Sorgenkind Fichte: Die Hitzesommer und der Borkenkäfer setzen dem Nadelbaum stark zu. Weil geschädigte Fichten zuletzt tausendfach gefällt werden mussten, sinken die Preise auf dem übersättigten Markt. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf das Murgtal aus, wo sich Forstbetriebe lange über satte Überschüsse freuen konnten. | Foto: Tobias Hase

Riesige Mengen an Schadholz

Eingebrochener Holzpreis trifft das Murgtal mit Wucht

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Die Schieflage des deutschen Holzmarktes wirkt sich massiv auf das Murgtal aus. Ein Überangebot an Schadholz lässt die Preise abstürzen. Viele Betriebe bangen um ihren Ertrag. Exporte nach Asien sollen den Druck aus dem Markt nehmen. Dabei steht der Murgtäler Forst selbst gut da: In der Region fällt deutlich weniger Käferholz als im Rest des Landes.

Borkenkäfer auf dem Vormarsch

„Wir haben den massiven Preiseinbruch voll abbekommen“, berichtet der Gaggenauer Forst-Bezirksleiter Markus Krebs. Durch die heißen Sommer 2018 und 2019 seien deutschlandweit „riesige Schadflächen“ entstanden. Eine entscheidende Rolle spielt auch der Borkenkäfer: Ist es heiß und trocken, können die von ihm angeflogenen Fichten kein Harz produzieren. Sie sind dem Schädling, der sich in ihre Rinde bohrt, daher schutzlos ausgeliefert. 300 bis 500 Tiere können einer großen Fichte den Garaus machen. Manche Bäume werden von bis zu 10 000 Käfern heimgesucht. Sie sind nicht mehr zu retten.

Die Delle im Holzmarkt wird anhalten.

Um eine Ausbreitung des gefräßigen Insekts zu verhindern, müssen befallene Bäume rasch gefällt und aus dem Wald gebracht werden. Die Transportunternehmen und die Sägeindustrie sind heillos überlastet: „Nur ein Drittel der geschlagenen Fichten kann verarbeitet werden“, erklärt Krebs.
Trotzdem wird zu viel Fichtenholz auf den übersättigten Markt gespült. In der Folge sinken die Preise. Seit 2017 sind sie um die Hälfte eingebrochen. „Die Delle im Holzmarkt wird anhalten“, prognostiziert Krebs und verweist auf seine Erfahrungen nach dem Orkan „Lothar“ 1999: „Damals dauerte es Jahre, bis sich die Preise erholt haben.“

Forstbetriebe fahren auf Sicht

Um den Druck aus dem Markt zu nehmen, fährt man im Murgtal auf Sicht. „Die Forstbetriebe fällen vor allem Bäume, deren Abnahme vertraglich zugesichert ist“, berichtet Krebs. Viele Fichten bleiben derzeit stehen. Die Forstleute haben sich ein Einschlagsstopp auferlegt, oder zumindest Zurückhaltung. In ihrer Not wenden sie sich stärker nachgefragtem Holz zu, etwa der Douglasie. Bereits gefällte Fichten müssen mitunter nach Asien exportiert werden.

Die fetten Jahre sind vorbei

Jahrelang hat der Forst satte Überschüsse abgeworfen. Diese Zeiten sind vorbei: „Wir mussten unsere Prognosen für das laufende Jahr korrigieren“, berichtet Krebs, und auch der Ausblick auf 2020 ist ernüchternd: „Einige Betriebe werden eine schwarze Null erreichen, andere nicht“, warnt er.

Murgtal steht besser das als andere Regionen

Dabei ist die Lage im Murgtal laut Krebs entspannter als in anderen Regionen: „Unser Mischwald ist für Angriffe des Borkenkäfers weniger anfällig.“ Außerdem betreibe man ein intensives Käfermonitoring. Die Bäume werden regelmäßig untersucht – und bei Befall geschlagen. Zwar sei der Schadholz-Anteil an den gefällten Bäumen von zehn auf 30 Prozent gestiegen. Andernorts liege er indes bei nahezu 100 Prozent.

Politik hebt Sonntagsfahrverbot auf

Um das Holz aus dem Wald zu bekommen, weil es sonst Pilze ansetzt, hat die Politik nun das Sonntagsfahrverbot gelockert und das zulässige Gesamtgewicht für Transporte auf 44 Tonnen angehoben. Allerdings wiegen allein die Lastwagen rund 20 Tonnen. „Das wird nicht viel bringen“, sagt Krebs. Aus einer Sicht bleibt den Murgtäler Betrieben beim Einschlag nur eine Strategie: „Weiter bremsen.“

 

Kommentar
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Im Keller

Sturmschäden, Dürre und Insektenbefall: Der Klimawandel setzt dem Wald mächtig zu. Herbstfarbene Blätter im Hochsommer machen das Leiden der Bäume sichtbar.

Leichtes Spiel

Die Forstbetriebe werden mit einer Kettenreaktion konfrontiert, die nur schwer aufzuhalten ist. Die trockene Sommerhitze verhindert eine hinreichende Harzproduktion. Weil dem klebrigen Baumsaft eine wichtige Schutzfunktion gegen Schädlinge zukommt, hat der Borkenkäfer leichtes Spiel: Er frisst sich in die Rinde der geschwächten Bäume – bis sie schließlich absterben. Dadurch gelangt Schadholz in ungeahnten Dimensionen auf den Markt, besonders von der Fichte. Und wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, das ist Wirtschaft-Einmaleins, dann purzeln die Preise in den Keller.

Branche muss umdenken

Doch was dagegen tun? Klar ist: Die Branche muss umdenken, und im Murgtal hat sie das offenbar erkannt. Der Wald der Zukunft ist breiter aufgestellt als bisher, er beherbergt mehr hitzeresisente Arten. Allein: Er braucht auch Zeit zum Wachsen. Veränderungen werden sich nicht von heute auf morgen erreichen lassen, weder im Wald, noch im Kampf gegen den Klimawandel. Kurzfristig bleibt den Forstbetrieben nur die maßvolle Abholzung – und die Hoffnung auf niederschlagsreichere Sommer. Satte Überschüsse sind nicht zu erwarten.