Im Gaggenauer Rathaus erleben die Verwaltungsmitarbeiter keine so derben Beschimpfungen wie zuletzt in Karlsruhe. | Foto: Hensen

Mehr Beschimpfung in Behörden

Der Ton wird rauer

Von Christiane Krause-Dimmock
Murgtal. Beschimpfungen auf Facebook, Hassmails, Schimpftiraden: Der Wind, der den Verwaltungsmitarbeitern bundesweit um die Nase weht, wird rauer. Doch echte Attacken, die sind im Murgtal bislang nicht vorgekommen. „Wobei es durchaus schon vorkam, dass wir Bürger des Hauses verweisen mussten“, kann sich der Weisenbacher Hauptamtsleiter Walter Wörner allerdings nur an Einzelfälle erinnern. Einmal eskalierte die Wut eines Besuchers sogar so sehr, dass der Erzürnte den Schreibtisch des Mitarbeiters in die Höhe hob so dass tatsächlich Sachschaden entstand. „Wir haben das selbstredend zur Anzeige gebracht. Aber das war ein einmaliger Fall“, sagt er. Zwischenzeitlich sei auch wieder Frieden eingekehrt. „Ein Stück weit scheint es, als leben wir hier schon noch auf der Insel der Glückseligen.“

Früher mehr Akzeptanz

Dass der Ton sich verschärft, das mag dagegen schon der Fall sein. „Der hat sich generell in den vergangenen 15 bis 20 Jahren verändert“, führt er das auf den gesellschaftlichen Wandel zurück, der in den 40 Jahren spürbar wurde, seit er im Öffentlichen Dienst tätig ist. „Das Verständnis für ablehnende Bescheide oder unbequeme behördliche Erlasse hat sich gewandelt. So etwas hat man früher eher einfach akzeptiert.“

In der Regel sehr „nette Bürger“

Auch in Gernsbach gebe keine gravierenden Gründe, um zu klagen, berichtet Stadtsprecher Sven Missal. Zwei-, vielleicht dreimal pro Jahr kommt es schon mal zu verbalen Ausrutschern. Dennoch lebe die Verwaltung vergleichsweise noch in einer Idylle. „Das sind, wie gesagt, eher Ausnahmen.“
Die gibt es auch in Loffenau, lautet die Erfahrung von Nadine Speranza. „In aller Regel haben wir hier jedoch sehr nette Bürger.“ Wenn dann doch mal jemand sauer wird, dann geht es meist ums liebe Geld. „Wenn jemand eine Mahnung erhält und meint, er bekomme die zu Unrecht“, könne es schon mal etwas lauter werden.

Doch über die Drohung, dass man Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen werde, was dann für gewöhnlich nicht der Fall sei, reichen die Erfahrungen nicht hinaus.
Solche unangenehmen Begegnungen – die haben meist die Mitarbeiter des Gemeindlichen Vollzugsdiensts – gibt es auch in Gaggenau selten. Dort ist es relativ friedlich, weiß Pressesprecher Manfred Mayer zu berichten. „Wir können hier in diesen Dingen keine dramatische Verschlechterung verzeichnen“, meint er mit Blick auf die Entwicklungen etwa in Karlsruhe (die BNN berichteten). Frust werde eher abgelassen, wenn es Knöllchen gibt. „Der Gegenwind, den die Mitarbeiter dabei zu spüren bekommen, der ist sicherlich stärker geworden in den letzten Jahren.

Kein Fall wie in Karlsruhe

Eine Erkenntnis, zu der in der Gemeinde Forbach auch Thomas Hudeczek kommt. „Wie in Karlsruhe ist das jedoch auf keinen Fall.“ Doch lautstarke Beschwerden, wenn die Gemeinde versucht, in gut gemeinter Form auf Fehlverhalten hinzuweisen, die kämen durchaus vor. Dass es dabei aber so richtig kracht oder wohlmöglich die Anonymität des Internets gewählt wird, um sich dort Luft zu verschaffen, das habe er selbst noch nicht erleben müssen.