"Mit vielen kann man reden, aber längst nicht mit allen", lautet die Erfahrung von Robert R. aus seinen Kontakten auf der Straße. Er ist einer von drei Vollzeitbeschäftigten, die den ruhenden Verkehr in Gaggenau kontrollieren. | Foto: Dorscheid

BNN beim Kontrollgang dabei

„Erzählt wird immer das Gleiche“

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Drei Vollzeitkräfte und vier Hilfskräfte kontrollieren in Gaggenau den ruhenden Verkehr und machen an verschiedenen Stellen Geschwindigkeitskontrollen. Die BNN haben einen städtischen Bediensteten auf seiner Tour durch die Innenstadt begleitet.

Da muss wohl jemand den Werbespot, wonach ein Smart auch in die kleinste Lücke passt, gründlich missverstanden haben. In der Tat steht der Smart auf einer recht beengten Fläche, erkennbar an der Bodenmarkierung, in die sonst kaum ein Pkw hineinpassen dürfte – nur, es ist keine Parkfläche mehr. Die Beschilderung hier in der Gaggenauer Hauptstraße in Höhe AOK ist eindeutig: Der Smart wurde verbotener Weise auf dem Gehweg abgestellt. Das macht 20 Euro. Ordnungsamtsmitarbeiter Robert R. zückt sein Smartphone, tippt Kennzeichen und die Tatbestandsnummer ein, klemmt die gelbe Ankündigungskarte der Verwarnung hinter die Scheibenwischer, macht zwei Beweisfotos und weiter geht es. Die BNN haben den städtischen Bediensteten auf seiner Tour durch die City begleitet.

Unfreundlicher Auftritt

Nur wenige Meter weiter in der Hauptstraße zeigt sich ein junger Mann uneinsichtig: Die dort zulässige Parkzeit von einer Stunde wurde, wie der Blick auf den Parkschein hinter der Frontscheibe beweist, fast um eine halbe Stunde überschritten. Der Fahrer des sportlichen Mercedes erscheint mit einem zweiten Parkschein, was ihm nichts nutzt, dennoch will „er verhandeln“ („Ich bin im Handyladen dort vorne kann doch nicht wegrennen“) und reagiert letztlich unbeherrscht auf die ruhigen Worte des Ordnungsamtsmitarbeiters, wonach an dieser Stelle die Parkzeit aus gutem Grund auf eine Stunde beschränkt ist und für eine längere Parkdauer die Tiefgarage zur Verfügung steht, bevor er mürrisch geht. Um das Knöllchen kommt er nicht herum.

Unbelehrbare in allen Altersklassen

Kommen solche Auftritte öfter vor? „Leider ja“, sagt R., einem Kollegen wurden schon mal Prügel angedroht. Auch bei Beleidigungen hört der Spaß auf. „Pissgesicht“ hat jüngst ein Zeitgenosse ausgestoßen, diesen erwartet jetzt ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft. R. sagt aus Erfahrung: „Mit vielen kann man reden, aber längst nicht mit allen. Da bringt es dann auch nichts, länger zu diskutieren.“ Die Unbelehrbaren, weiß er aus Erfahrung, gibt es übrigens in allen Altersklassen. Drei Vollzeitkräfte des Ordnungsamtes kontrollieren immer im Wechsel den ruhenden Verkehr in der Innenstadt, in den Stadtteilen oder sind in der Geschwindigkeitsüberwachung eingesetzt, erklärt Amtsleiter Dieter Spannagel das rollierende System.

Brennpunkt Bahnhofsplatz

Hinzu kommen vier 450-Euro-Kräfte, die erst vor Kurzem eingestellt worden sind. Denn Gaggenau will nicht nur Raser verstärkt zur Räson bringen und deshalb mehr Anzeigetafeln und Radargeräte anschaffen, sondern auch die Brennpunkte des ruhenden Verkehrs besser in den Griff bekommen.
Zu Letzteren gehört an erster Stelle der Bahnhofsplatz samt Umgebung. Sehr beliebt, vor allem abends und an Wochenenden: Junge Männer stellen ihren Hochglanz-PS-Protz in der Busbucht ab – man will ja zeigen, was „Mann“ hat. Ist allerdings verkehrsbehindernd, Busse mussten deshalb schon auf der Straße stehen, nicht ohne Grund wird ein Knöllchen über 35 Euro fällig.

Es wird durchaus ein Auge zugedrückt

Wer auf Parkflächen mit Parkscheinregelung einfach nur – wissentlich oder versehentlich – die Parkscheibe aufs Armaturenbrett legt oder gar nix hinterlässt, zahlt zehn Euro. 15 bis 30 Euro werden fällig, wenn die Zeit auf dem hinterlegten Parkschein überschritten worden ist. „Ihr lauert ja nur auf unsere Fehler“, spricht eine Dame mittleren Alters den Mann vom Ordnungsamt in der Hauptstraße an. Diesen Vorwurf hört Robert R. nicht zum ersten Male, kann ihn schnell entkräften. „Erzählt wird immer das Gleiche“, sagt R. Etwa, dass man ja nur mal ganz schnell … Dabei lassen die Kontrolleure die Kirche im Dorf: Ist der Parkschein beim Kontrollgang nur um wenige Minuten abgelaufen, wird durchaus ein Auge zugedrückt und nicht umgehend zum Handy gegriffen, versichert R.

Tricks sind bekannt

Kontrolliert wird der öffentliche Raum – mit einer Ausnahme: Auch das Parkdeck der Sparkasse wird einbezogen; schließlich ist ein Teil dort allgemein zugänglich und es gibt ein Abkommen zwischen Stadt und Sparkasse; letztere zahlt für den Personalaufwand der Stadt. Auch die kleinen Tricks sind den Bediensteten natürlich bekannt: Man kommt eben nicht damit durch, das Parkticket so gefaltet zu hinterlegen, dass es von außen nicht lesbar ist. Auch hier wird ein Verwarnungsgeld fällig – es sei denn, der Betroffene kann beim Ordnungsamt im Haus Elisabeth ein zum Kontrollzeitpunkt gültiges Parkticket vorlegen.