Der Bahnübergang Loffenauer Straße ist einer von fünf Übergängen mit Vollschranken. Beim Thema Schließzeitenverkürzung für Autofahrer sieht der Stadtbahn-Träger AVG unter Hinweis auf Sicherheitsvorschriften kaum Spielraum.
Der Bahnübergang Loffenauer Straße ist einer von fünf Übergängen mit Vollschranken. Beim Thema Schließzeitenverkürzung für Autofahrer sieht der Stadtbahn-Träger AVG unter Hinweis auf Sicherheitsvorschriften kaum Spielraum. | Foto: Dorscheid

Bahnübergange im Murgtal

Beim Thema Schranken ist der Spielraum gering

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Wiederkehrendes Thema im Murgtal, meist in Gaggenau und Gernsbach, sind die Schließzeiten an den Bahnübergängen. Sie werden von Autofahrern zuweilen als unnötig lange empfunden, Vorstöße aus der Kommunalpolitik in Richtung des Schienenträgers Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) gab und gibt es immer wieder. Das jüngste Beispiel betrifft den Bahnübergang Loffenauer Straße am Stadtbahnhaltepunkt „Gernsbach Mitte“.

Nachfrage beim KVV

Der Loffenauer Bürgermeister Markus Burger will gemeinsam mit seinem Gernsbacher Amtskollegen Julian Christ einen Vorstoß in Karlsruhe machen (wir berichteten). Dieser dürfte, wie ähnliche Bemühungen in der Vergangenheit, eher wenig Chancen haben. Die BNN haben in der Pressestelle des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) nachgefragt.

Hier stoßen wir an Grenzen.

Dessen Sprecher weist daraufhin, dass auf der Achse zwischen Gernsbach und Forbach in den vergangenen Jahren bereits Optimierungen vorgenommen worden seien und damit Schließzeiten für Autofahrer verringert werden konnten. „Hier stoßen wir an Grenzen, die auch durch die gesetzlich gestiegenen Vorgaben bestimmt werden“, so der Sprecher mit Blick auf den wichtigen Aspekt Sicherheit.

Kosten für Stadt Gernsbach

Die wohl einzige Möglichkeit besteht in der Umrüstung der fünf Schranken in der Kernstadt Gernsbach von der (bisherigen) Voll- auf Halbschranken: Dies würde laut KVV eine um etwa 20 bis 25 Sekunden geringere Schließdauer bringen, im Gegenzug wäre wohl ein Plangenehmigungsverfahren notwendig – und die Stadt Gernsbach müsste sämtliche Kosten tragen.

Signalabhängig.

Der KVV-Sprecher erklärt auch die Funktionsweise der fünf Bahnübergänge in Gernsbach (Schwarzwaldstraße, Hebelstraße, Scheffelstraße, Loffenauer Straße und Scheuerner Straße): Diese seien „signalabhängig“; das heißt, Voraussetzung für die Abfahrt eines Zuges ab Gernsbach Bahnhof in Richtung Obertsrot ist, dass alle fünf Übergänge gesichert sind.

Gesicherte Bahnübergänge

Die Bahnübergänge gelten erst dann als gesichert, wenn alle Schranken die untere Endlage erreicht haben und der Fahrdienstleiter nach Blick auf die Videobilder per Tastendruck (für jeden Bahnübergang einzeln) bestätigt hat, dass keine Fahrzeuge zwischen den Schranken eingeschlossen sind – dies ist laut KVV-Sprecher bei Bahnübergängen mit Vollschrankenabschluss Pflicht. Erst dann geht das Ausfahrsignal auf Fahrt und der Zug kann am Gernsbacher Bahnhof starten.

Lange Wartezeit

Der Bahnübergang Loffenauer Straße öffnet erst dann automatisch, wenn der Zug den Übergang passiert hat. Hält ein murgaufwärts fahrender Zug in „Gernsbach Mitte“ und damit noch vor dem Bahnübergang länger an, dauert es folglich auch länger, bis der Bahnübergang Loffenauer Straße öffnet. Logische Konsequenz: Wenn die Züge am Haltepunkt „Gernsbach Mitte“ stoppen (was bei fast allen Zügen außer den Eilzügen der Fall ist), fällt die Schließzeit und damit die Wartezeit für Pkw und Fußgänger länger aus.

