Der neue Standortleiter war auch schon da: Vor der Betriebsversammlung am Dienstag unterhielt sich Matthias Jurytko (links), der wie berichtet nach Wörth wechselt, mit Thomas Twork, der am 1. April die Führungsfunktion in Gaggenau übernimmt. | Foto: Daimler

Betriebsversammlung

Benz-Werk Gaggenau: Auch 2019 gute Auslastung

Anzeige

Stehende Ovationen durfte in der regulären Betriebsversammlung des Mercedes-Benz-Werks Gaggenau am Dienstag (12. März) Standortleiter Matthias Jurytko entgegennehmen, der wie berichtet zum 1. April die Führungsfunktion in Wörth übernehmen wird. In der Versammlungen kamen mehrere Themen zur Sprache.

Wirtschaftliche Lage

„2018 war ein super Jahr in jeder Hinsicht“, bilanzierte Jurytko im Pressegespräch nach der Betriebsversammlung, „für 2019 bin ich verhalten optimistisch, ich gehe von einer Auslastung auf ähnlichem Niveau aus.“ Betriebsratschef Michael Brecht sagte unter Verweis auf internationale Risikofaktoren wie die Handelskonflikte oder den Brexit: „Lieber vorsichtig als euphorisch“. Stand Februar sind im Werk Gaggenau 6.826 Mitarbeiter beschäftigt, darunter gut 300 Leiharbeitnehmer. Die Zahl der zusätzlichen Wochenendschichten kann langsam zurückgefahren werden. Laut Udo Roth, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, wurden im Januar 60 Zeitarbeitnehmer in die Festanstellung übernommen, für 30 weitere steht die Übernahme bevor.

Standortstrategie

Jurytko und Brecht gelten als „Väter“ der erfolgreich umgesetzten Standortstrategie, die das Werk Gaggenau breiter aufgestellt, neue Produktionsflächen geschaffen und für viele Beschäftigte zukunftssichere Arbeitsplätze gebracht hat. Diese Strategie wird fortgeführt, hierzu zählt der „Masterplan 2.0“ des Betriebsrats. Für Juli ist der Abriss und anschließende Neubau von Bau 50 zum Ausbau des Klappteilegeschäfts (Türen, Kofferraum, Motorhaube) vorgesehen. Weitere Investitionen bei den schweren Getrieben stehen an.

Thema Elektrifizierung

Laut Betriebsrat liegt die Unternehmenszusage vor, dass die technische und wirtschaftliche Machbarkeit der Entwicklung und Herstellung von Elektromotoren in Gaggenau geprüft wird, bevor eine Entwicklungs- und Produktionsfreigabe an andere Standorte des Unternehmens oder an Lieferanten erfolgt. Weiterhin werden die Räder, Wellen und Gehäuse des elektrischen Antriebsmoduls für die zweite Generation des eActros in Gaggenau produziert – somit könnten wegfallende Arbeitsplätze bei den herkömmlichen Getrieben frühzeitig kompensiert werden.

Betriebsübergang

Die neue Struktur der Daimler AG, die bei der Hauptversammlung am 22. Mai beschlossen werden soll, war ebenfalls Thema der Betriebsversammlung. Den Mitarbeitern wurde versichert, dass der Betriebsübergang für sie keine arbeitsvertraglichen Änderungen bringen wird. Die Belegschaft in Gaggenau wird je nach Beschäftigungsschwerpunkt einer der drei Gesellschaften – Daimler AG (Zentralfunktionen), Mercedes-Benz-AG, Truck AG – zugeordnet. „Gaggenau ist neben Untertürkheim der komplexeste Standort“, sagte hierzu Matthias Jurytko.

„LEAD-Werk“

Der Standort Gaggenau soll laut Betriebsrat zukünftig auch als Kompetenzzentrum für den elektrischen Antriebsstrang und als Anlauffabrik gelten sowie erster Ansprechpartner bei der Entwicklung neuer Aggregate sein. Gaggenau soll so zum „LEAD-Werk“ im Bereich der schweren Getriebe und als Brücke zwischen Entwicklung und Serienproduktion fungieren. Entsprechende Vorvereinbarungen sollen nunmehr unter Dach und Fach gebracht werden.

Umsetzung Tarifergebnis

Der Metall-Tarifabschluss 2018, der anstelle einer Sonderzahlung alternativ die Möglichkeit von zusätzlich acht freien Tage gibt, stößt im Benz-Werk auf sehr gute Resonanz: Von den 1 372 eingereichten Anträgen kommen alleine 1.111 von Schichtarbeitnehmern. Alle Anträge seien genehmigt worden.