Nicht nur räumlicher Mittelpunkt im Gaggenauer Quartier links der Murg will das komplett umgebaute Helmut-Dahringer-Haus (Mitte links) sein. Ziel ist die Weiterentwicklung zum "Quartierhaus" als Begegnungsstätte. | Foto: Hertweck

Begegnungsstätte für alle

Dahringer-Haus in Gaggenau will „Quartierhaus“ werden

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„Sie glauben nicht, wie viele Menschen einsam leben, auch in unserer Stadt.“ Peter Koch, Geschäftsführer der Gaggenauer Altenhilfe, weiß, wovon er spricht. Schließlich gehört der Ambulante Dienst zum Aufgabenspektrum der Altenhilfe, und von dessen Mitarbeitern weiß Koch, dass ihr Dienst für gar nicht so wenige Kunden den einzigen Kontakt zur Außenwelt darstellt. Das Problem der Vereinsamung angehen, ist ein Aspekt künftiger Quartiersarbeit, die schon bald aus der Taufe gehoben werden soll, wie Koch im BNN-Gespräch schildert. Aber es ist längst nicht der einzige Aspekt.

„Es gehört zur Grund-DNA des Hauses“

Das neue, weil komplett umgebaute Helmut-Dahringer-Haus will zur Begegnungsstätte im Quartier „Links der Murg“ werden – ein „Quartierhaus“, wenn man so will. Dies sei ideal, findet Koch im BNN-Gespräch. Erstens, „weil es zur Grund-DNA dieses Hauses gehört, dass man so etwas macht.“ Zweitens, weil man im „neuen“ Dahringer-Haus auch die Räumlichkeiten für die beabsichtigten Begegnungen hat. Und drittens, weil das Haus jetzt schon gut vernetzt ist, worauf sich aufbauen lässt: Sei es durch die rege Kooperation etwa mit den Schulen in der Nachbarschaft (Carl-Benz-Schule, Hans-Thoma-Schule, Musikschule) oder durch das Engagement von Ehrenamtlichen oder Vereinen im Haus.

Alte Werte neu beleben

Wobei Letztere kein Selbstläufer mehr ist: In immer mehr Vereinen fehlt die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. So wie auch gesellschaftlich das Zusammengehörigkeitsgefühl zu bröckeln scheint. Koch setzt seine Vision dagegen: „Wir müssen das gesellschaftliche Leben auf eine neue Basis stellen, aber mit alten Werten wie etwa Zusammenhalt: Der eine schaut auf den anderen. Wir wollen ein Gemeinschaftsbewusstsein schaffen und den sozialen Zusammenhalt stärken.“ In diesem Zusammenhang könne Quartiersarbeit wichtige Dienste leisten, Koch spricht gerne von „sozialraumorientierter Arbeit“.

Die Ersten sind schon da

Und sieht mit Freude, dass quasi aus sich selbst heraus das Dahringer-Haus bereits zum – genauso gewollten – Treffpunkt geworden ist: Für den Stammtisch älterer Menschen, die sich zum Spiel und Schwatz im Eingangsbereich treffen. Oder für eine Gruppe älterer Damen aus der Umgebung, die jetzt zum Mittagessen ins Haus kommen (das Restaurant im Haus steht allen Externen offen), sich hier gewissermaßen „gefunden“ haben und dann noch deutlich länger über die Essenszeit hinaus zusammensitzen.

Es geht nicht nur um Ältere

Bei Quartiersarbeit geht es indes nicht nur um ältere Menschen. Es geht auch um die allein erziehende Mutter, um Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, letztlich um die gesamte Bevölkerung im Quartier. Ziel soll sein, so Koch, Menschen unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund zusammenzubringen. Zumal, so der Geschäftsführer mit Blick in die Zukunft, man in Zukunft die große Aufgabe, Menschen mit Pflegebedarf zu versorgen, gar nicht mehr anders hin bekomme. Man werde in Zukunft trotz aller Bemühungen nicht mehr ausreichend Pflegefachkräfte für die ständig größer werdende Zahl an Pflegebedürftigen haben. Koch: „Die pflegerische Versorgung muss auf viele Schultern verteilt werden.“

Auf bestehenden Kontakten aufbauen

OB Christof Florus ging in seiner Neujahrsansprache in der Jahnhalle ebenfalls auf das Thema „Entwicklung von Quartieren“ ein: Quartiere seien lebendige soziale Räume, in denen Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen, so Florus in seiner Rede. Für diese Aufgabe braucht es Kooperationspartner: Federführend sind zunächst einmal die Gaggenauer Altenhilfe sowie die Stadtverwaltung mit den Abteilungen Gesellschaft und Familie, Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung. Außerdem werden die im Quartier ansässigen Institutionen wie Kirchen, Glaubensgemeinschaften, Vereine, Kindergärten und Schulen um Mitwirkung gebeten – aber auch Polizei, Feuerwehr und DRK, die ebenfalls „Links der Murg“ angesiedelt sind. „Eigentlich alle im Quartier“, meint Koch. Dabei soll auf bereits bestehenden Kontakten zwischen den Institutionen und Vereinen „Links der Murg“ aufgebaut und diese wenn möglich ausgebaut werden.

Start mit Quartierfest am 25. Mai

Die Quartiersentwicklung mit der Begegnungsstätte Dahringer-Haus soll durchaus „eine Art Modell für Gaggenau“ (Koch), sprich auf andere Stadtteile übertragen werden. Wobei der Geschäftsführer der Altenhilfe betont, dass anderswo je nach Eigenart die Quartiersentwicklung auch anders angegangen werden kann, zum Beispiel mit einem Gemeindehaus als Anlaufstelle oder Begegnungsstätte. Zum Auftakt der Quartiersarbeit ist ein großes Quartierfest am Samstag, 25. Mai, vorgesehen. Hierfür sind die Planungen längst angelaufen. Zu diesem Fest werden alle im Quartier wohnenden Menschen eingeladen, sie sollen ihre Ideen zur Netzwerkbildung einbringen. Denn die Quartiersentwicklung soll nicht den Menschen übergestülpt, sondern es sollen vielmehr ihre Ideen, Anregungen und Wünsche erfragt werden, Koch spricht von einer „Ideenwerkstatt“. Das baden-württembergische Sozialministerium unterstützt das Vorhaben mit Fördermitteln aus dem Programm „Gut beraten“.