Nick Haspinger vom Bundesligisten TVB Stuttgart stand dem Gaggenauer Handball nachwuchs Rede und Antwort. Insgesamt 47 Kinder nahmen am dreitägigen Camp teil. | Foto: Körner

Handballcamp in Gaggenau

Der Profi plaudert aus dem Nähkästchen

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Die Sportvereine im Murgtal stehen vor einer großen Herausforderung: Es fällt ihnen immer schwerer, Nachwuchs für sich zu gewinnen. Wie den Fußballklubs geht es auch den Handballern. „Der Trend ist eindeutig“, hat Holger Lunau beobachtet. Der Jugendleiter der Panthers Gaggenau weiß: Mit 180 Mitgliedern im Alter von drei bis 18 Jahren steht sein Verein noch ziemlich gut da. Leichter wird die Nachwuchsarbeit indes nicht. Die Panthers sind deshalb schon in Kindergärten und Grundschulen präsent, um Kinder für den Handballsport zu begeistern.

Schwierige Jugendarbeit

Dabei sind die Jungen selbst gar nicht das Problem, wie Vorstandsmitglied Rainer Förderer am Rande des Handballferien-Camps in der Rotenfelser Realschulsporthalle erklärt. Er hat vielmehr einen Mentalitätswandel bei den Eltern ausgemacht: „Sie sind egoistischer geworden.“ Die Bereitschaft, ihre Kinder zu Auswärtsspielen zu fahren, habe abgenommen. Lunau macht dafür aber auch die „gestiegene berufliche Belastung“ verantwortlich. Einige Jugendmannschaften müssten bis zu 100 Kilometer zu Spielen fahren: „Vielen Eltern fehlt dafür schlicht die Zeit.“ Um den Nachwuchs trotz aller Widrigkeiten für den Handball zu begeistern, scheut der Verein keine Mühen. Marion Weiß ist hauptamtlich mit der Koordination Schule und Verein betraut. Sie bringt etwa Grundschülern Handball im Rahmen des Schulsports näher.

Bundesliga-Spieler stellt sich Fragen

Offenbar mit Erfolg: Beim in Kooperation mit dem Bundesligisten TVB Stuttgart und der Agentur „CommEvent“ veranstalteten Feriencamp platzt die Sporthalle aus allen Nähten. An drei Tagen erfahren die 47 Kinder hautnah, worauf es beim Handball ankommt. Im Einsatz sind Vereinstrainer, Mitarbeiter von „CommEvent“ – und auch ein Bundesligaspieler: Nick Haspinger (19) vom TVB Stuttgart.
Der Nachwuchsspieler gibt den jungen Handballern Tipps bei ihren Übungen und lässt sich von ihnen bereitwillig Löcher in den Bauch fragen. „Hattest du schon einmal Ärger mit dem Schiri?“, „Ist das viele Training nicht stressig?“ Und: „Wie fühlt es sich an, vor tausenden Zuschauern zu spielen?“, wollen die Kinder wissen. Der Jungstar aus dem Schwäbischen nimmt sich Zeit für den Nachwuchs und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen. Wer den härtesten Wurf im Team habe? „Bestimmt Mimi Kraus“, antwortet Haspinger. Die Kinder nicken, den ehemaligen Nationalspieler kennen sie hier alle.

Wir wollen das Interesse der Kinder am Handball wecken.

Initiator des Camps, das 2019 für Jugendliche von zwölf bis 16 Jahren wiederholt werden soll, ist die Agentur „CommEvent“ aus Kiel. „Wir wollen das Interesse der Kinder am Handball wecken“, erklärt Mitarbeiterin Luise Mittelstätt. Bundesweit organisiert das Unternehmen Camps, das in Gaggenau kostet 119 Euro für drei Tage pro Kind.

In der Halle wird es eng

Bei den Panthers ist man mit der Resonanz zufrieden, steht mittlerweile aber vor dem nächsten (Luxus-)Problem: Weil die Jugendarbeit offenbar auch in schwierigen Zeiten Früchte trägt, wird es in der Trainingshalle oft eng. „Meist trainieren zwei Mannschaften gleichzeitig“, erklärt Marion Weiß. Das heißt: Rund 50 Spieler. Rainer Förderer ergänzt: „In Gaggenau herrscht Hallennotstand. Es wird Zeit, dass sich hier etwas tut.“ Gehe es um Fußball, sei der Gemeinderat investitionsfreudiger. „Handball ist eben noch immer eine Randsportart.“ Mit Aktionen wie dem Feriencamp schicken sich die Panthers an, ihn weiter in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Das Fundament dafür steht bereits.