Klare Regeln: Im maxx! Gesundheitszentrum in Gaggenau darf nur eine Person pro Station trainieren. Alle Geräte müssen nach der Übung desinfiziert werden. | Foto: Körner

Auch Yogastudios wieder offen

Corona verunsichert Mitglieder: In Gaggenauer Fitnessstudio bleiben viele Geräte frei

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Der große Ansturm auf die Fitnessstudios nach ihrer Wiedereröffnung ist ausgeblieben. Viele Mitglieder sind verunsichert und bleiben fern. Die anderen müssen strenge Hygieneregeln einhalten.

Ein Betreiber aus Gaggenau ist über den Neustart erleichtert. Er berichtet von massiven Verlusten in der Corona-Krise. Auch die Yogastudios dürfen wieder Kunden empfangen. Doch auch hier gilt: Nichts ist, wie es noch vor Monaten war.

Das maxx! Gesundheitszentrum von Norbert Restle in Gaggenau war wegen der Corona-Pandemie zehn Wochen lang geschlossen. Die Laufbänder standen still, die Gewichte blieben liegen.

Mitglieder kommen Betreiber entgegen

Mit den meisten Mitgliedern hat sich Restle darauf verständigt, ihre Beiträge über Monate zu erstatten oder in Guthaben für Eiweißshakes und Zeit auf der Sonnenbank umzuwandeln.

Norbert Restle ist Inhaber des maxx! Gesundheitszentrums in Gaggenau. | Foto: Körner

Der Betreiber hat so finanziell mehr Spielraum. Die Krise trifft ihn hart: „Wir haben einen Verlust von 50.000 Euro gemacht.“ Die Staatshilfe in Höhe von 15.000 Euro lindert seine Sorgen, mehr aber auch nicht.

Viele Menschen sind verunsichert und bleiben zu Hause.

Fitnessstudio-Betreiber Norbert Restle aus Gaggenau

 

Nun sind die Kunden zurück – aber längst nicht alle: „Viele Menschen sind verunsichert und bleiben zu Hause“, sagt Restle, der mit seinen Mitgliedern per E-Mail Kontakt hält.

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Von Kollegen weiß er, dass es bei ihnen „auch nicht besser aussieht.“ Vor allem ältere Menschen hätten Bedenken. „Die Hälfte unserer Kunden fehlt“, sagt Restle.

Viele Geräte bleiben frei

Auch beim Besuch des BNN-Redakteurs, allerdings morgens an einem Wochentag, bleiben viele Geräte frei.

Eva Stahlberger ist eines der wenigen Mitglieder, die gekommen sind. „Ich mache mir keine Sorgen“, sagt sie, „ich bin froh, dass ich wieder trainieren kann.“

Klare Regeln im Fitnessstudio

Im Studio gelten klare Regeln. Pfeile auf dem Boden markieren einen Rundweg. Die Mitglieder müssen zu jeder Zeit einen Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten.

Klare Regeln: Im maxx! Gesundheitszentrum in Gaggenau darf nur eine Person pro Station trainieren. Alle Geräte müssen nach der Übung desinfiziert werden. | Foto: Körner

Restle hat deshalb mehrere Geräte zu Stationen zusammengestellt, die zum Teil durch Plexiglas voneinander getrennt sind. Dort darf jeweils nur eine Person trainieren.

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Intensives Ausdauertraining ist verboten

Wer zum Training kommt, muss sich registrieren. So können die Mitglieder über eine App sehen, wie voll das Fitnessstudio ist.

Duschen und Umziehen in der Umkleide sind ebenso verboten wie intensiver Ausdauersport. „Wir bieten derzeit kein Spinning an“, sagt Restle. Damit will er verhindern, dass zu viele Aerosole freigesetzt werden.

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Eine Maske müssen die Kunden beim Training nämlich nicht tragen. Restle allerdings schon: „Wenn ich unsere Mitglieder bei Übungen korrigiere, komme ich ihnen schon auch mal näher.“

Corona verändert Yoga-Stunden

Bei Andreas Lanz ist Körperkontakt verboten. Das beeinträchtigt seine Arbeit – denn Lanz ist Inhaber von YogaVital in Gaggenau. „Wenn ich eine Fehlhaltung sehe, greife ich ein“, erklärt Lanz, „das geht derzeit aber nur verbal.“

Kleinere Kurse: Yoga-Lehrer Andreas Lanz musste wegen der Corona-Pandemie die Teilnehmerzahl an seinen Übungsstunden halbieren. | Foto: Gerbig

Beim Yoga gilt wie im Fitnessstudio keine Maskenpflicht. Deshalb finden intensive Atemübungen wegen der erhöhten Infektionsgefahr nicht statt. Yogablöcke und Hilfsmittel kommen nicht zum Einsatz. Jeder Teilnehmer muss seine eigene Matte mitbringen.

Begrenzte Teilnehmerzahl

Eine andere Einschränkung ist für Lanz indes weitaus schmerzhafter: Um den Mindestabstand einzuhalten, musste er die Teilnehmerzahl bei den Kursen halbieren. Im kleineren Nebenraum finden daher keine Übungen mehr statt. „Das wäre nicht rentabel“, sagt Lanz.

Verhaltene Resonanz

Dort wird nun für ein Online-Angebot gedreht, das diejenigen nutzen können, die in den regulären Kursen keinen Platz mehr bekommen haben. Die Resonanz seiner Kunden ist bislang verhalten. „Mein Eindruck ist, dass viele noch unsicher sind“, berichtet er.

Das Geld ist schon wieder weg.

Yoga-Lehrer Andreas Lanz über die Staatshilfe

 

Lanz ist frustriert. Sein Studio war wochenlang geschlossen, die laufenden Ausgaben für die Miete und Versicherungen aber blieben. In seiner Not beantragte er Staatshilfe, bekam 9.000 Euro.

Teilnehmer an Yoga-Kursen müssen ihre eigenen Matten mitbringen. | Foto: Gerbig

„Das Geld ist schon wieder weg“, klagt der Forbacher. Vor der Pandemie beschäftigte er mehrere Angestellte auf 450-Euro-Basis. Auch sie gingen in der Krise leer aus.

Yoga-Lehrer kritisiert Politik

Die Corona-Maßnahmen der deutschen Politik sieht Lanz nach eigener Aussage mittlerweile kritisch, auch, weil die Infektionszahlen deutlich gesunken sind.

An die Vorschriften will er sich trotzdem halten: „Ich werde meine Bedenken nicht auf die Kunden projizieren.“