Gut Lachen haben diese beiden Gesellen des Künstlers Guido Messer vor dem Gaggenauer Rathaus. Hinter den Türen ist die Stimmung weniger rosig, denn es gibt viele Posten, die nur schwer zu besetzen sind, weil sich keine Bewerber finden. | Foto: Hensen

Fehlende Bewerber in Gaggenau

Fachkräftemangel erreicht das Rathaus

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Die in vielen Unternehmen spürbare Fachkräfteknappheit hat auch das Gaggenauer Rathaus erreicht. „Es fällt uns zunehmend schwerer, geeignete Bewerber für offene Stellen zu finden“, heißt es von Seiten der städtischen Pressestelle. Bei einigen Stellen sei es schwer, überhaupt Bewerber zu finden. So kann die Stadt die Leitungsstelle der Hochbauabteilung noch immer nicht besetzen. „Wir mussten die Ausschreibungsfrist bereits zweimal verlängern. Aber noch immer hat sich kein Bewerber gefunden“, erläutert Stefan Houbertz, Leiter des Personalwesens. Auch für die ausgeschriebenen Stellen des gehobenen Dienstes im Finanzbereich sieht es mau aus. Zwei offene Stellen konnten zwar mittlerweile besetzt werden, dennoch gebe es weitere Vakanzen. Grund sei hier vor allem die Umstellung auf das neue Haushaltsrecht, was den Personalbedarf in allen Kommunen erhöht, so Houbertz. „Hinzu kommen hohe Fluktuationen, die eine verlässliche Planung erschweren.“ In Gaggenau bereite man die Umstellung des Haushaltsrechts, wie vom Land vorgeschrieben, derzeit in einer Projektgruppe vor, erläutert der Personalleiter. Rund 350 Mitarbeiter beschäftigt die Stadt Gaggenau aktuell, darunter sind neben reinen Verwaltungsangestellten die meisten Stellen von Erziehern und Lehrern besetzt; die wenigsten Mitarbeiter sind im gehobenen Dienst tätig. Weitere 100 Mitarbeiter sind bei den Stadtwerken angestellt. Gerade die Erzieherinnen sind in der Benz-Stadt Mangelware. „Vor zehn Jahren gab es noch viele arbeitslose Erzieherinnen, heute können sie sich die Stellen aussuchen.“ Auch Hausmeister für die städtischen Einrichtungen zu finden, sei eine Herausforderung.

Konkurrenz zur freien Wirtschaft

Die Gründe sind vielfältig. So stehen Kommunalverwaltungen in direkter Konkurrenz zur freien Wirtschaft, die oft deutlich höhere Gehälter zahlt. Die Kommunen seien an das Tarifrecht, beziehungsweise die Beamtenbesoldung gebunden, und die ist Sache des Bundes. Trotz gleicher Bezahlung ziehen viele Bewerber größere Städte wie Rastatt oder Baden-Baden vor, weiß Houbertz. Auch die Wohnortnähe spiele eine Rolle. Ein weiteres Problem: Die Hochschule Kehl, von denen die Stadt Gaggenau viele neue Mitarbeiter rekrutiert, bildet weniger junge Leute aus als in den Verwaltungen der Kommunen gebraucht werden, sagt der Personalchef. Die Hochschule habe schlichtweg nicht genügend Kapazitäten.
Mit einem Bündel von Maßnahmen geht die Gaggenauer Verwaltung nun in die Offensive: Sie will nicht nur verstärkt selbst ausbilden – derzeit beschäftigt sie zehn Azubis –, die Stadt will vor allem die Arbeitsbedingungen attraktiver gestalten und verstärkt für sich als Arbeitgeber werben. Dazu hat die Stadt im September vergangenen Jahres eigens die Stelle des Personalentwicklers geschaffen, bekleidet von dem Diplom-Psychologen Dominik Matz. Er soll unter anderem für eine bessere Außenwirkung sorgen, steht aber auch den Mitarbeitern für persönliche Beratungen zur Verfügung.

Kooperation mit Hochschule Kehl

Geplant ist auch eine Kooperation mit der Hochschule Kehl. In einem Pilotprojekt sollen dieses oder nächstes Jahr die beiden Bachelor-Studiengänge BWL öffentliche Wirtschaft sowie Bauwesen (öffentliches Bauen) angeboten werden. Anders als bei dem üblichen dualen Studium sind die Studenten dadurch vom ersten Tag an bei den städtischen Behörden im Einsatz. „Wir wollen die Studenten so frühzeitig an uns binden“, erläutert Houbertz das Ziel des Projekts. Darüber hinaus soll die Arbeitszeit flexibler gestaltet werden können, so sei eine hohe Nachfrage nach Samstagsarbeit, so Houbertz. Auch Heimarbeit oder Arbeiten im Freien („flexibles Büro“) könnte die Stadt ihren Mitarbeitern bald anbieten. Ebenso im Gespräch: ein Mutter-Kind-Büro, in das Mitarbeiter ihre Kinder, etwa im Krankheitsfall, mitnehmen können. Auch ein Jobticket soll jetzt, da es keine Mindestabnahmepflicht seitens des KVV gibt, angeboten werden. „Wir wollen außerdem unser Fortbildungsangebot verstärken“, betont Houbertz.

Der Gesundheitstag für die städtischen Mitarbeiter, der alle zwei Jahre (seit 2014) angeboten wird, war in diesem Jahr ein voller Erfolg, freut sich der Personalleiter. „Einziger Wermutstropfen ist die fehlende Kantine. Aber auch an einem Essensangebot arbeiten wir“, versichert er. „Wir müssen die weichen Faktoren stärken, um für Bewerber attraktiver zu sein“, sagt Houbertz und ist überzeugt: „Wir sind auf einem guten Weg.“