martina Schorn sprach mit Julian Christ über seine Pläne für Gernsbach.

Wie sind Ihre Gefühle, wenn Sie an den kommenden Montag denken?

Christ: Ich bin sehr gespannt und freue mich drauf. Am Montag stehen gleich Gespräche mit den Mitarbeitern an. Ich habe schon frühzeitig begonnen, mit den Mitarbeitern in Kontakt zu kommen. Es ist gut, wenn man sich vorher austauscht, damit ab dem ersten Tag alles klappt.

Was wird Ihre erste Amtshandlung sein?

Christ: Ich werde mich erst einmal orientieren. Es liegen schon viele Terminanfragen vor, über die ich mir einen Überblick verschaffen und die ich gemeinsam mit meiner Sekretärin koordinieren muss. Am Abend habe ich dann bereits den ersten Termin bei einem Geschäftsjubiläum.

Auf welche Themen werden Sie gleich zu Beginn ein besonderes Augenmerk legen?

Christ: Natürlich wird das Thema Pfleiderer-Areal einer der Schwerpunkte meiner Arbeit sein. Ich möchte – wie bereits im Wahlkampf angekündigt – die Bürger zu einer Infoveranstaltung einladen und, mit Einbeziehung der Bürgerinitiative, einen Bürgerentscheid initiieren. Über das Schicksal des Areals sollten alle Gernsbacher Bürgerinnen und Bürger entscheiden dürfen.

Es heißt, Sie möchten mit dem Gemeinderat demnächst zu einer Klausurtagung an einem Wochenende zusammen kommen . Was soll Ziel dieser Zusammenkunft sein?

Christ: Es war ja in Gernsbach immer schon Usus, dass der Gemeinderat zu den Haushaltsberatungen in Klausur geht. Ich möchte das ein wenig ändern. Das Klima im Gemeinderat ist nicht das Beste und diese Klausurtagung über zwei Tage soll ein wenig Annäherung bringen. Am ersten Tag sollte nur die Zusammenarbeit im Mittelpunkt stehen, und am zweiten Tag ist das Thema Haushalt dran.

Was möchten Sie in zwei Jahren erreicht haben?

Christ: Ich möchte die Aufbruchstimmung so, wie wir sie im Wahlkampf hatten, erhalten. Ich möchte nicht nur über Konzepte reden, sondern sie auch umsetzen. Die Zeit der Stagnation muss jetzt beendet werden. Eines der Projekte, die ich auf den Weg bringen möchte, ist die Jugendbeteiligung. Der 8-er-Rat wird daher in Kürze eingerichtet werden und echte Kompetenzen gegenüber dem Gemeinderat erhalten.

Wie wird Ihr Führungsstil im Gernsbacher Rathaus aussehen?

Christ: Dieter Knittel hat sich große Verdienste erworben, aber jeder Chef hat einen eigenen Führungsstil. Mein Anliegen ist es, die Mitarbeiterschaft zu stärken und Talente auch zu fördern. Ich habe einen anderen Führungsstil, wie jeder Chef. Es ist schon eine Herausforderung, eine Verwaltung mit ihren rund 300 Mitarbeitern zu führen.

Ist es für Sie ein Problem, im Moment „nur“ als Amtsverweser ihre Arbeit im Gernsbacher Rathaus aufnehmen zu können?

Christ: Ich sehe mich als vollwertigen Bürgermeister wenn auch ohne Stimmrecht im Gemeinderat. Dass die Gernsbacher Bürger mich als Rathauschef wollen, haben sie ja bei der Wahl deutlich zum Ausdruck gebracht. Ich mache mir keine Sorgen und Gedanken und vertraue auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichts.

Sind Sie und Ihre Frau in Gernsbach schon heimisch geworden?

Christ: Meine Frau und ich beziehen gerade eine Doppelhaushälfte im Ortsteil Staufenberg. Es ist wichtig, dass der Bürgermeister vom Tag seiner Amtsübernahme auch in der Kommune lebt. Damit habe ich schon ein erstes Versprechen aus meinem Wahlkampf eingelöst.