Signal für Schranken

Ähnlich verhält es sich bei Fahrten aus Richtung Obertsrot in Richtung Gernsbach. Hier steht das Signal, das die fünf Gernsbacher Bahnübergänge „deckt“, in Fahrtrichtung gesehen vor dem ersten Bahnübergang (Scheuerner Straße). Züge, die in „Gernsbach Mitte“ halten, fahren langsamer über den dortigen Bahnübergang. Daraus folgen etwas längere Schließzeiten. Sobald die Bahn an „Gernsbach Mitte“ steht und sich die Türen öffnen, gehen auch die Schranken wieder hoch.

KVV nennt Möglichkeiten

Wie könnte man am Bahnübergang Loffenauer Straße die Schließzeiten reduzieren? Der KVV-Sprecher nennt grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Erste Möglichkeit wäre es, die genannten fünf Bahnübergänge auf Halbschranken umzurüsten. Hierdurch würde sich die Zeit zwischen Einschalten (Anforderung) des Bahnübergangs und der Meldung „gesichert“ (Signalstellung für den Zug) verringern; der Fahrdienstleiter müsste nach dem Schließen der Schranken den freien Bahnübergang auch nicht mehr prüfen und bestätigen.

20 bis 25 Sekunden weniger

Dieser Rückbau auf Halbschranken würde eine Verkürzung der Schließzeiten um etwa 20 bis 25 Sekunden bewirken. Der Wunsch, die Bahnübergänge hinter dem Haltepunkt „Gernsbach Mitte“ erst mit Abfahrbereitschaft des dort haltenden Zuges zu schließen, sei technisch nicht umsetzbar, so der Sprecher weiter. Ein Rückbau auf Halbschranken entspräche der Änderung einer Bahnanlage, was ein Plangenehmigungsverfahren erforderlich macht (wenn die Planfeststellungsbehörde nicht darauf verzichtet). Auf jeden Fall müsste eine Sonderverkehrsschau mit Beteiligung des Straßenbaulastträgers und der Landeseisenbahnaufsicht erfolgen.

Einseitiges Verlangen

Da es sich beim Umbau von Voll- auf Halbschranken um ein einseitiges Verlangen der Stadt Gernsbach handeln würde und es auch keine Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit am Bahnübergang wäre, müsste die Stadt Gernsbach die Kosten hierfür alleine tragen, betont der KVV-Sprecher. Dessen Schätzung lautet auf einen Betrag von über 50 000 Euro für jede einzelne Schrankenanlage, wobei der Betrag auch die erforderlichen Softwarekosten einschließt.

Aufhebung der Haltestelle

Zweite, aber wohl nur rein theoretische Möglichkeit zur Verringerung der Schließzeiten am Bahnübergang Loffenauer Straße wäre die Aufhebung der Haltestelle „Gernsbach Mitte“ (die Züge halten dann nicht mehr vor dem Bahnübergang) oder die Reduzierung der Verkehrshalte in „Gernsbach Mitte“. Beides ist aber wenig realistisch, wenn man die große Zahl an Fahrgästen betrachtet, die diesen zentralen Halt in der Alten Amtsstadt nutzen.

Bahnübergänge

Die Albtalverkehrsgesellschaft (AVG), die unter anderem für den Stadtbahnbetrieb ins Murgtal und weiter bis Freudenstadt zuständig ist, betreibt in ihrem Netz nach eigenen Angaben über 200 technisch gesicherte Bahnübergänge, darunter nur sechs mit Vollschrankenabschluss. Bemerkenswert: Fünf davon befinden sich in Gernsbach. Die Bahnübergänge wurden 1989 von der damaligen Deutschen Bundesbahn (heute Deutsche Bahn) in dieser Form gebaut und später von der AVG bei der Übernahme der Murgtalstrecke auch so übernommen. Damals gab es zwar schon lange den Bahnübergang Loffenauer Straße, aber noch keinen Haltepunkt „Gernsbach-Mitte“.
Im April 2011 hatte sich der Gemeinderat Gernsbach im Zusammenhang der Neugestaltung des Salmenplatzes für eine Beibehaltung der Vollschranke am Bahnübergang Scheffelstraße ausgesprochen (mit 12 zu 6 Stimmen) und lediglich dem Rückbau der Gitterbehänge zugestimmt.