Mit sinkenden Schülerzahlen muss man sich auch an der Johann-Belzer-Schule in Weisenbach auseinandersetzen. Dem neuen Rektor ist dennoch nicht bange. | Foto: Keller

Neuer Rektor in Weisenbach

„Die Werkrealschule ist nicht tot“

Oliver Hintzen aus Bühl ist neuer Rektor der Johann-Belzer-Schule in Weisenbach. Der Vater dreier Kinder wurde 1976 geboren und war zuletzt Leiter für digitale Fortbildungsangebote an der Landesakademie in Bad Wildbad. BNN-Redakteur Dominic Körner sprach mit Hintzen über dessen wichtigste Projekte, sinkende Schülerzahlen und die Perspektive der Werkrealschule.

Herr Hintzen, seit dem 2. Mai sind Sie Rektor der Johann-Belzer-Schule. Beinahe hätte es schon früher geklappt…

Hintzen: Das stimmt. Bereits nach dem Abschied von Adi Marxer 2015 hatte ich die Stelle im Blick. Meine Bewerbung war schon fertig, als ich an die Landesakademie nach Bad Wildbad berufen wurde. Nachdem Natascha Preuß ihr Rektorenamt abgegeben hatte, habe ich mich schließlich beworben und freue mich nun auf meine Zeit in Weisenbach.

… in der Sie einiges anpacken wollen: Welche Projekte haben für Sie Priorität?

Hintzen: Da ist die offene Ganztagsgrundschule, wo wir die Nachmittagsbetreuung verstärken wollen. Gleichzeitig rückt der Erhalt der Werkrealschule in den Mittelpunkt, die seit der Etablierung der Gemeinschaftsschule aus dem Fokus der Eltern geraten ist. Auch unser Angebot im Bereich Industrie 4.0 wollen wir verbessern.

Wie sehen Sie die Perspektive der Werkrealschule, deren Ruf in den vergangenen Jahren gelitten hat?

Oliver Hintzen ist neuer Rektor der Johann-Belzer-Schule in Weisenbach. | Foto: pr

Hintzen: Eines vorweg: Die Werkrealschule ist nicht tot – trotz aller Unkenrufe. Ganz im Gegenteil: Mit unserem berufsorientierten Bildungsangebot heben wir uns deutlich von anderen Schulformen ab. So haben junge Menschen die Möglichkeit, sich in Theorie und Praxis auf die Berufswelt vorzubereiten.

… dabei arbeiten Sie eng mit Unternehmen aus dem Murgtal zusammen.

Hintzen: Sie bieten unseren Schülern einen Einblick in verschiedene Berufe, ob im handwerklichen, kaufmännischen oder sozialen Bereich. So kooperieren wir etwa mit Daimler und dem Helmut-Dahringer-Haus in Gaggenau. Und das macht sich bemerkbar: Immerhin ein Drittel unserer diesjährigen Absolventen haben eine Ausbildungsstelle im Murgtal bekommen.

Das alles klingt sehr positiv. Sorgen dürften Ihnen dagegen die rückläufigen Schülerzahlen bereiten.

Hintzen: Tatsächlich fehlen einige wenige Anmeldungen, um im kommenden Schuljahr eine eigenständige fünfte Klasse zu bilden. Ein Problem sehe ich darin aber nicht. Die fünften und sechsten Klassen haben einen gemeinsamen Bildungsplan, sodass die Schüler zusammen unterrichtet werden können. Eine Trennung ist nur für die Kernfächer Mathematik, Deutsch und Englisch vorgesehen. Unsere kleinen Klassengrößen sind letztlich ein Vorteil. Bei maximal 21 Schülern kann jeder individuell gefördert werden.

Die überschaubare Schülerzahl dürfte auch mit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung zusammenhängen…

Hintzen: Ganz klar: Die Auswirkungen sind spürbar. Zwar gibt es die Empfehlung noch immer, aber die Verbindlichkeit ist eben nicht mehr gegeben. Manche Eltern ignorieren sie und überfordern ihre Kinder durch die Anmeldung an höheren Schulen. Es kommt immer häufiger vor, dass die Schüler zu siebten oder achten Klasse zu uns wechseln, weil sie dort nicht mehr mithalten konnten. Ich rate Eltern daher dringend, die Grundschulempfehlung ernst zu nehmen. Die Lehrer erleben das Kind im Klassenalltag und können deshalb am besten beurteilen, wie es gefördert werden muss.

Ein Problem, das viele Schüler eint, ist der frühe Unterrichtsbeginn. Forscher betonten immer wieder, dass die Konzentration der Kinder darunter leidet.

Hintzen: Wir denken deshalb darüber nach, den Schulbeginn von 7.30 auf 8 Uhr zu verlegen. Zunächst wollen wir aber die Meinung der Eltern einholen, das ist uns wichtig. Schließlich geht es um ihre Kinder. Aus unserer Sicht ist ein späterer Unterrichtsbeginn auch deshalb sinnvoll, weil wir die einzige Werkrealschule zwischen Kuppenheim und Baiersbronn sind. Die Schüler haben zum Teil einen weiten Schulweg und müssen sehr früh aufstehen.

Eine weitere Baustelle ist das Schulgebäude selbst. Wie geht es hier weiter?

Hintzen: Wir werden in den kommenden Wochen Gespräche mit dem Bürgermeister und dem Gemeinderat führen. Zwischen Schulleitung und Gemeinde besteht Einigkeit darin, dass das Gebäude saniert werden muss. Es existiert bereits eine Machbarkeitsstudie. Ungeklärt ist bislang, wann und in welchem Umfang eine Renovierung erfolgt. Sie hätte für uns auch eine Signalwirkung nach außen. Wir können Eltern sagen: Schaut her, unsere Schule wird nicht vergessen.