Ende August, rund sechs Wochen nach dem Unfall, lagen noch immer Stofftiere und Blumen an der Unglücksstelle. | Foto: Haendle

Fahrerflucht am 13. Juli

Drei Monate nach tödlichem Unfall in Gaggenau: Ermittlungen abgeschlossen

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Die Ermittlungen zu dem tödlichen Unfall in Gaggenau sind nach fast drei Monaten abgeschlossen. Das hat der Baden-Badener Staatsanwalt Michael Klose auf BNN-Nachfrage bestätigt.

In wenigen Tagen wird die Staatsanwaltschaft mitteilen, zu welchem Ergebnis die Ermittlungen geführt haben und wie es weitergeht – wird der Verdächtige angeklagt und wenn, weswegen? Das dauere deshalb noch, damit der Verdächtige im Fall einer Anklage nicht aus der Zeitung davon erfährt.

Am Abend des 13. Juli waren eine 54-Jährige und ihr erst sieben Monate alter Enkel in der Gaggenauer Goethestraße von einem Auto erfasst worden. Beide starben. Der Fahrer flüchtete, konnte durch ein verlorenes Kennzeichen aber schnell ermittelt werden.

Verdächtiger schweigt

Der Mann schweigt zu den Vorwürfen. Ganz zu Beginn der Ermittlungen habe er sich gegenüber Polizei und Privatpersonen geäußert, seither aber keine weiteren förmlichen Angaben gemacht. Denn: Verpflichtet ist der Verdächtige dazu nicht, erklärt Klose: Jeder habe das Recht, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch zu machen.

Das bedeute aber nicht, dass die Aussagen vor Gericht nicht verwertbar seien, nur weil sie nicht klassisch auf der Polizeiwache zu Protokoll genommen wurden. Jede Äußerung, die ohne Zwang getätigt wurde, werde vor Gericht geprüft.

Juristische Prüfung

Vor etwa drei Wochen habe die Staatsanwaltschaft die von der Polizei abgeschlossenen Ermittlungsakten vorgelegt bekommen. Die galt es dann einer juristischen Prüfung zu unterziehen. „Was sind die Beweismittel und welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus?“, so Klose. In dem Fall sei es auch darum gegangen, ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren und ob der ermittelte Fahrzeughalter überhaupt am Steuer gesessen hatte.

Kein ungewöhnlich langes Verfahren

Dass zwischen dem Unfall und dem Abschluss der Ermittlungen gut drei Monate vergangen sind, ist laut Klose alles andere als ungewöhnlich. „Wir haben Verfahren, die fünf, sechs Jahre laufen“, erklärt er. „Es gab viele Sachen zu ermitteln und viele Gutachten zu erheben“, so der Staatsanwalt weiter: Die Akte habe nicht herumgelegen.

Bei der Prüfung versetze sich die Staatsanwaltschaft gedanklich in die Position des Richters und prüfe so die Verurteilungswahrscheinlichkeit eines Falls. „Die Staatsanwaltschaft ist immer ergebnisoffen“, sagt Klose. Ob und wie Anklage erhoben werde, ergebe sich aus der Aktenlage.

Nicht wie beim „Tatort“

Kommt es zur Anklage und Verhandlung, könne sich auch dann noch vieles ändern. „Es ist nicht so einfach wie beim ‚Tatort‘ am Sonntagabend“, erklärt Klose. Vielmehr unterscheide sich vor Gericht in beinahe der Hälfte der Fällen noch das, was im Polizeiprotokoll steht, von dem, was in der Verhandlung gesagt wird. Etwa, weil ein Verdächtiger seine Aussage widerrufe oder nach langem Schweigen dann plötzlich alles gestehe. „Ein Strafverfahren ist ein dynamischer Prozess“, so der Staatsanwalt.