Dynamisch präsentierte sich der frisch gewählte künftige Bürgermeister Julian Christ auf der Rathaustreppe. Noch-Bürgermeister Dieter Knittel (links) hatte zuvor das Ergebnis verkündet. | Foto: Keller

Bürgermeisterwahl Gernsbach

Erdrutschsieg für Julian Christ

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Der neue Bürgermeister der Stadt Gernsbach heißt Julian Christ (SPD). Der 30-jährige Regierungsrat im baden-württembergischen Innenministerium konnte nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 83,6 Prozent oder 5 216 der insgesamt 6 242 gültigen abgegebenen Stimmen für sich verbuchen.

Erstes Teilergebnis löst Jubel aus

Schon nach der Auszählung des ersten Ortsteils Reichental, in dem Julian Christ über 90 Prozent der Stimmen erhielt, brandete der Beifall bei seinen Unterstützern im Gernsbacher Rathaus auf. Christ ließ seine Mitbewerber um das Bürgermeisteramt weit hinter sich. Sabine Geiger (parteilos) konnte nur 75 Stimmen oder 1,2 Prozent für sich verbuchen, Stefan Freundel (parteilos) gaben 570 Gernsbacher ihre Stimme (9,1 Prozent), bei Birgit Gerhard-Hentschel (Grüne) machten 334 Wahlberechtigte ihr Kreuzchen (5,4 Prozent) und nur 31 Wählerinnen und Wähler (0,5 Prozent) votierten für Markus Krajnc (Die Partei).

Volksfeststimmung mit Badnerlied

Nach Bekanntgabe des vorläufigen Ergebnisses durch Bürgermeister Dieter Knittel herrschte auf dem Rathausplatz Volksfeststimmung, die Stadtkapelle Gernsbach spielte auf und auch das Badnerlied, von allen mitgesungen,  durfte an diesem ereignisreichen Tag nicht fehlen. Landrat Jürgen Bäuerle gratulierte dem frisch gewählten Bürgermeister und auch aus den Nachbarkommunen fanden sich eine Reihe von Kollegen ein, unter ihnen der Weisenbacher Bürgermeister Toni Huber, der mit den Worten „Ich möchte mal schauen, wen ich als Kollegen kriege“, das Gernsbacher Rathaus betrat; der Gaggenauer OB Christof Florus bemerkte, dass jetzt die jüngere Generation politische Verantwortung übernehme.

„Nachholbedarf in Gernsbach“

Schon kurz vor Schließung der Wahllokale um 18 Uhr strahlte Julian Christ Zuversicht aus, „dass es heute Abend zu einem Ergebnis kommt.“ Dennoch war er überrascht und glücklich zugleich, dass sein Sieg so deutlich ausgefallen war. SPD-Gemeinderätin Irene Schneid-Horn, die im Rathaus Stimmen auszählte, ahnte den Wahlausgang relativ bald: „Als wir angefangen haben auszuzählen, hat sich in den ersten zwei Minuten abgezeichnet, wie es ausgehen wird.“ Für CDU-Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete Sylvia Felder war das Ergebnis nicht unerwartet. „Ich hoffe, dass sich in Gernsbach jetzt was tut. Da haben wir einigen Nachholbedarf. Ich wünsche mir, dass der neue Bürgermeister das in den Griff kriegt.“

Enttäuschte Mitbewerber

Enttäuschung bei Mitbewerberin Sabine Geiger. Sie war „mit einem guten Gefühl“ in die Alte Amtsstadt gekommen, meinte nach den ersten Auszählergebnissen allerdings, dass sie „die ganze Sache wohl falsch eingeschätzt“ habe. Birgit Gerhard-Hentschel zeigte sich nicht so sehr enttäuscht: „Wenn das Ergebnis so klar ist, dann muss es einem nicht wehtun, zu verlieren. Ich hatte mir erhofft, dass mehr Bürger nachdenklich sind. Aber das ist eben Demokratie.“ „Hauptsache, wir haben ein Ergebnis“, nahm Stefan Freundel den Wahlausgang mit Humor. Enttäuscht wäre er gewesen, wenn er gar keine Stimme erhalten hätte, sagte er. Allerdings: „Gemessen wird immer am Ende des Rennens und das ist in acht Jahren.“
Nicht aus Trotz, aber um Irritationen erst gar nicht aufkommen zu lassen, kündigte Freundel an, auch zukünftig der ersten Reihe der Bürgerinitiative „Giftfreies Gernsbach“ fernzubleiben. Er werde weiter dort mitarbeiten, allerdings nicht mehr als Sprecher der Initiative.

Hier unser Live-Ticker vom Wahlabend: