Gefräßiger Geselle: Der winzige Borkenkäfer befällt mit Vorliebe ältere Fichten. Hitze und Trockenheit begünstigen seine Verbreitung.
GEFRÄSSIGER GESELLE: Der winzige Borkenkäfer befällt mit Vorliebe ältere Fichten. Hitze und Trockenheit begünstigen seine Verbreitung. | Foto: Weihrauch

Borkenkäfer-Boom im Murgtal

Zeitbombe unter der Rinde

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Er ist winzig, gefräßig und erstaunlich robust: Der Borkenkäfer hat sich 2018 massenhaft vermehrt. Allein im Murgtäler Forst haben Aber-Millionen Käfer schwere Schäden angerichtet – begünstigt von Hitze und Trockenheit. Setzt sich der Trend in diesem Jahr fort, befürchten Experten eine weitere Ausbreitung des Schädlings, dem auch der Winter kaum etwas anhaben kann. Die Prognose von Markus Krebs, Leiter des Forstbezirks Gaggenau, macht wenig Hoffnung: „Die in sehr großer Zahl überwinternden Borkenkäfer werden 2019 erneut zu einer massiven Gefahr für die Fichten werden.“ Stark befallene Bäume können von mehr als 10 000 Tieren bevölkert werden und haben keine Überlebenschance.

Raffinierte Vorgehensweise

Dabei ist der Buchdrucker, die häufigste hiesige Art, durchaus wählerisch. Er hat es vor allem auf Fichten ab einem Alter von 50 Jahren abgesehen. Seine Vorgehensweise ist raffiniert und immer gleich: Zunächst fliegen sogenannte Pionierkäfer ihre Wirtsbäume an. Beim Einbohren in die Rinde lösen sie einen Harzfluss auf, der einzelne Käfer tötet. Greifen indes viele Tiere gleichzeitig an, kommt die Harz-Abwehr zum Erliegen.

Sie kappen die Lebensadern der Bäume.

Eingebohrte Käfer erzeugen Lockstoffe für ihre Artgenossen, wodurch es zu massivem Befall kommt. Die nur wenige Millimeter großen Insekten bohren Gänge unter die Rinde zur Eiablage. Krebs: „Ihre geschlüpften Larven fressen die saftführende Bastschicht und kappen somit die Lebensadern der Bäume.“ Forscher hätten ermittelt, „dass 300 bis 500 Borkenkäfer ausreichen, um eine einzelne Fichte zum Absterben zu bringen.“

Keine Chance: Stark vom Borkenkäfer befallene Fichten sterben ab. 300 bis 500 Insekten können für sie lebensbedrohlich werden.
Keine Chance: Stark vom Borkenkäfer befallene Fichten sterben ab. 300 bis 500 Insekten können für sie lebensbedrohlich werden. | Foto: Weihrauch

Bäume kämpfen ums Überleben

Entscheidend sei der Zustand der Fichten: „Gesunde Bäume produzieren ausreichend Harz und wehren Angriffe so ab“, erklärt Krebs. Anhaltende Hitze und Dürre wie im vergangenen Jahr, dem wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland, können fatale Folgen haben. Die Schädlinge, die erst ab einer Lufttemperatur von 16 Grad ausschwärmen, vermehren sich in Massen und den Bäumen fehlt die Flüssigkeit zur Produktion ihres Harzes.

Käfer haben leichtes Spiel.

Im vergangenen Jahr waren viele Fichten durch die Orkantiefs „Burglind“ und „Friederike“ zusätzlich geschwächt. „Die Käfer haben dann leichtes Spiel“, sagt Krebs. Statt ein bis zwei Generationen wie in Normaljahren entwickelten sich 2019 vielerorts drei. Verheerend für die angeschlagenen Fichten, zumal ein einziges Weibchen in einem Jahr für bis zu 100 000 Nachkommen sorgen kann.

Infografik zur Borkenkäferentwicklung.
Infografik zur Borkenkäferentwicklung. | Foto: BNN

Bäume müssen gefällt werden

Im Gaggenauer Bezirk, der von der A5 bis hinauf zur Schwarzenbach-Talsperre reicht, war der Befallschwerpunkt laut Krebs ein Höhenband zwischen 400 und 800 Metern: „Besonders stark betroffen waren die Gemarkungen Obertsrot, Reichental, Weisenbach und Forbach.“ Dennoch wolle man den Einsatz von Pestiziden im Wald weitestgehend vermeiden. Stattdessen würden stark befallene Bäume gefällt, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings zu verhindern. Allerdings sei der Befall 2018 so gravierend gewesen, „dass die Holzindustrie mit der Verarbeitung kaum nachgekommen ist.“ Letztlich blieb das geerntete Käferholz in großen Mengen im Wald liegen.

Borkenkäfer trotzt kalter Jahreszeit

Hinzu kommt: Auch die kalte Jahreszeit schreckt den Schädling nicht. In unterschiedlichen Entwicklungsstadien, von der Larve bis zum Jungkäfer, überwintert er in der Rinde. Nur strenger Frost über einen längeren Zeitraum oder Pilzbefall bei stark schwankenden Temperaturen können ihm gefährlich werden. „Ich erwarte 2019 eine weiterhin hohe Population und einen entsprechenden Anfall von Käferholz“, sagt Krebs. Der Forstexperte hofft auf ausreichend Niederschlag im Frühling und Sommer, damit die Fichten in diesem Jahr besser gegen den Angriff der Insekten gerüstet sind. Andernfalls dürften auch 2019 viele Bäume eingehen.

Borkenkäfer-Management:
Sind die von Käfern befallenen Hölzer identifiziert, müssen sie so rasch wie möglich eingeschlagen werden. Danach ist ein Abtransport des befallenen oder bruttauglichen Holzes an ungefährdete Orte ratsam: ins Sägewerk, in reine Laubwaldgebiete oder an Orte außerhalb des Waldes, die mindestens 500 Meter von Nadelbaumbeständen entfernt liegen.
Kann die Holzabfuhr nicht rechtzeitig erfolgen, empfiehlt Forst BW, der Eigenbetrieb des Landes, eine Entrindung der Bäume, solange die Brust noch ausschließlich als Larve oder Puppe vorliegt. In diesem sogenannten „weißen Stadium“ sterben die Tiere nach der Entrindung ab. Dieser Zustand der Brust ist nach Angaben von Forst BW jedoch unbedingt zu überprüfen und ist in der Regel nur zu Beginn der Flugzeit vorhanden.
Sofern bereits Jungkäfer vorhanden sind, raten die Experten zu anderen Maßnahmen, etwa dem Entrinden auf Unterlagen und einem kontrollierten Verbrennen der Rinde mit offener Flamme. In diesem Fall ist auch der Einsatz eines Pflanzenschutzmittels zulässig. Hier gelten strenge Auflagen: Nur bestimmte Mittel dürfen verwendet werden und das auch nur als letztmögliche Maßnahme. Zu beachten sind ferner die Einhaltung von Gewässerabständen und Bienenschutzvorschriften. (Forst BW)