Auf 37 000 Quadratmetern verarbeitet die Firma Rahner Kiefernholz im Bad Rotenfelser Industriegebiet. Zu ihren Kunden zählen unter anderem die Benz-Werke in Gaggenau und Wörth, aber auch Großunternehmen aus ganz Europa. Der Familienbetrieb beschäftigt derzeit 50 Mitarbeiter. | Foto: Körner

Holzverarbeiter aus Gaggenau

Firma Rahner kämpft um ihre Zukunft

Die Wirtschaft boomt, die Auslastung ist hoch – und dennoch blickt die Geschäftsleitung des Traditionsunternehmens Rahner Holzverarbeitung GmbH sorgenvoll in die Zukunft. Wie beim Betriebsbesuch von Landrat Jürgen Bäuerle am Freitag deutlich wurde, muss sich die Firma vor allem einer erdrückenden Konkurrenz auf dem Ausbildungs- und dem Holzmarkt erwehren. Bislang mit Erfolg: Das Familienunternehmen in fünfter Generation behauptet sich mit rund 50 Mitarbeitern an seinem Standort im Bad Rotenfelser Industriegebiet.

Die Auslastung ist so hoch wie nie

In den 80er-Jahren zog man auf das 37 000 Quadratmeter große Areal unweit der B 462 und verließ den ursprünglichen Produktionsstandort in der Gaggenauer Innenstadt. Gegründet 1890 als Kistenfabrik, wurden die beiden Betriebszweige Sägewerk und Weiterverarbeitung 2003 in zwei eigenständige Unternehmen umgewandelt.

Ein Bild vor Ort machte sich Landrat Jürgen Bäuerle (links), hier im Gespräch mit Firmenchef Martin Rahner (Mitte) und Peter Weber, dem Geschäftsführer des Sägewerks. | Foto: Körner

Die Holzverarbeitung produziert Paletten, Kisten und Sonderverpackungen, Großkunden sind unter anderem das Protektorwerk sowie die Benz-Werke in Gaggenau und Wörth. Das im Sägewerk verarbeitete Holz liefert Rahner an Unternehmen in ganz Europa, etwa Fensterfabriken und Hersteller von Blockhäusern. „Die Auslastung ist so hoch wie nie“, sagt Seniorchef Hansjörg Rahner.

Große Konkurrenz für Rahner

Um die Gunst von Auszubildenden buhlte der Familienbetrieb lange vergeblich – und mittlerweile gar nicht mehr. Letztlich hatte die finanzstarke Konkurrenz auf dem Ausbildungsmarkt die Nase vorn. „Gegen Daimler haben wir keine Chance“, erklärt Hansjörg Rahner, „die sind zu groß und zahlen mehr“. In der Folge beträgt das Durchschnittsalter der Mitarbeiter mittlerweile rund 50 Jahre – Tendenz steigend. Der Seniorchef weiß: „Nur, wer bei Benz dreimal durchs Raster gefallen ist, kommt heute noch zu uns. Das hat dann aber auch keinen Sinn.“

„Azubis“ haben die Wahl

Weil finanzkräftige Unternehmen von Rahner ausgebildete Arbeitskräfte abschöpften, hat man die Ausbildung mittlerweile eingestellt. Im gesamten Landkreis suchten Unternehmen händeringend Auszubildende, berichtete Landrat Jürgen Bäuerle. Angehende „Azubis“ hätten sich früher um Lehrstellen bemühen müssen, so Bäuerle, heute aber hätten sie die freie Auswahl.

Holzverarbeitung bei der Firma Rahner in Bad Rotenfels | Foto: Körner

Auch angesichts starker in- und ausländischer Konkurrenz erstaunt, dass sich das kleine Unternehmen noch immer am Markt behauptet. „Die Großen kaufen uns das Holz vor der Nase weg“, berichtet Peter Weber, der Geschäftsführer des einzigen Sägewerks im badischen Teil des Murgtals. Vor dem Krieg waren es laut Hansjörg Rahner noch 24.

Die Gleise sind keine Option

Problematisch ist auch die An- und Auslieferung des Holzes, wie Weber im Beisein von OB Christof Florus schilderte. So sei die Josef-König-Straße für die Rahner-Lkw mit einer Länge von 24 bis 26 Metern zu eng dimensioniert, zumal dort auch die Firma König Metall ihre Lastwagen abstelle. Aufs Gleis will man bei Rahner indes nicht umsteigen. Firmenchef Martin Rahner erklärte, die sei „nicht wirtschaftlich“ und eigne sich nicht für das „Just-In-Time-Modell“, bei dem Materialien vom Zustellerbetrieb erst bei Bedarf direkt in die Fertigung des Abnehmers geliefert werden.