Keine Bewegung: Die Gespräche zwischen der Stadtverwaltung und dem Besitzer der Brückenmühle sind ergebnislos beendet worden. Im Rathaus hat man einen Kauf des Gebäudes mittlerweile abgehakt. | Foto: Fieting

Kaufverhandlungen gescheitert

Brückenmühle: Stadt Gernsbach streckt die Waffen

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Für die Stadt Gernsbach ist ein Kauf der Brückenmühle offenbar vom Tisch. Nach eigenen Angaben wird Bürgermeister Julian Christ dem Gemeinderat für dessen Dezember-Sitzung vorschlagen, den Verkauf des Gebäudes zuzulassen und damit auf einen Rechtsstreit zu verzichten.

Nach jahrzehntelangem Stillstand und zwei gescheiterten Investorenvorhaben (die BNN berichteten) hatte die Stadt ursprünglich von ihrem Vorkaufsrecht zum Erwerb der Brückenmühle Gebrauch machen wollen. Das Bauwerk an der Murg war zuletzt als Rathaus oder Hotel im Gespräch gewesen. Nun heißt es aus dem Rathaus: „Die Stadt hat alle ihre Möglichkeiten ausgeschöpft.“ Letztlich müsse man „darauf hoffen, dass der Investor das Gebäude entwickelt.“

Sanierungsgenehmigung versagt

Im März hatte der Gernsbacher Gemeinderat einstimmig beschlossen, den Verkauf der Brückenmühle zu verhindern, indem man die sogenannte „sanierungsrechtliche Genehmigung“ versagte. Das Gremium hatte seinerzeit erhebliche Zweifel daran, dass die Sanierungsziele der Stadt im denkmalgeschützten Gebäude, wie sie die Pläne des Architekten Urban Knapp als Mischung aus kleinen Gewerbeeinheiten und Wohnungen vorgesehen hatten, hätten umgesetzt werden können.

Keine Bewegung bei Brückenmühle

Weitere Gemeinderatsbeschlüsse folgten im September mit der Konkretisierung des Sanierungsziels als auch mit Beschluss der Ausübung des städtischen Vorkaufsrechts. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, seien alle Beschlüsse „in enger Abstimmung mit der Kanzlei Deubner Kirchberg“ erfolgt. Nach vertiefter Prüfung habe diese die Frage des Vorkaufsrechts neu bewertet und „der Stadt von einer Ausübung abgeraten.“
Die Beschlüsse des Gemeinderats dienten als Grundlage für weitergehende Verhandlungen mit Verkäufer Oleg Storm und Käufer Viktor Karp. Christ: „Im Austausch mit beiden Parteien wurde jedoch deutlich, dass sie nicht bereit sind, in konstruktive Gespräche zu gehen und auf einen langjährigen Rechtsstreit setzen.“ Als Bürgermeister trage er die Verantwortung für die gesamte Stadt und ein solcher Rechtsstreit sei „mit unverhältnismäßig hohen Kosten und sicherem Stillstand verbunden.“

Als Stadt haben wir keinen Einfluss auf Privatbesitzer.

Laut der Verwaltung haben sich die Möglichkeiten der Stadt nun erschöpft. „Auch wenn es weh tut – wir als Stadt haben letztendlich keinen Einfluss auf Privatbesitzer“, erklärt Christ. Man habe fast ein Jahr lang „alles versucht, um Eigentümerin des Gebäudes zu werden“ und die Entwicklung der Brückenmühle zu sichern. Wie Christ betont, wäre die Stadt ein „sicherer Garant für die erfolgreiche Sanierung“ des Gebäudes gewesen.

Kaufpreis hat es in sich

Die Brückenmühle befindet sich in privatem Besitz. Nachdem der jetzige Eigentümer, die KSB mit ihrem Geschäftsführer Oleg Storm, Planungen für ein Hotel fallen und das Gebäude brach liegen ließ, besteht seit Ende 2017 ein neuer Kaufvertrag. Hierin soll die Brückenmühle für einen gegenüber dem Verkehrswert von 870 000 Euro deutlich erhöhten Kaufpreis von 1,6 Millionen Euro den Eigentümer wechseln und an die Deutsche Baukultur mit dem Geschäftsführer Viktor Karp übergehen.