Suchen dringend neue Kollegen: Isabelle Greif und Rebecca Preis gemeinsam mit Gerhard Späth (von rechts) in der Backstube in der Rastatter Kapellenstraße. Insgesamt ist das Team 16 Mitarbeiter stark. | Foto: Friedrich

Bäckerei Späth in Rastatt

Einmal die Woche bleibt der Ofen kalt

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Von Stephan Friedrich

Für Isabelle Greif ist der Konditorenberuf ein Traumjob. „Schon als Kind war ich von Hochzeitstorten begeistert. Dass ich diese nun selbst umsetzen kann, ist für mich eine große Erfüllung“, berichtet die 29-Jährige. Um noch tiefer in das Handwerk einzutauchen wird sie bald auf die Meisterschule gehen. Ihr Chef, Gerhard Späth, unterstützt seine Angestellte dabei nach Kräften. Gleichzeitig ist die Situation für ihn ein großes Problem.

Mitarbeitermangel in der Backstube

Seit Anfang September hat seine weit über Rastatt hinaus bekannte Bäckerei und Konditorei samt Café in der Kapellenstraße dienstags geschlossen. Ein großes Schild am Eingang weißt drauf hin: „Wir haben einfach nicht genügend Personal“, berichtet Gerard Späth im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten. Vor allem in der Backstube fehlen ihm Mitarbeiter. Eine Lehrstelle ist seit langem unbesetzt und auch einen Gesellen oder Meister würde Späth jederzeit gerne einstellen.

Wir haben einfach nicht genügend Personal

Gerhard Späth

Sein Problem: Der Arbeitsmarkt ist wie leergefegt und geeignetes Personal trotz vielfacher Bemühungen nicht zu finden. „Um unsere Mitarbeiter nicht noch weiter zu belasten, haben wir uns schweren Herzens entschlossen, einen Tag in der Woche zu schließen“, erklärt auch Jutta Späth, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Mann seit 1999 führt.

Harter Job mit direkter Resonanz vom Kunden

Aktuell sind bei den Späths 16 Mitarbeiter beschäftigt. Und die Nachfrage nach Torten, Brezeln und süßen Teilchen ist groß. „Wer heute als Bäckerlehrling anfängt, der hat beste Chancen und einen sicheren Arbeitsplatz“, weiß Gerhard Späth und verweist darauf, dass in seiner Backstube noch alles per Hand hergestellt wird. Dies sei zwar arbeits- und personalintensiv, aber „unsere Kunden schätzen die hohe Qualität, von der wir nicht abrücken“, so der Bäckermeister.

Arbeitstag beginnt um 2 Uhr nachts

Die 26-jährige Konditorin Rebecca Preis hat viel Freude an ihrem Beruf und würde sich wünschen, bald eine neue Kollegin oder einen neuen Kollegen zu begrüßen. „Wir sehen jeden Tag, was wir produzieren und bekommen direkte Resonanz von den Kunden“, beschreibt sie ihren Traumberuf. Dass dieser nicht für jeden geeignet ist, verschweigt Gerhard Späth nicht: „Der Arbeitstag beginnt gegen zwei Uhr in der Nacht. Dass ist sicher nicht für jeden optimal.“ Dafür sei im Sommer oft schon am frühen Vormittag Feierabend.

Bäckerei bildet selbst aus

Um seinen hohen Qualitätsstandard halten zu können, setzt Gerhard Späth auf Fachkräfte, die er gerne auch selbst ausbilden würde. „Wenn uns das nicht gelingt, dann geht eine große Tradition irgendwann verloren“, blickt er pessimistisch nach vorne. Denn im Gegensatz zu Bäckereiketten wird bei ihm noch alles von Hand produziert. Das ist eine körperlich anstrengende, aber auch sehr erfüllende Arbeit. „In ein Fitnessstudio muss ich Abends nicht mehr gehen. Das hole ich mir alles in der Backstube“, lacht Gerhard Späth und würde sich freuen, so schnell wie möglich neue Mitarbeiter begrüßen zu dürfen.