Eines der Kinder an der Merkurschule sitzt im Rollstuhl (Symbolfoto). Es muss seit Schuljahresbeginn die Treppen zu seinem neuen Klassenzimmer hinaufgezogen werden. | Foto: Uwe Anspach/dpa

Schulen in Gaggenau

Die Merkurschule in Ottenau wird barrierefrei

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Wer sich ein Bein bricht oder dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen ist, der hat es derzeit in der Merkurschule noch schwer. Zwar sind der Eingang zum Schulhaus und der erste Stock mittels Rampe und Aufzug erreichbar. Doch ins Unter- und Obergeschoss führen nur Treppen. Ein Drittklässler muss deshalb seit September Tag für Tag mitsamt Rollstuhl zum Klassenzimmer hinaufgezogen werden. Im Februar wird das endlich anders.

Im kommenden Jahr soll ein zusätzlicher Aufzug in Betrieb gehen, der auch den zweiten Stock und das Souterrain erreicht.  Er wird zwischen dem Hauptgebäude der Merkurschule und dem neuen Erweiterungsbau eingefügt. Der Schacht soll bis Anfang November fertig sein. Etwa drei Monate später folgen die Kabine und Türen.

Wir warten sehnlichst.

Der Neubau selbst kann voraussichtlich ab März genutzt werden. In den ersten Wochen wird der Aufzug deshalb voraussichtlich nur vom Altbau aus verwendet.

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„Wir warten sehnlichst“, sagt Rektorin Barbara Fischer. Ursprünglich hatte sie damit gerechnet, den Aufzug noch vor Ende des Jahres in Betrieb nehmen zu können. Das hätte nur wenige Wochen Überbrückungszeit bedeutet: Der Drittklässler wird erst seit dem laufenden Schuljahr im Obergeschoss unterrichtet.

Keine Alternative für den betroffenen Schüler

Nun muss ein Halbjahr überbrückt werden. Eine sinnvolle Alternative gibt es nicht: Die Schulleitung konnte die Klasse nicht einfach in ein anderes Stockwerk verlegen, sagt Fischer. „Der Hausmeister hätte ein komplettes Klassenzimmer umziehen müssen.“

Die Möblierung der Stockwerke ist auf bestimmte Altersgruppen ausgelegt. Das soll unter anderem eine Zusammenarbeit über benachbarte Räume und Klassen hinweg ermöglichen. Diese Praxis der Gemeinschaftsschule lebt von offenen Türen und kurzen Wegen.

Aufzugskabine wird nach dem Innenausbau eingesetzt

Dass die Aufzugsanlage später als vorgesehen eingebaut wird, hat mit einer allgemeinen Verzögerung im Bauablauf zu tun.

Hochbauamtsleiter Jürgen Lauten zufolge ist es erst möglich, die Kabine und Türen einzusetzen, wenn der Innenausbau im neuen Gebäude fertig ist. Solange noch an Decken, Böden und Wänden gearbeitet wird, sei mit Beschädigungen zu rechnen, erklärt er.

Unterricht im Neubau startet, wenn Fluchttreppen stehen

Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung damit gerechnet, dass das Gebäude Mitte Dezember bezugsfertig sein würde. Mittlerweile geht Lauten davon aus, dass der Innenausbau bis spätestens Anfang Februar abgeschlossen sein wird.

Beim Tag der offenen Tür (12. Februar) können Eltern die große Mensa, die neue Lehrküche und die Naturwissenschaftsräume im Obergeschoss mustern.

Bei so einer langen Bauzeit ist das nicht die Welt.

Mit der Nutzung müssen sich Personal und Schüler trotzdem wohl bis März gedulden. Denn die Fluchttreppen und Außenanlagen des Gebäudes können erst gebaut werden, sobald die Winterkälte vorüber ist.

„Aber bei so einer langen Bauzeit“ – 15 Monate waren veranschlagt, nun werden es 18 – „ist das nicht die Welt“, sagt Lauten. Die Verzögerung sei nicht auf schwerwiegende Gründe zurückzuführen – insbesondere nicht auf eine Trödelei des Prüfstatikers, betont er. Diese Annahme sei ein Missverständnis in einer Gemeinderatssitzung gewesen.

Stadt Gaggenau investiert rund fünf Millionen Euro

Vielmehr seien „viele verschiedene kleine Faktoren“ zusammengekommen. Geringfügige Verzögerungen führten dazu, dass nachfolgende Handwerker und Fachleute Aufträge neu in ihren Kalendern eintakten mussten.

Das bedeutete auf der Baustelle keineswegs Stillstand, betont Lauten. Andere Arbeiten konnten parallel weitergeführt werden. Die Stadt investiert rund fünf Millionen Euro in den Ausbau der Schule.

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