Katzgarten
Nicht nur die Gernsbacher Bevölkerung, auch viele Auswärtige besuchen den Katz’schen Garten im Sommer gern wegen der vielfältigen Pflanzen und Bäume. Der kleine Park ist eine Oase der Ruhe. | Foto: pr

Katz’scher Garten in Gernsbach

Ein idyllisches Kleinod für die Liebhaber der Natur

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Die chinesischen Hanfpalmen im Katz’schen Garten in Gernsbach haben ihre Blätter gegen die Kälte eingerollt, ihre Wurzelballen sind mit Mulch und Tannenzweigen gut abgedeckt. „Erst wenn es kälter als zwölf Grad minus ist, dann müssen wir die Pflanzen ganz einpacken“, informiert Jürgen Illig. Der Gründer und Leiter des Arbeitskreises Katz’scher Garten schaut regelmäßig nach dem Rechten in dem botanischen Kleinod, gerade jetzt im Winter. „Minus 6,6 Grad waren es heute Nacht“, sagt Illig. „Da ist noch Spielraum.“

Magnolien gehören zu den Ältesten in Deutschland

Etwa 20 Jahre alt und rund fünf Meter hoch sind die Palmen, die – laut Jürgen Illig – die wichtigsten Gewächse in diesem Garten sind. Wichtiger noch, als die Magnolien, die mit einem Pflanzdatum zwischen 1845 und 1850 möglicherweise sogar zu den ältesten in Deutschland beziehungsweise nördlich der Alpen zählen.
Überhaupt ist die Besonderheit dieses kleinen Gartens der alte und wertvolle Baumbestand, der teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammt. Bis heute erhalten sind darin unter anderem eine Sumpfzypresse aus Florida Neben exotischen aber auch heimischen Pflanzen beheimatet der Garten Kunstgegenstände aus der Zeit der Spätgotik, der Renaissance, des Barocks sowie des Jugendstils und wird so auch als kleines Freilichtmuseum wahrgenommen.

Wasserspeier geht im Frühling in Betrieb

Neu für die Besucher wird ab der kommenden Saison ein Wasserspeier sein, dessen Entstehung vor 500 Jahren vermutet wird und der aus dem Freiburger Münster stammen soll. Damit er, wenn der Park ab Frühlingsanfang wieder geöffnet ist, auch funktioniert „haben wir eine Wasser- und Abwasserleitung legen müssen“, berichtet Jürgen Illig. Die Wanne, in die das Wasser fließen wird, stand jahrelang an anderer Stelle im Garten und bekommt erst jetzt ihre wahre Bestimmung. „Vom Stil passen die beiden Teile zwar nicht zusammen – das eine Gotik, das andere Klassizismus – aber diese Mischung hat einen besonderen Reiz“, sagt Jürgen Illig.
Das Gernsbacher Kleinod Katz ’scher Garten ist maßgeblich Johanna Katz zu verdanken. Zwischen 1913 und 1952 sammelte sie für den Garten Steinmetzarbeiten zum Teil aus der Gernsbacher Altstadt und schmiedeeiserne Kunstgegenstände, aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Somit wurde der Garten, der für hohe gesellschaftliche Anlässe und Ereignisse in der Zeit der Hochblüte der Murgschifferschaft bestimmt war, ein Prestigeobjekt der wohlhabenden und einflussreichen Familie Katz.

Garten erlebte Renaissance erst wieder ab 1995

In den 1960er-Jahren wurde der Garten für die Allgemeinheit geöffnet. Dem Zeitgeist entsprechend, wurden Betonplatten verlegt und die ursprünglichen Formen verändert. Dies und der Ausbau der Bleichstraße hätten dem Garten sehr geschadet, heißt es. Dies hätte letztendlich auch dazu geführt, dass die Gäste ausblieben. Der Garten überalterte, die Pflanzen wucherten und die baulichen Einrichtungen verfielen. Eine Renaissance erlebte der Katz’sche Garten in der Zeit zwischen 1995 und 2001. Um die wertvolle Gartenanlage mit ihren Sammlerstücken und Bauwerken für die kommenden Generationen zu erhalten, gründete sich 1995 ein ehrenamtlich tätiger Arbeitskreis: der Arbeitskreis Katz’scher Garten.
„Als wir vor 20 Jahren den Arbeitskreis gegründet haben, war in dem Garten alles überwuchert“, informiert Jürgen Illig. „Das kleine Gartenhaus war komplett mit Efeu überzogen, das Dach war eingestürzt. Man konnte eigentlich gar nicht erkennen, dass dort ein kleines Gebäude steht.“, berichtet Illig.
Der Betrachter habe damals die ursprüngliche Idylle an der Murg aus den glanzvollen Zeiten nur noch erahnen können.

Arbeitskreis kümmert sich um den Garten

Der Garten wurde durch die Hilfe des Arbeitskreises in Zusammenarbeit mit der Stadt Gernsbach aufwendig restauriert und im Juli 2001 wieder öffentlich zugänglich gemacht. Jürgen Illig kennt das kleine Pflanzenparadies an der Murg wie kein Zweiter. Der gelernte Gärtner war Ideengeber und treibende Kraft bei der Restaurierung des Gartens zwischen 1995 und 2001. Die historischen Formen wurden bei der Restaurierung weitestgehend beibehalten. Der Arbeitskreis um Jürgen Illig kümmert sich in Zusammenarbeit mit der Stadt Gernsbach um die Anlage. Allein im vergangenen Frühjahr waren 14 Helfer 285 Stunden im Einsatz, um den Park vom durch den vielen Regen reichlich gesprossenen Unkraut zu säubern,