Der Stern strahlt über dem Gaggenauer Mercedes-Benz-Werk: Die Auftragsbücher für 2018 sind voll, und in vielen Bereichen wird rund um die Uhr gearbeitet, um die Nachfrage abdecken zu können. | Foto: A. Meier

Auftragsbücher 2018 sind voll

Benz-Werk Gaggenau steuert auf 7000 Beschäftigte zu

Beim Fahrzeugabsatz feiert der Konzern mit dem Stern Rekord um Rekord. Der Februar war der 60. Monat in Folge, in dem Mercedes-Benz weltweit mehr Fahrzeuge ausgeliefert hat als im jeweiligen Vorjahresmonat. Der scheinbar nicht enden wollende Nachfrageboom schlägt sich unmittelbar auf das Mercedes-Benz-Werk Gaggenau nieder: „Unsere Auftragsbücher sind für das Jahr 2018 gefüllt. Die Produktionsauslastung bei den Nutzfahrzeuggetrieben, -achsen und Pkw-Drehmomentwandlern ist auf höchstem Niveau“, sagte am Mittwoch im Anschluss an die Betriebsversammlung im Benz-Werk Standortleiter Matthias Jurytko gegenüber der Presse.

Mitarbeiter in Zahlen

Derzeit zählt der Standort an der Murg 6 820 Beschäftigte; Betriebsratschef Michael Brecht und Standortleiter Jurytko gaben bekannt, dass zum 1. Mai weitere 82 Mitarbeiter – 42 Leiharbeiter und 40 „Befristete“ – in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden. Zusätzlich werden in den nächsten Monaten 147 Zeitarbeitnehmer die Belegschaft verstärken, damit wird die Zahl von 7 000 Beschäftigten in Gaggenau samt den Werkteilen Rastatt und Kuppenheim in Reichweite rücken. In den letzten zehn Jahren hat Daimler im Benz-Werk Gaggenau rund 700 Zeitarbeitnehmern einen Festvertrag und damit eine stabile Perspektive gegeben.

Die Wermutstropfen

Wird es den vom US-Präsidenten angekündigten „Handelskrieg“ wirklich geben? Betriebsratschef Brecht sagte, dass die Art und Weise, wie Donald Trump an das Thema Zölle herangehe, „brandgefährlich“ sei. Weiteres Fragezeichen: Die Zukunft des Dieselmotors. „In Gaggenau haben wir viele Arbeitsplätze, die am Diesel hängen.“ Betriebsrat Udo Roth kritisierte in der Betriebsversammlung, dass das Unternehmen Anfang 2017 die vereinbarten Kapazitätserweiterungen nach hinten verschoben habe; nun versuche die Standortleitung mit aller Macht, diese wieder vorzuziehen.

Die Standortstrategie

Über 90 Prozent der vor rund fünf Jahren vereinbarten Standortstrategie sind „abgearbeitet“: Dreistellige Millionensummen sind investiert worden, Flächennutzungen innerhalb des Werkes wurden neu geordnet sowie Kernkompetenzen in den Bereichen Getriebe, Achsen und Wandler gestärkt. Das – nach zunächst hartem Ringen – gemeinsame Vorgehen von Standortleitung und Betriebsrat hat sich ausgezahlt: Die Zahl der neuen Arbeitsplätze übersteigt die Zahl, die im Gegenzug durch Fremdvergabe oder Produktauslauf wegfiel. Rund 2 000 Beschäftigte haben innerhalb des Werkes neue Arbeitsplätze erhalten, die aber zu einem nicht geringen Teil eine höhere Qualifikation und damit auch bessere Bezahlung aufweisen.

E-Mobilität

Michael Brecht hat in der Betriebsversammlung in Gaggenau seine Kritik am bevorstehenden Test für Oberleitungs-Lkw auf der B 462 im Murgtal erneuert. Jurytko gab gegenüber der Presse bekannt, dass Daimler nunmehr elektrisch angetriebene Lkw („E-Actros“) mit 200 Kilometern Reichweite bei insgesamt zehn Speditionen für zunächst ein Jahr in den Probelauf gibt.

„Horizont 2025“

Standortleitung und Betriebsrat führen Gespräche zum weiteren Ausbau des Standortes. Dabei geht es mittelfristig um (weitere) Flächenüberarbeitungen zur Absicherung des Wachstums aber auch im Hinblick auf die neuen Technologien, wobei hier jetzt schon die Weichen gestellt werden müssen: Elektrifizierung, Industrie 4.0, Digitalisierung.

Parkplatzsituation

Nach der wiederholten Kritik von außen, auch im Gemeinderat Gaggenau, wonach Benzler immer wieder werksnahe Straßen „zuparken“, hat Jurytko in der Betriebsversammlung an die Mitarbeiter appelliert, „rücksichtsvoll im öffentlichen Parkraum zu sein und die eigenen Parkplätze zu nutzen“.