Fahren mit Saft: Die Elektromobilität soll auch im ländlichen Raum Einzug halten. Die Gemeinde Loffenau will bis Jahresende eine E-Ladestation einrichten.
Fahren mit Saft: Die Elektromobilität soll auch im ländlichen Raum Einzug halten. Die Gemeinde Loffenau will bis Jahresende eine E-Ladestation einrichten. | Foto: Pedersen

Neues Angebot für Bürger

Carsharing: Das geteilte Auto ist auf dem Vormarsch im Murgtal

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Die Gemeinde Loffenau denkt über ein Carsharing-Angebot für ihre Bürger nach. Eine öffentliche Station, an der die Elektrofahrzeuge geladen werden können, soll noch in diesem Jahr installiert werden. Benutzer hätten die Möglichkeit, die Autos für einzelne Fahrten oder einen ganzen Tag zu buchen. Eine Entscheidung zugunsten eines Anbieters ist nach Auskunft von Bürgermeister Markus Burger noch nicht gefallen. Kürzlich hatte die Firma „deer“ aus Calw ihr Konzept in Loffenau vorgestellt.

Bei den Mietwagen würde es sich aller Voraussicht nach um Elektroautos handeln. Eine Ladesäule will die Gemeinde Loffenau bis zum Jahresende 2019 einrichten. Kostenpunkt: Rund 15.000 Euro. Die Verwaltung hat bereits einen Antrag auf 40-prozentige Förderung beim Bund gestellt. Mit einem Bescheid rechnet man im Rathaus noch in diesem Sommer. Allerdings, so Markus Burger, müsse man sehen, ob in Loffenau dafür überhaupt ein Bedarf besteht. „Die ÖPNV-Anbindung ins Murgtal ist gut“, findet der Rathauschef, „nach Bad Herrenalb hapert es aber etwas.“

Erstes Angebot von Anbieter

Auf Initiative der Gemeinderatsfraktion von SPD & Aktive Loffenauer Bürger hat ein Anbieter bereits seine Visitenkarte in Loffenau hinterlassen. Die Firma „deer“, eine gemeinsame Tochter der Stadtwerke Calw und der EnBW, präsentierte ihr Konzept. Nach eigenen Angaben unterhält sie Stationen an rund 50 Standorten im Land, die meisten davon im Nordschwarzwald. Auch in Bad Herrenalb ist der Anbieter vertreten. Kunden können die Fahrzeuge nach einer Registrierung im Internet über einen Chip freischalten lassen. Er erfasst auch die Fahrzeit, nach der die Mietkosten berechnet werden. Der Tagestarif startet laut „deer“ bei 29,90 Euro.

Wir müssen die Gemeinde attraktiver machen.

Vielen Anbietern, erzählt Gemeinderätin Manuela Nuber, sei Loffenau zu klein. „Damit auch junge Familien auf das Land ziehen, müssen wir die Gemeinde attraktiver machen“, betont sie. Ein wirtschaftliches Risiko sieht sie nicht: „Die Ladestation bleibt auf jeden Fall erhalten“, erklärt Nuber, „auch dann, wenn das Angebot nicht angenommen und wieder eingestellt wird.“

Ob für den Wocheneinkauf, Termine mit den Kindern oder den Weg zur Arbeit: In der Gemeinde Loffenau könnten sich bald mehrere Bürger ein Auto teilen.
Ob für den Wocheneinkauf, Termine mit den Kindern oder den Weg zur Arbeit: In der Gemeinde Loffenau könnten sich bald mehrere Bürger ein Auto teilen. | Foto: fie

Carsharing für den Wocheneinkauf

Für Gert Bühringer, den Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins, ist Mobilität ein zentrales Thema im ländlichen Raum. „Carsharing könnte für Familien sinnvoll sein, die zeitweise ein Zweitauto benötigen, etwa zum Wocheneinkauf“, ist er überzeugt. Bühringer denkt auch an die berufstätigen Loffenauer: „Wer bei Daimler in Rastatt zur Frühschicht muss, kommt dort nicht mit dem ÖPNV hin.“ Als mögliche Standorte für eine Carsharing-Station bringt er den Bereich rund um den Loffenauer Kurpark ins Gespräch.

Das Angebot wurde mangels Nachfrage eingestellt.

In den anderen Murgtal-Gemeinden äußert man sich zum Carsharing zurückhaltend. Bereits zwischen 2007 und 2011 standen zwei Fahrzeuge in der Klehestraße und Hauptstraße in Gaggenau. „Das Angebot wurde mangels Nachfrage eingestellt“, teilt die städtische Pressestelle mit. Im Rahmen des neuen Mobilitätskonzeptes befasse man sich derzeit erneut mit dem Thema.

Gemeinden ohne Bedarf

Im Gernsbacher Rathaus hat man bislang „keinen Bedarf wahrgenommen“. Falls sich dies ändert und die Angebotskonditionen stimmen, stehe man dem Carsharing allerdings offen gegenüber. In Weisenbach und Forbach gibt es keine entsprechenden Überlegungen.

Unter „Carsharing“ versteht man die organisierte gemeinschaftliche Nutzung eines Fahrzeuges. Im Gegensatz zu konventionellen Autovermietungen erlaubt Carsharing ein kurzzeitiges Anmieten von Autos. Ihre Nutzung wird über einen Zeit- oder Kilometertarif abgerechnet. Die Fahrzeuge sind auf feste Mietstationen im öffentlichen Raum verteilt, wo sie angemietet und abgegeben werden können.

Kommentar
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Lohnend

Ein Dorf teilt sich ein Auto – oder mehrere. Der Gedanke ist vielversprechend, zumal sich das wirtschaftliche Risiko für Loffenau in Grenzen hielte. Selbst im ungünstigen Fall, würde das Carsharing-Angebot nicht angenommen, verbliebe die Ladesäule für Elektro-Fahrzeuge im Ort. Damit rüstet sich die Gemeinde für die Zukunft; sie schafft eine Infrastruktur, die in der Stadt mittlerweile Standard ist.

Angebot auf Zeit

Mit einem Carsharing vor der Haustür würde sie zudem auch für junge Familien attraktiver, um deren Gunst gerade ländliche Kommunen in Zeiten des demografischen Wandels buhlen. Nur die wenigsten Menschen benötigen ihr Auto rund um die Uhr. Das Angebot, so es denn kommt, richtete sich nicht zuletzt an die Zweitversorger im Ort. An Einwohner, die mal kurz etwas erledigen wollen, wenn etwa der Lebenspartner mit dem einzigen Auto des Haushaltes bei der Arbeit ist.

Sinnvoller Versuch

Die wöchentliche Einkaufsfahrt, der Bringdienst für die Kinder zum Fußballtraining oder der Arztbesuch im Nachbarort: Allein dafür ein teures Fahrzeug anzuschaffen, ist kaum sinnvoll. Deshalb kommt hier das Carsharing ins Spiel. Ob es sich im beschaulichen Loffenau für einen Anbieter rechnet, muss indes der Alltag zeigen. Der Versuch lohnt allemal.