Noch im Bau ist das neue Thermal- und Bewegungsbecken des Gaggenauer Rotherma. Es wird künftig für Anwendungen der Rheuma-Liga, außerhalb der Kurse aber auch allen anderen Gästen des Thermalbades zur Verfügung stehen. | Foto: Dorscheid

Neues Multifunktionsbecken

Das Rotherma in Gaggenau erweitert sein Angebot

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Wenn voraussichtlich Mitte Februar das neue Thermal- und Bewegungsbecken im Gaggenauer Rotherma fertiggestellt sein wird, soll es für einige Wochen zunächst allen Gästen offen stehen. Denn das Interesse der Besucher, was da seit über einem Jahr hinter der blickdichten Abtrennung im Erdgeschoss entsteht, ist groß, hat Rotherma-Geschäftsführer Wolfram Zahnen registriert.

Erst nach dieser „Schnupperphase“ wird das neue Becken seinem eigentlichen Zweck zugeführt: In Kooperation mit der Rheuma-Liga und den Krankenkassen wird das separat per Transponder (Armband) zugängliche Becken speziell für die Anwendungen der Rheuma-Gruppen zur Verfügung stehen.

Ab 19 Uhr am Abend könne alle Gäste in das neue Becken

Aber nicht ausschließlich. Abends, wahrscheinlich ab 19 Uhr, sowie an allen Samstagen, Sonn- und Feiertagen – also immer dann, wenn keine Therapiegruppen dort sind – wird die neue Anlage allen Gästen als Wellnessbecken zur Verfügung stehen. Und damit die bereits vorhandenen verschiedenen Angebote des Thermalbades noch ergänzen.

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Wachstumsmarkt Rheuma-Anwendungen

Die Anwendungen für Rheumageplagte gelten als Wachstumsmarkt. „Wir haben ausreichende Kapazitäten geschaffen und ein Stück weit in die Zukunft investiert“, sagt Wolfram Zahnen im BNN-Gespräch. Die Nachfrage der Rheuma-Liga sei über die Jahre hinweg kontinuierlich angewachsen, verweist er einerseits auf die Begleiterscheinungen einer älter werdenden Gesellschaft; zudem seien andernorts Hallenbäder aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen worden, was die räumlichen Möglichkeiten der Rheuma-Liga einschränkt und wiederum zu einem Nachfrageschub führt.

Zuschuss aus Stuttgart

Das neue Thermal- und Bewegungsbecken kostet stolze 2,8 Millionen Euro. Kalkuliert hatte man zunächst mit 2,3 Millionen, verweist Zahnen auf die seit der Planungsphase spürbar gestiegenen Baukosten. „Letztlich sind wir aber noch mit einem blauen Auge davongekommen.“ Das Vorhaben konnte erst realisiert werden, nachdem der Zuschussbescheid des Landes über 900.000 Euro aus dem Fördertopf Tourismus vorlag. Im dritten Anlauf(jahr) hatte es mit der Zusage aus Stuttgart geklappt.

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Ambiente zum Wohlfühlen

Über einen behindertengerechten Zugang wird der Gast in das neue rund 100 Quadratmeter große Becken steigen, in dem er sich auf ein Ambiente zum Wohlfühlen freuen darf – mit Bodensprudler, Wasserkanone, Unterwassersitzbank, Massagedüsen und Lichtspielen. Durch die Vollverglasung fällt der Blick hinaus auf die Liegewiese bis hin zum Kurpark.

Das neue Becken ist auf der Fläche des einstigen zweiten (hinteren) Außenbeckens entstanden, das ohnehin nie so richtig von den Besuchern angenommen worden war. Und: „Eine energetische Erneuerung und Verbesserung der Bausubstanz hätte dort ohnehin angestanden“, sagt Zahnen.

Gästewünsche im Blick

Letztlich konnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Eine technische Erneuerung kombiniert mit einer Attraktivitätssteigerung. Letztere hat der langjährige Geschäftsführer ohnehin stets im Blick: Seine „Philosophie“ sei es, stets die Gästewünsche im Blick zu haben – und zwar für den therapeutischen wie für den Wellness-Bereich gleichermaßen.

Auch die große Sauna-Erweiterung mit dem Bau des Sauna-Parks im Jahr 2015 „war rückblickend die richtige Entscheidung. Sie hat sich gut am Markt platziert.“ Als Mitglied im Präsidium des Deutschen Saunabundes kennt Zahnen viele Anlagen – und die aktuellen Trends.

300.000 Besucher im Jahr

Der Geschäftsführer nennt im BNN-Gespräch auch Zahlen: Rund 300.000 Gäste passieren alljährlich die Pforten des Rotherma, das sind durchschnittlich rund 850 am Tag (die Anlage ist täglich geöffnet, mit Ausnahme Heiligabend sowie von zehn Tagen Ende April, wenn die jährliche Wartung ansteht). An Spitzentagen an Wochenenden zahlen bis zu 1.200 Besucher Eintritt. Der Einzugsbereich reicht vom Großraum Karlsruhe bis nach Pforzheim im Osten und Achern im Süden; auch aus dem Elsass reisen viele Gäste an. Von dort wie auch vom Bühler Raum aus werden weiterhin „Bäderfahrten“ angeboten – das sind Busreisen mit vornehmlich älteren Teilnehmern.

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„Kostendeckung nicht möglich“

Die Anlage stets auf dem bestmöglichen Stand zu halten, koste viel Geld, und nicht jede Investition sei für den Kunden sichtbar, betont Zahnen: Etwa die technischen Erneuerungen bei der Wasseraufbereitung und Heizung oder die Anpassungen an veränderte DIN-Kriterien. „Alle technischen Einrichtungen sind auch nach Jahrzehnten auf der Höhe der Zeit“, sagt der Geschäftsführer. Allerdings: „Kostendeckende Eintrittspreise sind am Markt nicht zu erzielen.“ Für 2018 (neuere Zahlen liegen nicht vor) beträgt das Defizit rund 595.000 Euro; unter dem Strich wird die Bilanz der Stadtwerke Gaggenau dank einer 50-prozentigen Verrechnung über die Körperschaftssteuer „nur“ mit der Hälfte, also weniger als 300.000 Euro, belastet.

65 Menschen arbeiten im Rotherma Gaggenau

65 Mitarbeiter, umgerechnet 32 Vollzeitstellen, zählt das Rotherma, in das seit seiner Eröffnung im Jahr 1981 stets in Technik und Themen investiert worden ist. Oder, um es mit Zahnens Worten zu sagen: „Wir haben getan, was notwendig ist – und ein bisschen mehr.“

dpa