Begeisterte Chemiker: Nicolas Mußler (links) und Marcel Rickers blicken auf die Destillationsapparatur im Chemielabor des Gaggenauer Goethe-Gymnasiums. Die beiden Schüler haben ein alternatives Verfahren zur Ethanolgewinnung entwickelt, das sie am Donnerstag bei einem Kongress in Straßburg präsentieren.
Begeisterte Chemiker: Nicolas Mußler (links) und Marcel Rickers blicken auf die Destillationsapparatur im Chemielabor des Gaggenauer Goethe-Gymnasiums. Die beiden Schüler haben ein alternatives Verfahren zur Ethanolgewinnung entwickelt, das sie am Donnerstag bei einem Kongress in Straßburg präsentieren. | Foto: Körner

Schülerkongress in Straßburg

Erste Versuche mit Küchenwaage und Schnapsglas

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Nicolas Mußler und Marcel Rickers haben am Donnerstag ihren großen Auftritt: Beim Trinationalen Schülerkongress der Naturwissenschaften in Straßburg präsentieren die beiden Gaggenauer ein Verfahren zur Ethanolentwicklung aus Baumwolltextilien.

Damit hatten sich die Goethe-Gymnasiasten im Rahmen ihrer Facharbeit befasst. Note: 1,0. Im Kleinen hat sich ihre Methode bewährt – ob sie wirtschaftlich und damit massentauglich ist, muss sich noch zeigen.

Wissenschaftler aus Gaggenau

Bio-Ethanol wird als Kraftstoff, in Lösungsmitteln und in der Medizin verwendet. Im konventionellen Verfahren wird es aus Getreide gewonnen. Das Problem: Dadurch steigen die Preise für das wichtige Lebensmittel, und es werden große Anbauflächen benötigt. Hier setzen die Naturwissenschaftler vom Goethe-Gymnasium an. Nicolas Mußler und Marcel Rickers haben ein alternatives Verfahren entwickelt, das auf Baumwolle als Ausgangsstoff basiert.

Schüler produzieren Ethanol aus Shirts

Im Häcksler zerkleinert, wird sie in einen Reaktor gegeben. Die daraus gewonnene Glucose bringen die Schüler – wie bei der Bierherstellung – mit Wasser und Hefe zum Gären. Im Anschluss wird das Gemisch mehrfach destilliert, absolutiert und so das Ethanol herausgefiltert. „Die Baumwolle ist als Ausgangsstoff hervorragend geeignet, weil sie Cellulose enthält“, erklärt Nicolas, „und deren Stärke ähnelt im Aufbau der von Getreide“. So könne man Ethanol aus alten T-Shirts produzieren, die andernfalls in der Kleidersammlung landeten.

Verfahren für Industrie

„Technisch ist unser Verfahren auch für die Großindustrie realisierbar“, ist Marcel überzeugt, „wenn es sich rechnet“. Und daran hakt es (noch). „Zur Gewinnung von Cellulose sind teure Enzyme erforderlich“, räumen die Schüler ein. Nach ihren Angaben kosten 25 Gramm rund 100 Euro, für die Ethanol-Produktion aus einem T-Shirt werden alleine vier Gramm benötigt.

Es existiert nur wenig Fachliteratur.

„Alternativ könnte man die Cellulose aus Schimmel gewinnen“, erläutert Nicolaus, „er vermehrt sich unter bestimmten Bedingungen von alleine“. Bei der Recherche wurde den beiden Elftklässlern schnell bewusst, dass es sich um ein kaum erforschtes Gebiet handelt: „Es existiert nur wenig Fachliteratur“, sagt Marcel, „und wenn, dann auf Englisch“.

Schüler tüfteln Zuhause

Zunächst tüftelten die Schüler zu Hause an ihrem Projekt, „mit Küchenwaage und Schnapsglas“, wie sich Nicolas schmunzelnd erinnert. Später experimentierten sie im Chemielabor des Goethe-Gymnasiums, wo sie auf die Unterstützung ihrer Lehrer Holger Unseld und Jürgen Schneider zählen konnten.

Zweisprachige Präsentation

Die Präsentation beim Trinationalen Schülerkongress, wo sie eine Dampfmaschine mit ihrem Bio-Ethanol antreiben wollen, halten Nicolas Mußler und Marcel Rickers neben Deutsch auch auf Französisch. Den fremdsprachlichen Fachtext hat Nicolas, dessen aktueller Notendurchschnitt unter 1,0 (!) liegt, selbst verfasst: „Die Französischlehrerin schaut nochmal drüber.“

Unser Antrieb ist die Freude an Chemie.

Übrigens: Ein Patent haben die Schüler für ihr Verfahren bislang nicht angemeldet. „Ich glaube nicht, dass es dafür revolutionär genug ist“, schwächt Nicolas ab, und Marcel betont: „Wir haben keine wirtschaftlichen Absichten. Unser Antrieb ist die Freude an der Chemie.“

Der Schülerkongress in Straßbourg

Der Trinationale Schülerkongress der Naturwissenschaft und Technik findet am Donnerstag, 24., und Freitag, 25. Januar, im Erlebnis-Technik-Museum Le Vaisseau in Straßburg statt, die Präsentation von Nicolas Mußler und Marcel Rickers am Donnerstag, 13.10 bis 13.25 Uhr. Er bietet mehr als 140 Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz die Gelegenheit, ihre Schulprojekte vorzustellen. Sie werden sowohl im Hörsaal als auch auf dem „Marktplatz der Möglichkeiten“ an mehr als 30 Ständen präsentiert. Dort können sich Besucher über die Projekte informieren und gemeinsam mit den Schülern darüber diskutieren.
Naturwissenschaftler aus Universität und Wirtschaft gewährend den Kongressteilnehmern Einblicke in ihren Werdegang und ihre Forschungsprojekte. Ziel ist es, die Schüler für das Arbeitsfeld zu begeistern, Sprachbarrieren abzubauen sowie Kontakte, Austausch und Freundschaft grenzüberschreitend zu fördern. Grußworte sprechen am Freitag ab 10 Uhr Frédéric Bierry, Präsident des Departementalrates Bas-Rhin, und Volker Schebesta, Staatssekretär im baden-württembergischen Kultusministerium. Zu den Veranstaltern zählt neben dem Kultusministerium unter anderem das Regierungspräsidium Freiburg.