Eine neue Konkurrenz könnten die Einkaufsmärkte in der Schwarzwaldstraße künftig auf dem Pfleiderer-Areal erhalten. Nach dem Willen der Stadtverwaltung soll sich dort ein weiterer Vollsortimenter niederlassen. | Foto: Körner

Aus dem Gemeinderat

Einzelhandelskonzept: Die Fronten in Gernsbach bleiben verhärtet

Anzeige

Der Gemeinderat Gernsbach hat die Fortschreibung des Einzelhandelskonzept beschlossen. Es ist die Grundlage für die Ansiedlung eines Vollsortimenters und eines Discounters auf dem Pfleiderer-Areal. Einmal mehr war man sich uneins: SPD und Freie Bürger segneten den Beschlussvorschlag geschlossen ab, die CDU (bei einer Enthaltung) und die Grünen verweigerten ihre Zustimmung.

Gleich bei mehreren Fragen herrschte Dissens: Bedroht ein neuer Vollsortimenter die Gernsbacher Einzelhändler in ihrer Existenz? Wurde ihre Meinung im Einzelhandelsgutachten hinreichend berücksichtigt? Und: Braucht die Stadt überhaupt einen weiteren Einkaufsmarkt?

Kritik der CDU

Starker Gegenwind kam von der CDU: „Wir sehen den Gernsbacher Einzelhandel in seiner Existenz fundamental bedroht“, betonte Fraktionssprecherin Frauke Jung mit Blick auf einen neuen Vollsortimenter auf dem Pfleiderer-Areal – im Gespräch sind Edeka und Rewe. Zudem seien die Händler der Altstadt und des Zentrums im Gutachten der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) nicht ausreichend repräsentiert. Jung: „Acht der 24 befragten Einzelhändler gibt es bereits nicht mehr.“ Die Fraktion pochte auf eine Nachbesserung des Einzelhandelskonzept unter Einbeziehung aller betroffenen Geschäfte.

Aufnahme von Nahkauf

Streit entzündete sich am Thema Nahkauf: Die CDU will ihn in das zentrale Versorgungsgebiet aufnehmen, was die Regionalplanung nach Aussage von Gerhard Beck (GMA) nicht zulässt. Einen entsprechenden Antrag gab Bürgermeister Julian Christ deshalb nicht zur Abstimmung frei: „Das ist rechtlich nicht möglich.“

Existenzbedrohend.

Jung erklärte, laut Gutachten müsse die Betreiberin des Nahkauf mit Umsatzeinbußen von mehr als 20 Prozent rechnen, sollte ihr auf dem Pfleiderer-Areal eine neue Konkurrenz erwachsen. Dies sei „existenzbedrohend“.

Kurze Wege bietet der Nahkauf Gernsbacher Bürgern, die sich mit Lebensmitteln versorgen wollen.
Kurze Wege bietet der Nahkauf Gernsbacher Bürgern, die sich mit Lebensmitteln versorgen wollen. | Foto: Dürr

Grünen gegen Einzelhandelskonzept

Auch die Grünen lehnen das Einzelhandelskonzept ab. Sie befürchten eine erhöhte Verkehrsbelastung durch die neuen Lebensmittelmärkte. „Außerdem glauben wir nicht, dass der Einzelhandel in der Altstadt von ihnen profitiert“, so Thomas Hentschel, „dafür liegt das Pfleiderer-Areal zu weit draußen“. Grüne wie CDU appellierten an ihre Ratskollegen, auch an ältere und weniger mobile Bürger zu denken. Sie seien die Hauptleidtragenden, falls die Altstadt ausblute.

Wir haben deutlichen Nachholbedarf.

Irene Schneid-Horn (SPD) und Uwe Meyer (Freie Bürgervereinigung) betonten dagegen den im Gutachten festgestellten Kaufkraftabfluss in andere Kommunen, etwa Gaggenau, Kuppenheim und Baden-Baden. „Wir brauchen zukunftsfähige Märkte“, sagte Schneid-Horn, „hier haben im Vergleich zu anderen Städten wir einen deutlichen Nachholbedarf“.

Konkurrenz durch Online

Meyer sieht in einem neuen Vollsortimenter die Möglichkeit, „Kaufkraft wieder in die Stadt zurückzuholen und den Einzelhandelsstandort Gernsbach zu stärken.“ Die Hauptkonkurrenz für die kleinen Geschäfte, so Meyer, sei ohnehin der Online-Handel.

Kaufkraft wird weniger

Wolfgang Müller (CDU) entgegnete, im Lebensmittelbereich gebe es keinen Abfluss von Kaufkraft. Walter Schmeiser (FWVG) hat bei den bestehenden Einkaufsläden, etwa in der Schwarzwaldstraße, einen „Sanierungsstau“ ausgemacht. Hier müsse sich dringend etwas tun, und bekanntermaßen belebe Konkurrenz das Geschäft.

Hoffnung auf Kunden

Bürgermeister Julian Christ brachte im Gemeinderat erneut seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sich durch ein größeres Einzelhandelsangebot die Verweildauer von Auswärtigen in der Stadt verlängere, wovon letztlich auch die kleinen Händler profitierten. Im Zuge der öffentlichen Auslegung hatte sich bereits der Gewerbeverein zum Einzelhandelskonzept geäußert und es grundsätzlich begrüßt (die BNN berichteten).

Mehr Chancen als Risiken.

Man sehe in ihm „mehr Chancen als Risiken“. In der Stellungnahme des Vereins heißt es: „Unstrittig ist, dass die vorhandenen Verkaufsflächen sowohl im Lebensmittel- als auch im Non-Food-Bereich unter dem Durchschnitt vergleichbarer Städte liegen.“