Mutterschutz gilt auch für Bachen und ihre Frischlinge. In Deutschland dürfen Wildschweine seit einiger Zeit das ganze Jahr über gejagt werden, um Ausbruch und Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest vorzubeugen.
Mutterschutz gilt auch für Bachen und ihre Frischlinge. In Deutschland dürfen Wildschweine seit einiger Zeit das ganze Jahr über gejagt werden, um Ausbruch und Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest vorzubeugen. | Foto: Lutz Basedow

Fehlender Absatz für Jäger

Die Corona-Krise beeinflusst auch den Wild-Markt im Murgtal

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Das ganze Jahr über dürfen Jäger Wildschweine erlegen, seit dem 1. Mai außerdem einen Teil des Rot-, Reh-, Dam- und Muffelwilds, junge Kaninchen und Füchse. Normalerweise könnten sie auf die Gastronomie als Abnehmer für ihr Wildbret zählen. Doch die Corona-Krise legt diesen Markt weitgehend lahm. Lohnt sich die Jagd da überhaupt?

„Das muss jeder für sich selbst entscheiden“, sagt der Kreisjägermeister Frank Schröder aus Gaggenau. Einige Jäger, darunter auch er selbst, verwerten den Großteil des Wilds zuhause.

Manche verkaufen außerdem Produkte wie Wurst, Schinken oder Koteletts. „Ich habe eigentlich immer eine Warteliste“, sagt er von sich selbst.

Kreisjägermeister erwartet langfristigen Dämpfer für den Wild-Preis

Doch gerade im gastronomischen Bereich seien der fehlende Absatz und gesunkene Preise durchaus „ein Problem“. Er befürchtet, dass die Corona-Krise sich hier über längere Zeit auswirken wird. Etwa, wenn Restaurants schließen müssen oder aufgrund der Abstandsregeln weniger Kundschaft bewirten können.

„Das ist momentan alles nicht absehbar“, doch „das wird natürlich den Wildpreis drücken“, sagt Schröder. Das trifft zum Einen diejenigen, die fest mit den Einkünften gerechnet haben.

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Populationskontrolle bleibt Pflicht

Zum Anderen stehen Jäger bei einem geringeren Wild-Absatz vor dem Problem, dass sie trotzdem Wildschäden vermeiden und die Populationen kontrollieren müssen.

Gerade Wildschweine sollen sie so bejagen, dass sich die Afrikanische Schweinepest nicht rasant verbreiten kann, wenn sie Deutschland erreicht. Daher stehen sie auch das ganze Jahr über auf der Abschussliste.

Die Viruserkrankung ist für Wild- und Hausschweine oft tödlich. Sie breitet sich seit einiger Zeit über Russland und das Baltikum nach Westen aus. In Belgien und Polen sind schon Fälle gemeldet worden.

Das ist eine wertvolle Tierart.

Jäger Lutz Basedow findet das negative Bild von Wildschweinen zu einseitig.

Die Zahl der Wildschweine ist in den Revieren sehr unterschiedlich. Während ein Jäger aus Forbach derzeit außergewöhnlich wenige Tiere beobachtet, nimmt der Gernsbacher Jäger Lutz Basedow ihre Zahl als „sehr normalisiert“ wahr. „Wie können jagen, wir tun’s auch. Aber es ist nicht mehr so, dass man von ausufernden Beständen reden muss“, sagt er.

Wichtig ist ihm, Schwarzwild nicht nur als Schadens-Bringer zu betrachten. „Das ist eine wertvolle Tierart, wie unsere Fledermäuse und Eidechsen auch.“

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Schutz und Hege gehören zu den Aufgaben der Jäger

Als „echt belastend für einen Jäger“ empfindet Basedow das Thema Mutterschutz. Er nimmt einen Erwartungsdruck von außen wahr, jedes Wildschwein zu erlegen, das vor seine Flinte läuft. Doch Muttertiere seien nicht immer auf Anhieb zu erkennen – aber unbedingt zu schützen.

„Für mich steht Hege im Vordergrund“, sagt auch der Jäger aus Forbach. „Es ist genug zu tun“: etwa Waldwiesen zu mähen, „damit das Wild immer junges Gras äsen kann“.

Bei der Jagd hält er sich derzeit zurück. Nicht zuletzt, weil es an Abnehmern fehlt. Erst im Spätjahr rechnet er mit höherer Nachfrage, gerade von Privatkunden.

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Ausflügler scheuchen Wildtiere auf

Diese Tendenz komme von früher, als Wild noch nicht so leicht zu konservieren war, berichtet Petra Wurz. Sie und ihr Mann jagen in Freiolsheim für den Eigenbedarf und verkaufen, was sie nicht brauchen. Bei ihnen komme nur Wildfleisch auf den Tisch. Zum Beispiel in Form von Würsten vom Metzger oder als Wildschwein-Cordon-Bleu.

Ebenso wie die anderen Jäger wünscht sich Wurz mehr Ruhe für die Waldtiere. Einige Mountainbiker seien abseits der Waldwege oder mit hellen Stirnlampen unterwegs. Spaziergänger ließen Hunde frei laufen.

All das scheuche das Wild auf. Gerade jetzt, in der Setz- und Aufzuchtphase, sei das ein Problem. „Ich kann’s ja nachvollziehen, aber man muss sich auch das Tierwohl überlegen.“

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