Bereitwillig ießen sich die Gaggenauer Feuerwehrmänner in voller Montur von Luca abtasten. Sie erfüllten ihm und seinem Bruder (Mitte) einen großen Wunsch. | Foto: Bracht

Besuch der Gaggenauer Wache

Feuerwehr erfüllt dem kleinen Luca einen Herzenswunsch

Von Michael Bracht

Einen ganz besonderen Weihnachtswunsch erfüllte die Gaggenauer Feuerwehr einem blinden Jungen. Vor drei Jahren hatte der heute zehnjährige Luca ein traumatisches Erlebnis. Vor seinem Elternhaus in Bad Rotenfels brannte ein Kiosk in der Nacht lichterloh. Das Haus der Familie musste evakuiert werden und die ganze Familie konnte erst Stunden später das Haus wieder betreten. Während dieser Zeit ist die Familie von der Feuerwehr betreut worden. Nun ist Luca älter geworden und ein großer Wunsch ist mit ihm mitgewachsen – ein Besuch bei der Feuerwehr, wie die hiesige Feuerwehr kurz vor Weihnachten erfahren hatte. Dieser Wunsch sollte nicht länger ein Wunsch bleiben, sondern bald umgesetzt werden, war die spontane Reaktion bei den Verantwortlichen der Wehr. Für diese war das eine Ehrensache und selbstverständlich. Gleich nach Weihnachten wurde ein Treff im Rettungszentrum ausgemacht.

Der Zehnjährige und sein Bruder sind beide blind

Stunden vorher war Luca bereits aufgeregt, denn er hat noch nie eine Feuerwache von innen gesehen. So kam er mit seinen Eltern und seinem 28-jährigen, ebenso erblindeten Bruder Dennis, ins Rettungszentrum. Vorweg gesagt, aus einem geplanten zweistündigen Besuch wurden über drei Stunden. Der überaus kluge und muntere Luca hatte Fragen über Fragen. Und die sechs extra anwesenden Feuerwehrangehörigen hatten die notwendigen Antworten. Besonders wissensdurstig war er bei den Themen Funk und alles was mit einem PC zu tun hatte. Kein Wunder, denn sein Bruder arbeitet in der Entwicklung bei SAP. So kamen natürlich auch Fachgespräche über die EDV auf. Aber auch die Fahrzeuge und die darin befindlichen Geräte imponierten den Brüdern. Ohne Müde zu werden, wurde die Feuerwehr gefühlt und abgetastet. Schläuche, Schere und Spreitzer, Atemschutzgeräte, Schutzkleidung der Einsatzmannschaft, Drehleiter – alles war für die beiden hoch interessant.

Wehr-Angehörige werden ertastet

Aber auch die Methoden, wie Schläuche gewaschen und geprüft werden. „Das ist aber eine lange Badewanne“, meinte Luca beim Abtasten und Ablaufen des Schlauchtroges. Die Arbeit und die Struktur einer Feuerwehr wurde ihnen genauestens erklärt. Von dem zehnjährigen Luca kamen aber auch Anregungen, wie etwa der Hinweis, dass Windows 7 doch längst veraltet sei. Am Ende war für Luca klar: „Ich will eine Feuerwehrfrau später einmal, dann kann ich ab und zu auch in Feuerwehrautos mitfahren“.
Nun fühle sich der Junge und seine Familie sicherer, und sein sehnlichster Wunsch sei in Erfüllung gegangen. Gegenüber seinen Mitschülern in einer Blindenschule hat er nun einen deutlichen Wissensvorsprung. Luca könne sie jetzt über alles informieren, „wie eine Feuerwehr funktioniert und wie cool es bei denen abgeht“.