Symbolbild. | Foto: Keystone

Gernsbach: KSC-Fan vor Gericht

Böllerwurf hat ein juristisches Nachspiel

Der Einsatz von Bengalos bei Fußballspielen wird mittlerweile scharf geahndet – und dank hochauflösender Kameras in den Stadien lassen sich viele Täter zweifelsfrei ermitteln. Vergleichsweise glimpflich kam ein 19-jähriger Murgtäler davon: Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und unerlaubten Umgangs mit Sprengkörpern wurde er vom Gernsbacher Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch verwarnt. Er muss ein Wochenende Freizeitarrest verbüßen sowie auf eigene Kosten sechs Sitzungen bei einer Antiaggressionstrainerin absolvieren. Der Grund: Ein Böllerwurf im Stadion.

Von Georg Keller

Böllerwurf in Nürnberg

Koch sprach von einer gruppendynamischen Entwicklung, die zu dem fatalen Böller-Wurf führte. Die Verteidigung akzeptierte das Strafmaß, die Staatsanwaltschaft nicht. Der Vorfall ereignete sich im März vergangenen Jahres: Bei einem Auswärtsspiel des damaligen Zweitligisten Karlsruher SC in Nürnberg zündete der 19-jährige Auszubildende einen Sprengkörper vom Typ „La Bomba“ und warf ihn auf die Laufbahn.

Es war nicht meine Absicht, jemanden zu schädigen

Er sei KSC-Fan, allerdings kein Ultra, erklärte der Angeklagte in der Verhandlung. Bei dem Nürnberg-Spiel sei er alkoholisiert gewesen. Als die Gastgeber innerhalb von fünf Minuten durch zwei Foulelfmeter die Begegnung kippten, habe er die Kontrolle verloren und den Böller geworfen. Wegen der Fan-Fahnen am Zaun habe er nicht gesehen, dass jemand davor stand. „Es war auf jeden Fall nicht meine Absicht, jemanden zu schädigen“. Den Böller habe er in der Unterhose ins Stadion geschmuggelt.

Alkohol im Spiel

Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 1,6 Promille. Bei der Anfahrt trank die Gruppe Bier, im Stadion herrschte Alkoholverbot. Der Murgtäler hat ein bundesweit wirksames einjähriges Stadionverbot erhalten, welches mittlerweile zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Ordner war nicht mehr auffindbar, so der Verteidiger des Angeklagten, der Gaggenauer Rechtsanwalt Mathias Albrecht. Der Verein 1. FC Nürnberg arbeitet mittlerweile mit einem anderen Sicherheitsdienst zusammen.

Staatsanwaltschaft fordert Geldstrafe

Bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte der Security-Mitarbeiter von zwei Böllern der Marke „La Bomba“ gesprochen. Wer diese geworfen hatte, habe er nicht sehen können. Der Strafbefehl sah eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen á 20 Euro vor. Damit wäre er vorbestraft. Dafür dürfte mitverantwortlich sein, dass er bereits im Jahr 2015 im Internet teilweise verbotene Böller, Rauchbomben und Rauchfackeln bestellt hatte.

Ein Feuerwerkskörper des Typs „La Bomba“ | Foto: Ebener

Der Vorfall wurde von einer Stadionkamera aufgezeichnet. „Die drei Leute mit Sicherheitsweste sind nicht zu übersehen“, hielt Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch dem jungen Mann nach Betrachtung des Videos und der Standbilder vor. Allerdings war auch zu sehen, dass der Böller einen Meter neben dem Ordner landete.
Die Staatsanwältin sah kein jugendtypisches Vergehen. Der Angeklagte habe den Böller bewusst ins Stadion „geschmuggelt“, betonte die Anklagevertreterin. „Das war geplant“. Der Strafrahmen für eine gefährliche Körperverletzung beginne bei sechs Monaten. Wegen versuchter Körperverletzung forderte sie eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht zu 130 Tagessätzen á 25 Euro. Auch Verteidiger Mathias Albrecht betonte, dass die Tat „kein Kavaliersdelikt“ war, aber er forderte eine erzieherische Strafe nach dem Jugendstrafrecht. Er plädierte für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen, die nicht ins Führungszeugnis eingetragen wird.