Geschützt: Die Fahrgäste der Murgtalbahn halten sich diszipliniert an die Maskenpflicht. | Foto: Siebnich

In der Murgtalbahn

Bundespolizei berichtet von vielen Verstößen gegen Maskenpflicht

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Die Bundespolizei berichtet von auffällig vielen Verstößen gegen die Maskenpflicht in der Murgtalbahn. Doch an Pfingsten halten sich fast alle Fahrgäste an die Corona-Vorgaben. Auch regelmäßigen Nutzern der Stadtbahn und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft sind die Probleme nicht bekannt.

„Fearless“ steht auf dem Pulli des Mannes. Unerschrocken. Vielleicht ist seine Kleidungswahl Zufall, aber er zeigt den Fahrgästen der Murgtalbahn auch durch sein Verhalten, dass er offenbar so gar keine Angst vor Corona hat. Er sitzt mit seinem Kumpel im Vierersitz, auf Tuchfühlung und ohne Schutzmaske.

Als die Bahn in Forbach einen kurzen Zwischenstopp einlegt, hechten die Beiden zur Tür, um im Durchgang eine zu rauchen. Die restlichen Bahnfahrer, die Mund und Nasen vorschriftsmäßig verhüllt haben, strafen sie mit höhnischen Blicken.

Bundespolizei berichtet von auffällig vielen Verstößen

Die Männer sind an diesem schönen Pfingsttag in der gut besetzten Stadtbahn zwischen Rastatt und Freudenstadt aber die einzigen, die derart provokant auf alle Corona-Regeln pfeifen. Manch ein Fahrgast trägt die Maske etwas zu lässig und lässt die Nase frei, andere ziehen sie erst nach dem Einsteigen auf oder schon vor dem Aussteigen wieder herunter. Aber im Großen und Ganzen zeigen sich Ausflügler und Einheimische diszipliniert.

Doch bei der Bundespolizei gilt die Murgtalbahn als eine Strecke, auf der es auffällig viele Verstöße gegen die Maskenpflicht gibt. Das berichtete zumindest ein Beamter in der vergangenen Woche in der vorerst letzten Sitzung des Verwaltungsstabs des Landkreises Rastatt. Der Bundespolizist erwähnte Berichte des Landratsamts Freudenstadt, wonach sich viele Fahrgäste nicht an die Regeln hielten. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt das Dieter Hutt, Pressesprecher der Bundespolizei in Offenburg: „Das Problem ist uns bekannt.“

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Bei der Ausflugsfahrt am Pfingstwochenende ist bis auf besagte Ausnahmen von Verstößen allerdings wenig zu sehen. Auch eine ältere Dame, die in Forbach am Bahnsteig wartet und regelmäßig mit der Stadtbahn im Murgtal unterwegs ist, sagt: „Die meisten halten sich dran. Es ist ja auch im Interesse jedes Einzelnen.“ Erst jüngst habe sie sogar eine junge Frau beobachtet, die ihre Maske anscheinend vergessen hatte und stattdessen den Pulli vors Gesicht zog, um sich und andere zu schützen.

Einstieg am Bahnhof in Rastatt: Die meisten Fahrgäste tragen ihre Maske schon am Bahnsteig. | Foto: Siebnich

Die Pressesprecherin des Landratsamts Freudenstadt macht sich auf Nachfrage unserer Redaktion auf hausinterne Recherche, um den Ursprung der Meldung an die Bundespolizei herauszufinden. Dabei hat sie schnell Erfolg. Ein Schulleiter habe bei einer Besprechung darauf aufmerksam gemacht, dass es vor allem viele Jugendlichen bei den Fahrten nicht allzu genau mit der Maskenpflicht nähmen. Kontrollen der Bundespolizei seien geplant, sagt die Sprecherin.

Albtal-Verkehrs-Gesellschaft sind keine Auffälligkeiten bekannt

Der Bundespolizei fehlen dafür allerdings derzeit die Kapazitäten, wie Specher Hutt erläutert. Die Beamten seien durch andere Corona-Einsätze zum Beispiel an den Grenzen gebunden. Deshalb habe die Polizei die Informationen an die Deutsche Bahn weitergegeben, damit deren Sicherheitspersonal die Situation im Auge behalte.

Bei der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft als Betreiber der Murgtalbahn ist das Problem bislang nicht aufgeschlagen. Laut Michael Krauth, Pressesprecher des Karlsruher Verkehrsverbunds, würden sich fast alle Fahrgäste an die Maskenpflicht halten. Auffälligkeiten auf einzelnen Strecken seien nicht bekannt. Seine Vermutung: Eventuell betreffe die Problematik bei Freudenstadt das Netz der Deutschen Bahn, das kurz vor dem Bahnhof der Stadt die von der AVG gepachteten Schienen Richtung Baiersbronn kreuzt.

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Zwischen Rastatt und Forbach gibt es bis auf den provokant unerschrockenen Mann und seinen Bekannten an diesem Mittag jedenfalls keine großen Auffälligkeiten. Auch die vielen Radfahrer, die ihren Drahtesel in den Wagen wuchten, verbergen Mund und Nase. Eine junge Rennradfahrerin meint: „Ich bin nur froh, dass ich die Maske nicht auf dem Rad tragen muss. Beim Anstieg würde das gar nicht gehen.“