Ein Rundgang durch die Ausbildungswerkstatt gehörte zum Programm des Festakts „100 Jahre Ausbildung Mercedes-Benz-Werk Gaggenau“, zu dem am Montag rund 170 geladene Gäste in die Betriebliche Bildung („Bau 66“) kamen.
Ein Rundgang durch die Ausbildungswerkstatt gehörte zum Programm des Festakts „100 Jahre Ausbildung Mercedes-Benz-Werk Gaggenau“, zu dem am Montag rund 170 geladene Gäste in die Betriebliche Bildung („Bau 66“) kamen. | Foto: Mandic

Neue Maßstäbe

Das Benz-Werk in Gaggenau feiert 100 Jahre Ausbildung

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Die Zahlen sprechen für sich: Seit 100 Jahren wird im Benz-Werk Gaggenau ausgebildet, mehr als 10.000 junge Menschen starteten hier ihren Weg ins Berufsleben. Alleine in den vergangenen fünf Jahren investierte Daimler rund drei Millionen Euro in die Ausbildung am Standort; in diesem Jahr sollen weitere 700.000 Euro fließen, primär in neue Schulungsanlagen, modernste IT-Technik sowie in ein neues Industrie 4.0-Modul.

Aktuell werden 295 junge Menschen in fünf technischen und einem kaufmännischen Beruf sowie in drei Dualen Studiengängen ausgebildet. Ab September bietet der Standort zusätzlich die Ausbildung zum IT-Systemelektroniker an.

Wichtige Etappen im Benz-Werk Gaggenau

Von einem „fortschrittlichen Ausbildungsbetrieb“ sprach denn auch Standortleiter Thomas Twork am Montag bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste, die zum Festakt „100 Jahre Ausbildung Mercedes-Benz-Werk Gaggenau“ gekommen waren. Twork stellte wichtige Etappen innerhalb dieses stolzen Jubiläums heraus, etwa die Eröffnung der großen Lehrwerkstatt im Jahr 1952 oder die Inbetriebnahme des neuen Bildungszentrums „Bau 66“ in den 80er-Jahren. Twork sprach auch vom Gaggenauer Bildungswesen als Vorbild für andere Werke im Konzern. „Veränderungsbereitschaft und Pioniergeist stecken in unserer DNA.“

8000 Azubis weltweit

Wilfried Porth, Daimler-Vorstand für Personal, wies gleich zu Beginn seiner Ausführungen auf seine „Ottenauer Wurzeln“ hin und betonte, „immer gerne in Gaggenau zu sein“ – in dem Werk, das von allen Standorten den größten Wandel durchgemacht habe „und das heute total andere Produkte hervorbringt als früher“. Weltweit zähle Daimler mehr als 8000 Auszubildende, in Deutschland seien es rund 6000.

Eine tolle inspirierende Mannschaft.

Der Murgtäler Michael Brecht, der einst seine Ausbildung im Benz-Werk Gaggenau gemacht hat und heute Betriebsratschef ist, sprach vom „Mekka der Berufsausbildung“ und davon, dass Gaggenau oft Maßstäbe und viele Impulse in der gesamten AG gesetzt habe. Eine „tolle inspirierte Mannschaft“, so Brecht, habe aber auch immer einen hohen Sinn für Veränderungen bewiesen. Um den Wandel mitgehen zu können, seien Veränderungs- und Sozialkompetenz sehr wichtig. 85 Prozent der Beschäftigten im Werk Gaggenau, so der Betriebsrat, haben eine hochwertige Ausbildung.

Das Buch zum Jubiläum überreichte Standortleiter Thomas Twork an Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut.
Das Buch zum Jubiläum überreichte Standortleiter Thomas Twork an Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. | Foto: Manidc

Regierungspräsidentin Sylvia Felder sprach aus Sicht eines Schulträgers von der Herausforderung für die Schulen, die Geschwindigkeit der Firmen mitzugehen. Dass die jungen Leute heutzutage zur Berufsfindung mehr Orientierung bräuchten („auch in der Schule“), unterstrich Ingo Zenkner, Leiter der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt. Vizepräsident Heinz Ohnmacht rief das von der IHK Karlsruhe ins Leben gerufene Erfolgsprojekt „Wirtschaft macht Schule“ in Erinnerung, wonach Unternehmen Patenschaften mit Schulen schließen und in die Schulen gehen.

Persönliche Weiterentwicklung

Oberbürgermeister Christof Florus ging auf die Aufgabe einer Kommune ein, die Standortfaktoren zu verbessern und betonte, „dass wir hier im Murgtal alle an einem Strang ziehen“. Aus Stuttgart war IG Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger in seine Heimatregion gekommen, auch er hatte einst im Benz-Werk gelernt; Zitzelsberger unterstrich, dass es in Gaggenau auch immer um die Befähigung ging, sich selbst weiterzuentwickeln.

Ausbildung hat hohen Stellenwert

Die Moderation der Programmpunkte des Festakts oblag mit Magdalena Helmstätter (19) und Loris Strobel (21) zwei aktuellen Daimler-Azubis. Auszubildende machten auch auf sich aufmerksam, als sie mit metallischen Gegenständen aus der Produktion für ein fetziges Musik-Intermezzo sorgten. Am anderen Ende der Altersskala sprach Hubertus Merkel (83), früherer Abteilungsleiter der technischen Ausbildung im Werk, ein emotionales Grußwort zum Festakt. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut betonte, dass für sie die berufliche Ausbildung einen hohen Stellenwert habe.

Zitate

„Wir haben auch 50 Geflüchtete eingebunden, übrigens mit sehr großem Erfolg.

Wilfried Porth, Vorstandsmitglied der Daimler AG für Personal, über die Ausbildungszahlen im Konzern

„Die Ausbildungsquote könnte ein bisschen höher sein.“

Gesamtbetriebsratsvorsitzender Michael Brecht nutzte die Bühne für einen „Wink“ an Wilfried Porth

„Bleibt neugierig!“

Brechts Appell an die Auszubildenden