Damals und heute: Die Schlechtau in den 1950ern und den 2000ern. | Foto: Gemeinde Weisenbach/Wörner

Holtzmann-Areal im Murgtal

Die große Leere füllt sich mit Leben

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Eine Fischtreppe, Filmdrehs und neue Betriebe: In das frühere Holtzmann-Areal auf Forbacher und Weisenbacher Gemarkung ist in den vergangenen Jahren Leben eingekehrt. Wo in den Siebzigern die Papierindustrie ihre Blütezeit hatte, werden wieder Pläne geschmiedet. Es haben sich Kleinbetriebe angesiedelt, Familien niedergelassen und Leerstände gefüllt. Dennoch ist das 25 Hektar große Areal – das entspricht der Fläche von 35 Fußballfeldern – zwischen Murg und Bundesstraße ein wenig in Vergessenheit geraten. Noch immer stehen dort große Fabrikhallen leer, die an vergangene Zeiten erinnern. An einigen Stellen holt sich die Natur zurück, was einst ihr gehörte. 23 Jahre nach dem Ende der Papierindustrie in der Schlechtau hat der Weisenbacher Hauptamtsleiter Walter Wörner nun die BNN über das Areal geführt. Tenor: Es gibt Hoffnung – aber auch noch viel zu tun.

Auf einmal war der größte Arbeitgeber weg

Die Werksschließung Mitte der Neunziger traf die Region hart: Hunderte Arbeitsplätze gingen verloren. „Auf einmal war der größte Arbeitgeber weg“, erinnert sich Wörner. 1999 begann die Gemeinde Weisenbach, die Schlechtau zu erschließen. Wasser, Abwasser, Strom – die Firma Holtzmann, die 1997 von einem finnischen Unternehmen übernommen wurde, hatte sich stets autark versorgt. Für die Gemeinde wurde die Erschließung daher ein teurer Spaß: Rund 2,3 Millionen D-Mark investierte sie in das Areal.

Regionale Industrie in alten Lagerhallen

Laufende Sanierung: Ein Einlaufwerk der Wasserkraftwerke wird derzeit modernisiert, nebenan entsteht eine Fischtreppe. | Foto: Körner

Mittlerweile sitzt der Weisenbacher Bauhof in der Schlechtau und übt offenbar einen großen Reiz auf Filmemacher aus. „Im Keller wurde für Kino und Tatort gedreht“, erzählt Wörner. Nebenan hat ein Investor die alten Lagerhallen saniert und an die regionale Industrie vermietet, darunter die Firma Katz. Nur einen Steinwurf entfernt, will ein Fuhr- und Baggerbetrieb einen Campingplatz errichten. Derzeit wird die Fläche aufgefüllt, bis Herbst soll der Gemeinderat den Bebauungsplan verabschieden. Für die Obere Schlechtau steht bereits ein Aufstellungsbeschluss, das Ergebnis einer naturrechtlichen Untersuchung wird in wenigen Wochen erwartet. Laut Wörner haben drei Handwerksbetriebe ihr Interesse daran bekundet, sich dort niederzulassen. Denkbar sei indes auch der Wohnungsbau: „Wir sind für alles offen“, sagt der Hauptamtsleiter, „der Gemeinde liegt viel daran, das Areal wiederzubeleben“. Die früheren Arbeiterhäuser in der Fabrikstraße werden wieder bewohnt, in der Koloniestraße sind 30 Eigentumswohnungen entstanden. Die insgesamt sieben Gebäude wurden zwischen 1907 und 1920 erbaut und stehen unter Denkmalschutz. Die Fabrikantenvilla in der Emisau, früher Sitz des Holtzmann-Vorstandes, ist mittlerweile im Besitz einer Unternehmerfamilie. Das 1912 vom Stuttgarter Heinrich Henes erbaute Haus ist ein Blickfang auf einem Areal, das an vielen Stellen noch immer eine Frischzellenkur nötig hat. Ein geschlossener Reifenhandel, eine alte Betriebstankstelle und eine verfallene Imbissbude für Fernfahrer, die nie geöffnet hatte, fristen ein trauriges Dasein.

Bewegung in der Breitwies

Weiter oben, im ehemaligen Werksteil Breitwies, herrscht mehr Betrieb. Dort investieren die Wasserkraftwerke Murg-Breitwies-Schlechtau rund 1,5 Millionen Euro in die Modernisierung eines Einlaufwerkes und den Bau einer Fischtreppe. Zwar bilden eine leer stehende Fabrikhalle und das alte Kraftwerk eine gespenstische Kulisse für die Bauarbeiten an der Murg. Gleichwohl haben sich auch im oberen Bereich der Breitwies Firmen angesiedelt: eine Schlosserei, eine Werbeagentur sowie ein Holzbau- und ein Forstwirtschaftsbetrieb.

Die Breitwies kennzeichnen trotz der Ansiedlung einiger Betriebe noch immer große Leerstände. | Foto: Körner

Offen ist weiter die Zukunft der Industriebrache Wolfsheck, wo die Firma Holtzmann 1995 fast 400 Angestellte beschäftigte. Noch gehört das zehn Hektar große Areal der Karl-Gruppe. Im Frühjahr hatte das bayerische Unternehmen der Gemeinde Forbach ein Verkaufsangebot vorgelegt, das dort derzeit geprüft wird. Mit einer Entscheidung, heißt es aus dem Rathaus, sei zeitnah zu rechnen.