Weiter gut nachgefragt: Der Gaggenauer Gabenzaun beim Bahnhof hat sich etabliert als Anlaufstelle für Helfer und Hilfesuchende. | Foto: Krause-Dimmock

Auch nach Corona

Die Nachbarschaftshilfe Gaggenau will ein Verein werden

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Die Nachbarschaftshilfe in Gaggenau bleibt auch in der abklingenden Corona-Pandemie bestehen. Die Mitglieder der Initiative wollen im Herbst sogar einen Verein gründen. Und auch der Gabenzaun hat weiter Bestand.

Von unserer Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmock 

Die Auflagen wurden schrittweise zurückgefahren, Berührungsängste geringer. Man kauft wieder selbst ein, geht ins Café oder ins Museum. Endet damit auch die kurz vor Ausbruch von Corona ins Leben gerufene Nachbarschaftshilfe? „Tut sie nicht“, macht Anke Fichtler klar. Denn echte Nachbarschaftshilfe, die reicht viel weiter als eine Pandemie, wenn man es so betrachten mag.

Angetreten waren engagierte Mitbürger, um sich gegenseitig zu helfen, und zwar in ganz unterschiedlichen Lebens- und Notlagen. Mit dem Gedanken eine solche Initiative anzustoßen, hat sich die selbstständige Mutter von zwei Kinder schon länger getragen. Als die Krankheitswelle nahte, hat Anke Fichtler Nägel mit Köpfen gemacht.

Natürlich ist es jetzt sehr viel ruhiger geworden.

Anke Fichtler, Gründerin der Nachbarschaftshilfe Gaggenau

„Natürlich ist es jetzt sehr viel ruhiger geworden.“ Doch auf der Facebook-Seite der Gruppe tut sich noch immer so einiges, da wird sich gegenseitig im Garten geholfen, Dinge werden verschenkt oder der Hund ausgeführt, wie zuletzt notwendig, als ein Halter einen Beinbruch erlitt. „Ich pushe es aber auch im Augenblick nicht.“ Und die Geschichte mit dem Einkaufen, die sei im Moment erst einmal durch.

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Durch die Nachbarschaftshilfe sind Freundschaften entstanden

Das kann sich vermutlich auch sehr schnell wieder ändern, wenn die Infektionsraten wieder steigen und dadurch der Bedarf wieder wächst. Aber die eigentliche Kernidee der Nachbarschaftshilfe setzt auf Nachhaltigkeit. Klar sei vielen schwer gefallen, um Hilfe zu fragen. Das liege in der Natur der Sache.

Aber auf der anderen Seite hätten sich viele Freiwillige gemeldet, die sich etwa um einen Mitmenschen kümmern mögen und damit auch ihrer eigenen Einsamkeit gekonnt ein Schnippchen schlagen.

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Tatsächlich haben sich über die Nachbarschaftshilfe-Plattform Menschen zusammengefunden, die sich seither regelmäßig treffen, helfen und helfen lassen. Das brauche Fingerspitzengefühl, um das richtige Match zu finden, erklärt Anke Fichtner, die damit auch gleich deutlich macht, dass sie sich keineswegs nur oberflächlich einbringt. Im Gegenteil. Sie ist noch immer aktiv dabei und noch immer ist der Anrufbeantworter geschaltet, auf dem Nachrichten hinterlassen werden können.

Unentgeltliche Hilfe auch jenseits von Corona

Es geht hier um weit mehr als um Corona. „Pensionierte Lehrer helfen Schülern und mehr. Andere helfen den Rollladenkasten zu reparieren oder den Garten zu pflegen und haben auch noch Spaß dabei.“ Das sei es, wo man hinwolle, kleine Dienste erbringen für jemanden, der das nicht selbst oder es sich wirtschaftlich nicht leisten kann. „Vor allem geht es darum, dass das alles unentgeltlich geschieht.“ Wenn alles glatt läuft, dann soll es im Herbst in einen Verein münden. Dann, so hofft die Initiatorin, hat das alles Hand und Fuß.

Ruhiger geworden ist es auch am Gabenzaun, der über Wochen regelrecht geboomt hat. Doch auch hier hat die Geschichte sich – wenn auch verhaltener als zuvor – zu einer Art Selbstläufer entwickelt. „Wir haben uns ein wenig zurückgezogen“, gesteht Canan Kilic, die zusammen mit ihrer Freundin Alica Charles den Anstoß für die gefüllten Tüten am Zaun beim Bahnhof gegeben hatte. Noch immer fahre sie vorbei und schaue nach dem Rechten. Doch das täglich mehrstündige Engagement, um Nahrungsmittel zu organisieren oder sich um warmes Essen für Bedürftige einzusetzen, haben die beiden jungen Frauen zurückgefahren.

Zu Ende ist die Geschichte deshalb noch nicht, hoffen sie auf den Selbstläufereffekt. Und dann ist da ja noch ein klein wenig Geld übrig, welches bei einer der Aktionen eingenommen wurde. „Da lassen wir uns noch etwas einfallen“, lässt Canan Kilic gegenwärtig noch offen.

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Die Nachbarschaftshilfe ist über (0 72 25) 1 83 80 29 zu erreichen.