Mit einem symbolischen Spatenstich begannen in Gaggenau die Bauarbeiten für ein Haus mit neun Wohnungen, das einen Mietermix von sozial schwächeren Einheimischen und Flüchtlingen vorsieht. | Foto: Mandic

Am Beispiel Gaggenau

Flüchtlings-Thematik schafft neuen Wohnraum auch für Einheimische

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Die Flüchtlingsthematik schafft in Gaggenau Wohnraum auch für sozial schwächere einheimische Bürger. Was sich auf den ersten Blick nicht unmittelbar erschließt, lässt sich bei genauerem Hinsehen auf das städtische Bauprojekt Konrad-Adenauer-Straße 42 A, wo jetzt der symbolische erste Spatenstich gesetzt wurde, erklären.

Ohne Flüchtlinge kein Neubau

Dieses städtische Grundstück, das altlastenbehaftet war und wegen seiner Nähe zur Bundesstraße eine gewisse Lärmproblematik mit sich bringt, wäre noch lange brach gelegen – hätte nicht die Flüchtlingsthematik den entscheidenden Impuls im Rathaus gesetzt, mehr Wohnraum für sozial Schwächere insgesamt zu schaffen, wie OB Christof Florus und Bürgermeister Michael Pfeiffer auf der Baustelle erläuterten. Denn der Bedarf ist bei einheimischen Bürgern im preisgünstigen Mietsegment vorhanden, und zusätzlich wird nun bezahlbarer Wohnraum für Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung (nach ihrem Aufenthalt in Sammelunterkünften) benötigt.

Mietermix ist beabsichtigt

Exakt diese beiden Zielgruppen „bedient“ die Stadt Gaggenau in Gestalt ihrer Städtischen Wohnungsgesellschaft nun mit den beiden Neubauten Alban-Stolz-Straße (26 Wohnungen, bereits im Bau) und Konrad-Adenauer-Straße (neun Wohnungen, jetzt Baubeginn). In beiden Immobilien soll es einen ungefähr hälftigen Mietermix zwischen Einheimischen (mit Wohnberechtigungsschein wie auch für sonstige Mietbewerber der Wohnungsgesellschaft) und Flüchtlingen geben, was auch der Integration dienen und einer möglichen Gettobildung von Flüchtlingen einen Riegel vorschieben soll. Ohne den „Impuls Flüchtlinge“ hätte es diese beiden Neubauten so nicht gegeben – folglich auch nicht den zusätzlichen Wohnraum für Einheimische mit sehr schmalem Geldbeutel.

Neun Wohnungen entstehen

Bauherr in der Konrad-Adenauer-Straße ist die Städtische Wohnungsgesellschaft Gaggenau, Bauträger die Firma Consys aus Gaggenau, Architekt Klaus Mungenast aus Forbach, die Firma Bilger aus Gaggenau ist für den Rohbau zuständig. Damit sind Bauträger und Rohbauer ortsansässige Firmen, wie OB Florus beim Spatenstich betonte. Vorgesehen sind neun Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen mit Balkon (Terrasse), Tiefgarage und Fahrradabstellplätzen. Bei dem Bau handelt es sich um ein KfW-Effizienzhaus 55, das wegen der geringeren Heizkosten dem Gedanken der Nachhaltigkeit Rechnung trägt.

Altlasten treiben Baukosten in die Höhe

Die Wohnfläche beträgt 606 Quadratmeter, die Wohnungsgrößen liegen zwischen 55 und bis 74 Quadratmetern. Die Aushubarbeiten werden von der Kampfmittelsondierung begleitet.
Die Heizung erfolgt auf der Basis Wärme-Contracting durch die Stadtwerke Gaggenau. Die voraussichtlichen Baukosten betragen rund 1,7 Millionen Euro und sind abhängig von der Höhe der Entsorgungskosten für die Altablagerung, die derzeit noch nicht abschließend feststeht. Kalkuliert wird aber, dass alleine rund 350 000 Euro für den Abbau der Altlasten und die Auffüllung der Fläche benötigt werden.

Einst wurde Lehmgrube verfüllt

Die Altablagerungen basieren, so Andreas Merkel, auf Verfüllungen der früheren Lehmgrube am Fuß des Hummelbergs in der Nachkriegszeit. Andreas Merkel ist neben Ulrich Geiges Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft Gaggenau.