Die Tarifauseinandersetzungen 2018 – auf dem Bild ein Streiktag im Benz-Werk Gaggenau – ist vorbei; die Ergebnisse sind jetzt in der Umsetzung. Insbesondere die Option auf zusätzliche freie Tage wird laut IG Metall „total gut angenommen“.
Die Tarifauseinandersetzungen 2018 – auf dem Bild ein Streiktag im Benz-Werk Gaggenau – ist vorbei; die Ergebnisse sind jetzt in der Umsetzung. Insbesondere die Option auf zusätzliche freie Tage wird laut IG Metall „total gut angenommen“. | Foto: Dorscheid

Rekordzahl bei Mitgliedern

Doppelter Grund zur Freude bei der IG Metall

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Doppelter Grund zur Freude bei der IG Metall Gaggenau: Sie vermeldet eine Rekordzahl bei den Mitgliedern und freut sich, dass das Tarifergebnis 2018, das ein Wahlrecht auf zusätzliche freie Tage beinhaltet, zur Zufriedenheit aller sehr gut umgesetzt werde. Ein Ausblick auf die Tarifauseinandersetzungen 2019 und grundsätzliche tarifpolitische Fragen waren weitere Themen der Pressekonferenz der IG Metall am Donnerstag.

Der Mitgliederstand

Ende 2018 zählte die IG Metall Gaggenau in ihrem Zuständigkeitsbereich Mittelbaden exakt 24 017 Mitglieder; das entspricht einem Plus von 100 gegenüber dem Stand zum Jahresende 2017 – und es ist ein neuer Rekord, so die Erste Bevollmächtigte Claudia Peter. Damit ist die IG Metall Gaggenau die viertgrößte Geschäftsstelle in Baden-Württemberg.

Über 14.000 betriebliche Mitglieder

Auch die Zahl der betrieblichen Mitglieder hat zugelegt, sie beträgt jetzt 14.601. Die Beitritte im abgelaufenen Jahr kommen laut Gewerkschaft im Wesentlichen aus der Tarifrunde 2018 sowie aus den betrieblichen Tarifauseinandersetzungen. Größere Abwanderungen hatte es bei den betrieblichen Mitgliedern in der Vergangenheit gegeben, als Firmen wie Diana (Rastatt) oder KWH (Gaggenau) ihre Pforten schlossen. Der aktuelle Zugewinn für das Berichtsjahr 2018 wird geschmälert durch die zwischenzeitliche Abmeldung von Dekra-Leiharbeitern im Benz-Werk Rastatt.

72 Prozent der neuen Azubis sind Mitglied der IG Metall geworden.

Auch beim Nachwuchs sieht es sehr gut aus. Peter: „Im Durchschnitt der von uns betreuten Ausbildungsbetriebe sind 72 Prozent der neuen Azubis Mitglied der IG Metall geworden.“ In den Benz-Werken Gaggenau und Rastatt, bei Maquet, König Metall und Gerstenmaier sei die gewerkschaftliche Organisation sogar noch höher. Im Verhältnis zur Zahl der Azubis gesehen, habe die Verwaltungsstelle Gaggenau die beste Organisationsquote in Baden-Württemberg.

Die Tarifumsetzung

Das Tarifergebnis 2018 der Metall- und Elektroindustrie sah unter anderem ein Wahlrecht auf acht zusätzliche freie Tage im Jahr (statt einer Einmalzahlung) vor. Dieses werde, so Peter, „total gut angenommen“. 3 018 Anträge habe die IG Metall Gaggenau registriert: 2 424 wegen Schichtarbeit, 501 wegen Kindern und 93 wegen Pflege. Es habe nur acht Ablehnungen gegeben.

Unaufgeregt und pragmatisch.

Obwohl die Arbeitgeber- wie auch die Gewerkschaftsseite bisher keine Erfahrung im Umgang mit einer solchen Wahloption gehabt hätten, sei diese „unaufgeregt und pragmatisch“ umgesetzt worden; Peter lobte in diesem Kontext auch die Herangehensweise der Arbeitgeber.

Das Tarifjahr 2019

2019 steht eine Tarifrunde um Löhne und Gehälter im Kfz-Handwerk an, hier gibt es in der Region mit dem Autohaus Gerstenmaier (sieben Standorte) und mit Wackenhut (zwei Standorte) zwei wichtige Betriebe. Verhandelt wird auch bei Textil und Bekleidung sowie in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie (hierzu gehört Ruf-Betten Rastatt).
Aktuelle betriebliche Auseinandersetzungen um Haus- oder Anerkennungsverträge gibt es bei HBPO, Grammer und Evoca (alle Rastatt).

Sonstiges

Diskutiert wird derzeit, ob und gegebenenfalls wie der 40 Jahre alte Manteltarifvertrag für Auszubildende an die Neuzeit angepasst werden soll. Auch die Diskussion über Rente und Rentenlücken, konkret das Betriebsrentenstärkungsgesetz, bleibt für die Gewerkschaft ein wichtiges Thema.